Presserklärung | 18. August 2015

 

Parken in der Kurfürstenstraße: Weniger ist mehr

Akzeptable Fußwegbreite und sicheres Radfahren nur durch Wegfall eines Parkstreifens möglich

Anderswo wird der Neubau oder Umbau von Straßen konsequent genutzt, um von der einseitigen Bevorzugung des Autoverkehrs der Vergangenheit wegzukommen und komfortable und sichere Lösungen auch für alle, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, zu finden – aber nicht so in Fulda. Im Oktober soll jetzt auch die Kurfürstenstraße für sage und schreibe 1,6 Millionen Euro ausgebaut werden, ohne dass es zu nennenswerten Verbesserungen für den Fuß- und Radverkehr kommt.

Die Crux liegt darin, dass die Kurfürstenstraße nur zwischen 14 und 15 Meter breit ist, die Planung des Ausbaus aber in weiten Teilen der Straße beidseitige Längsparkstreifen von einer Breite von jeweils zwei Metern vorsieht. So beschränkt sich der für die Gehwege verfügbare Platz auf der zum Schlosspark hin gelegenen Seite auf eine Breite zwischen 2 und 2,21 Meter, während er auf der anderen Seite sogar streckenweise nur 1,80 oder 1,50 Meter beträgt. Damit wird die untragbare Situation auf der Südseite der Kurfürstenstraße zwischen Bahnhofsvorplatz und Heinrich-von-Bibra-Platz, wo Menschen mit Rollkoffern, Kinderwagen und Rollstühlen sich den extrem schmalen Bürgersteig auch noch mit Radelnden teilen sollen, auch auf dem neu ausgebauten Abschnitt fortgesetzt. In der gültigen Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen, die ermöglichen will, dass sich Fußgänger problemlos begegnen und radfahrende Kinder an ihnen vorbeifahren können, wird dagegen eine Gehweg-Mindestbreite von 2,50 empfohlen.

Beim Neuausbau ist überdies für Radfahrende geplant, wieder die von Fuldaer Planern geliebten Schutzstreifen anzulegen, wie sie beispielsweise auf der Leipziger Straße zu finden sind. Obwohl die mittlerweile als Best-Practice-Leitlinie geltenden Empfehlungen für Radverkehrsanlagen von 2011 vorsehen, dass insbesondere bei Schutzstreifen, die direkt an Längsparkstreifen verlaufen, ein Sicherheitsabstand zu den parkenden Autos einzuhalten und zu markieren ist, sieht die Kurfürstenstraßen-Planung allerdings ähnlich wie in der Leipziger Straße abermals überhaupt keinen Sicherheitsabstand vor. Karin Masche, für die Linke.Offene Liste im Stadtparlament, weist darauf hin, dass auch bei neuen Planungen wie der Niesiger Straße wieder Schutzstreifen ohne Sicherheitsabstand geplant sind.

Radfahrenden sind beim Nutzen solcher Schutzstreifen stark gefährdet, denn selbst, wenn sie mittig fahren, können sie direkt von einer sich plötzlich öffnenden Tür erwischt werden. So kommt eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen zum Unfallrisiko von Radelnden zu dem Schluss, dass fast alle Unfälle, die sich zwischen Radverkehr und ruhendem Verkehr ereignen, auf nicht vorhandene oder zu schmale Sicherheitstrennstreifen zwischen Schutz- oder Radfahrstreifen und den Parkständen zurückzuführen sind. Für Ute Riebold, Stadtverordnete der Grünen, sind die Prioritäten klar: „Bei der Aufteilung des vorhandenen Straßenraums muss Sicherheit immer Vorrang haben – wenn die Straße zu schmal ist, um alle Interessen zu bedienen, müssen Parkplätze reduziert oder wenn nötig ganz gestrichen werden.“

Vertreterinnen und Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs haben in einem Gespräch mit Mitgliedern des Planungsamts bereits im März auf die Mängel der Planung für Menschen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, hingewiesen. Bisher wurde seitens der Stadt aber keine Bereitschaft signalisiert, auf die wichtigsten Vorschläge einzugehen. Verkehrswende Fulda fordert, die Planung nur unter Berücksichtigung der Richtlinie für Stadtstraßen und den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen umzusetzen.

Veröffentlicht unter "Ruhender Verkehr", ADFC, Fußverkehr, Parken in Fulda, Radverkehr, Verkehrswende Fulda | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Schutzstreifen – oder Suggestivstreifen?

Fulda | 27. Aug. 2015. Wer viel mit dem Rad in Fulda unterwegs ist, kennt sie – die sogenannten Schutzstreifen. Bei den Fuldaer Planern sind sie offenbar sehr beliebt, denn bei der Neugestaltung von Straßen kamen sie in jüngster Zeit mehrfach zum Einsatz: so an der Magdeburger Straße, der Leipziger Straße oder Teilen der Heidelsteinstraße. Nach der Neugestaltung der Kurfürstenstraße zwischen Leipziger Straße und Heinrich-von-Bibra-Platz sollen Radelnde in Zukunft auch dort von Schutzstreifen, nun ja, geschützt werden.

Ein Auto parkt in einer Parkbucht direkt neben dem auf der Straße für Radfahrende abmarkierten Schutzstreifen.

Auf der Magdeburger wird zwar an Schutzstreifen nur streckenweise geparkt – aber auch wieder ohne Sicherheitsabstand zum für die Radelnden reservierten Fahrbahnteil.

Was sind eigentlich Schutzstreifen? Schutzstreifen werden mit einem unterbrochenen weißen Streifen und Fahrradsymbolen auf der Fahrbahn abmarkiert. Durch die Abgrenzung von der Fahrbahn für den Kraftverkehr entsteht – anders als beim Fahrradstreifen – keine eigene Sondernutzungsspur für Radelnde, sondern lediglich ein optischer Schonraum, der vom motorisierten Verkehr nur bei Bedarf, beispielsweise beim Einparken oder beim Einfahren in ein Grundstück, und nur unter Ausschließung einer Gefährdung der Radfahrenden überfahren werden darf. Parken auf Schutzstreifen ist nicht erlaubt.

Die Cheap-and-Dirty-Version des Radfahrstreifens

Dass Schutzstreifen statt Radfahrstreifen angelegt werden, hängt mit der für letztere in der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung vorgeschriebenen Mindestbreite von 1,50 Metern zusammen – wobei die Breite sogar möglichst 1,85 Meter und bei hohem Verkehrsaufkommen 2 Meter betragen soll. Da für Schutzstreifen geringere Mindestbreiten empfohlen werden und keine festen Regeln bestehen, sind sie daher sozusagen die Cheap-and-Dirty-Version des Radfahrstreifens. Gerade Schutzstreifen, die nicht einmal die Mindestanforderungen aus der neuesten Version der Empfehlungen für Radverkehrsanlagen entsprechen, verdienen daher eher den Namen Suggestivstreifen – denn sie suggerieren, dass sie Schutz bieten, leisten dies aber tatsächlich nicht.

Zwischen Lkw und parkendem Auto bleibt auf dem Schutzstreifen nur noch eine schmale Gasse.

Da kommt Freude auf: Selbst bei großzügigem Parken bieten die Schutzstreifen auf der Leipziger praktisch keinen Sicherheitsabstand.

Die Gefahren – und das für Radelnde durchaus adrenalinsteigernde Potential – von Schutzstreifen sind in Fulda besonders gut an der Leipziger Straße zu beobachten. Zum einen verringert sich durch die Schutzstreifen ganz banal der Abstand, den Kraftfahrzeuge beim Überholen einhalten, denn die Fahrzeuglenkenden fühlen sich berechtigt, direkt neben der gestrichelten Begrenzungslinie zu überholen. Bei mittig auf dem Schutzstreifen Radfahrenden führt dies dazu, dass der Abstand zum überholenden Auto weit unter dem Mindestüberholabstand von 1,50 Metern liegt.

Potentielle Beute sich öffnender Autotüren

Noch prekärer ist aber der fehlende Sicherheitsabstand zu den Längsparkständen, die an längeren Teilstrecken der Straße zu finden sind. Während unmittelbar an den Parkplätzen verlaufende Schutzstreifen beim Bergauffahren vielleicht noch hinzunehmen sind, da die Gefahr, einer sich plötzlich öffnenden Autotür nicht mehr ausweichen zu können, bei niedrigen Geschwindigkeiten eher gering ist, sieht dies stadteinwärts ganz anders aus. Da Radelnde hier beim Herunterfahren Geschwindigkeiten von 40-50 Stundenkilometern erreichen können, müssten sie eigentlich einen Sicherheitsabstand zu den parkenden Autos halten – was sie dann aber zwingt, eigentlich bereits auf oder sogar links von der Begrenzungslinie des Schutzstreifens zu fahren.

Drei Radler fahren - von vorn fotografiert - hintereinander auf dem schmalen Schutstreifen auf der Leipziger Straße; links von ihnen sind parkende Autos zu sehen, rechts fahren Lkws vorbei.

Manche nennen Schutzstreifen Suggestivstreifen – denn „Schutz“ wird bei fehlendem Sicherheitsabstand zu den Parkplätzen und dem vorbeifahrenden Verkehr nur suggeriert.

Radelnde, die den Schutzstreifen aus Sicherheitsgründen beim Bergabfahren nicht nutzen, befinden sich allerdings möglicherweise in einer rechtlichen Grauzone. Es gibt zwar keine direkte Benutzungspflicht für Schutztreifen, aber indirekt besteht sie durch das Rechtsfahrgebot. Andererseits müssen Radelnde nur so weit rechts fahren, wie dies sicher möglich ist. Denkbar wäre aber auch die Argumentation, dass Radfahrende auf solchen Strecken dann eben durchweg langsam fahren müssen. Inwieweit und über welche Strecken hinweg dies zumutbar ist, sei dahingestellt.

Stand der Technik wird ignoriert

Die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen, die den Stand der Technik wiedergeben und insbesondere die Forschung zu Unfallrisiken berücksichtigen, sehen eine Mindestbreite von 1,25 Metern für Schutzstreifen vor – aber hinzu kommen noch mindestens 25, besser aber sogar 50 Zentimeter Sicherheitsabstand zu Längsparkständen. Ein solcher Sicherheitsabstand wurde auf der Leipziger Straße nicht realisiert, und bei zukünftigen Planungen wie in der Kurfürstenstraße und der Niesiger Straße fehlt er ebenfalls. Klar, die Breite der Straßen scheint eine optimale Lösung oft nicht herzugeben, wenn keine Bereitschaft besteht, auch einmal Flächen für den Kraftverkehr zu begrenzen. Doch wer sagt, dass das nicht geht – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Studie aus der Bundesanstalt für Straßenwesen zu Unfallrisiko und Regelakzeptanz von Fahrradfahrern, die feststellt, dass die Sicherheit von Radverkehrsanlagen ganz wesentlich mit der Einhaltung der Mindeststandards aus den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen zusammenhängt.

Gerade an der Leipziger Straße herrschen überdies Verhältnisse, die die Veröffentlichung der niedersächsischen Landesbehörde für Straßen und Verkehr  Schutzstreifen für den Radverkehr in Ortsdurchfahrten für die Anlage von eher schmalen Schutzstreifen als besonders problematisch einschätzt. So ergab eine Verkehrszählung von 2008 für die Leizpiger Straße über 1400 Schwerlastfahrzeuge pro Tag – und gerade breitere Fahrzeuge müssen oft in den Schutzstreifen ausweichen, um zu überholen. Daher widerspricht der Schutzstreifen auf der Leipziger Straße auch der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung, in der es heißt, dass Schutzstreifen nur markiert werden können, „wenn die Verkehrszusammensetzung eine Mitbenutzung des Schutzstreifens durch den Kraftfahrzeugverkehr nur in seltenen Fällen erfordert.“ Die Vorschrift fordert außerdem, dass Schutzstreifen so breit sein müssen, dass sie „einschließlich des Sicherheitsraumes einen hinreichenden Bewegungsraum für den Radfahrer bietet“ – was an Teilstrecken der Leipziger Straße ebenfalls nicht der Fall ist.

Markierungen fördern aggressives Anhupen und Anbrüllen

Ein besonders großer Traktor mit Anhänger befährt einen Teil des Schutzstreifens.

Bei hohem Aufkommen von Schwerlastverkehr und großen Fahrzeugen sollen Schutzstreifen eigentlich nicht angelegt werden.

Leider kommt noch ein weiteres Moment hinzu, das die Abmarkierung von Schutzstreifen gefährlich oder zumindest unangenehm werden lässt. Offenbar ist nämlich in Fulda eine größere Zahl von Autolenkenden unterwegs, die der Ansicht sind, Schutzstreifen dürften von Radfahrenden nicht verlassen werden – und zwar nicht einmal zum Linksabbiegen. Wer weit links auf dem Schutzstreifen fährt oder ihn gar mittels Handzeichen zum Linksabbiegen verlassen möchte, muss leider gewärtigen, aggressiv angehupt oder angebrüllt zu werden.

Vor diesem Hintergrund verwundert nicht, dass der Schutzstreifen an der Leipziger von Radfahrenden alles andere als gut angenommen wird. Tatsächlich sieht man gerade auf der Leipziger immer wieder Erwachsene und Jugendliche, die auf dem Gehweg radeln – offenbar, weil sie erkannt haben, dass es sich bei den Schutzstreifen in ihrer jetzigen Form leider nur um Suggestivstreifen handelt.

Veröffentlicht unter "Ruhender Verkehr", Radverkehr | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Mobilität und Lebensqualität – nur noch für gut betuchte Ältere?

Fulda | 25. Aug. 2015. „Senioren wollen gern ins Zentrum“, titelte die Fuldaer Zeitung am 24. August dieses Jahres. Der „Bauboom“ in Fulda sei nicht nur dem Wunsch nach Geldanlage geschuldet, so Autorin Rehnert, sondern auch der steigenden Nachfrage älterer Menschen, in unmittelbarer Nähe von Läden, Freizeitmöglichkeiten und Gesundheitsversorgung zu wohnen. Gerade allein lebende Seniorinnen und Senioren haben im ländlichen Raum immer schlechtere Chancen, einen eigenen Haushalt führen zu können. „Wer motorisiert sein muss, um einzukaufen, wer in einem Umfeld lebt, das ihn nicht unterstützen kann, hat schlechte Karten, im Alter und mit körperlichen Einschränkungen selbständig zu leben“, fasst Rehnert das Dilemma zusammen.

In Zeiten zunehmender Altersarmut und einer rapide steigenden Zahl alter Menschen – bis 2030, so zitiert Rehnert eine Prognose, wird die Zahl der Über-Achtzigjährigen um 60 Prozent steigen – wird es aber auch immer mehr ärmere alte Menschen geben, die sich weder Eigentumswohnungen noch teure Wohnungen in altersgerechten Projekten leisten können. Barrierefreie Sozialwohnungen werden den Bedarf der Zukunft wohl kaum decken können, wenn in Fulda weiter vor allem Eigentumswohnungen gebaut werden und Wohnraum vor allem die Rolle einer profitablen Finanzanlage für Investoren spielen soll.

Not tut daher nicht nur eine gezielte Förderung von langfristig erschwinglichem, barrierefreien Wohnraum, sondern auch die Bereitstellung von ebensolchen Mobilitätsangeboten des öffentlichen Nahverkehrs. Nur letzteres würde auch Hochbetagten, die in den Dörfern des Umlands wohnen, aber nicht oder nicht mehr selbst im Auto unterwegs sind, noch Selbständigkeit erlauben.

Veröffentlicht unter Öffentlicher Nahverkehr | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Friedrichstraßen-Händler: Hilfe, wir gehen bankrott!

Fulda – 22.07.2015. Dramatisch – so hörte sie sich an, die Lage der Friedrichstraßenhändler, falls die Friedrichstraße temporär für den Autoverkehr gesperrt oder gar in eine Fußgängerzone umgewandelt werden sollte – wobei letztere Option für die Stadt gar nicht mehr auf dem Tisch liegt, da, wenn überhaupt, nur an zeitlich begrenzte Sperrungen gedacht wird. Auf der sehr kurzfristig anberaumten Bürgerversammlung am 15 Juli im Fürstensaal, von der Verkehrswende Fulda leider zu spät erfuhr, um als Organisation teilnehmen zu können, stimmten die Geschäftsleute der Friedrichstraße einer nach der anderen eine Litanei des drohenden Untergangs an, sollte der Zugang des Autoverkehrs zur Friedrichstraße eingeschränkt werden.

Die vorauseilenden Klagen der Geschäftsleute standen in eigenartigem Kontrast zu Ausführungen seitens der Stadt, in denen es hieß, dass es sich bei einem Großteil des Verkehrs in der Friedrichstraße um Durchgangsverkehr handele – und somit gar nicht um Einzelhandelskunden für die Friedrichstraße. Dennoch wurde der Austausch zum Thema Friedrichstraße von den Händlern dominiert: Ihre Positionen hatten bereits detailliert Eingang in die PowerPoint-Präsentation der Stadt gefunden und wurden nachher in gut vorbereiteten Statements von den einzelnen Inhabern mit wenigen Variationen ähnlich vorgetragen.

Das höchste der Gefühle: Fußgängerzone light

Überhaupt nicht ernsthaft diskutiert wird die Idee, dass die Friedrichstraße ganz Fußgängerzone werden könnte – letztlich denkt man nur an eine temporäre Sperrung, beispielsweise abends. Trotz dieser Sperrung light lag ein Fokus der städtischen Präsentation dann auf der Frage, wie Verkehr umgeleitet werden könne. So waren drei Varianten im Gespräch. Erstens eine aufgrund der räumlichen Verhältnisse eigentlich nur in eine Richtung möglichen Führung des Verkehrs von der Schlosstraße in die Nonnengasse hinein bis zur Stadtpfarrkirche in nur eine Richtung. Zweitens die Führung von unten, also der Robert-Kircher-Straße aus, ebenfalls als Einbahnstraße am NKD vorbei Richtung Stadtpfarrkirche und dann in die Nonnengasse hinein. Und zu guter letzt die Variante, bei der der Verkehr ebenfalls von der Robert-Kircher-Straße Richtung Stadtpfarrkirche fließen würde, aber auch ein Abbiegen rechts zum Altstadtparkhaus in die Brauhausstraße hinein möglich wäre.

All diese Überlegungen zeigen vor allem eins: die Fußgängerzonen in der Fuldaer Innenstadt werden wohl bis auf weiteres Flickwerk bleiben. Statt eines umfassenden Verkehrskonzepts für die Innenstadt, bei der es darum gehen würde, wie Menschen möglichst umweltschonend, sozial gerecht und barrierefrei ihre Ziele erreichen können und gleichzeitig lebenswerter, lebendiger Stadtraum erhalten oder geschaffen wird, geht es darum, wie sich der Kraftverkehr in der Stadt bewegen soll.

Innenstadt als Erlebnisraum

Ein Bürger fragte sich dagegen laut, warum Fulda es nicht Städten wie beispielsweise Hameln gleichtun könnte, wo ein neues Konzept die Innenstadt autofrei und zugleich erheblich attraktiver machte. Wenn die Geschäfte in der Friedrichstraße Umsatzeinbußen hätten, läge das an ihren veralteten Geschäftsmodellen und stärkerer Konkurrenz aus dem Internet, nicht an der Frage, ob man sie mit dem Auto erreichen könne. Und damit könnte er recht haben, liegt doch die Attraktivität von Innenstädten gerade in Zeiten der Internetkäufe auch an ihrer Qualität als Erlebnisraum.

An einen ganz anderen Aspekt erinnerte Michael Kolb aus Maberzell: Wenn bei einem Test der Stadt bereits ein Stadtbus kaum in die Friedrichstraße einfahren und an deren Ende in die Mittelstraße einbiegen konnte, wie sieht es dann erst bei Feuerwehrwagen aus? Da am unteren Ende der Friedrichstraße ein Hotel entstehen soll, müsse dort Aufstellfläche für die Feuerwehr geschaffen werden – was sich nicht mit dem Ziel der Stadt, dort Parkplätze zu erhalten, vereinbaren ließe.

Veröffentlicht unter Fußgängerzonen, Fußverkehr, Fulda Innenstadt, Radverkehr | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Busse fürs Schützenfest

Pro Bahn & Bus sorgt dafür, dass auch späte Schützen noch per Bus nach Hause kommen

Auch dieses Jahr sorgt der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus wieder dafür, dass Besucherinnen und Besucher des Schützenfestes vom 24. Juli bis zum 2. August 2015 auch zu später Stunde noch für drei Euro mit dem Bus nach Hause kommen. Wer entlang einer der vier von den Nachtbussen befahrenen Routen wohnt, kann also beim Festbesuch getrost das eigene Auto zu Hause stehen lassen. Dabei bietet der Fahrgastverband Routen an, die teils auch von den Anrufsammeltaxen nicht mehr bedient werden, da sie außerhalb Fuldas liegen.

Seitlich fotografierte freundliche lächelnde Schützenverein-Mitglieder in weißen Hemden und mit grünen Uniform-Mützen.

Schützen auf einem Schützenfest in Olpe. Foto: Ben Fredricson – Flickr Commons License

Die Busse und ihre Abfahrtszeiten sind im einzelnen:

Bus A: Abfahrt um 23.15 nach Künzell-Petersberg über  ZOB, Klinikum, Grezzbachstraße, Gemeindezentrum, Sportplatz, Dicker Turm, Sieben Welten, Harbacher Weg, Am Roten Rain zur Endhaltestelle Propsteihaus.

Bus B: Abfahrt um 00.00 Uhr nach Haimbach, Fulda-Galerie, Sickels über die Stationen Antoniusheim, Kettelerstraße, Haimbach-Gärtnerei-Kirche, Galerie, Sickels, Jugendherberge.

Bus C: Abfahrt um 00.30 Uhr nach Niesig, Aschenberg und Horas über die Haltestellen Niesig-Abzweig, Regensbachstraße, Aschenberg-Platz, Einhardstraße, Horas Ortsmitte.

Bus D: Abfahrt um 01.00 Uhr entlang der Strecke der Röhnbahn nach Gersfeld über ZOB, Bronnzell, Löschenrod, Eichenzell, Welkers, Rönshausen, Lütter, Ried, Thalau, Schmalnau, Hettenhausen, Altenfeld, Abwz. Maiersbach, Gersfeld.

Ein Plakat mit allen Informationen lässt sich hier herunterladen. Zur Einstimmung fürs Nachhausefahren nach dem rauschenden Fest können Interessierte außerdem hier schon einmal Bulat Okudzhavas ebenso melancholische wie berühmte Hymne auf den „Letzen Trolleybus“ auf Youtube anhören.

Veröffentlicht unter Öffentlicher Nahverkehr, Busverkehr | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Barrierefreies Fulda?

Weit über 500 Personen testeten Fulda aus der Rollstuhlperspektive

Rolli-Challenge Fulda: für Menschen, die normalerweise nicht auf einen Rollstuhl angewiesen sind, bot die Aktion des Vereins Interessengemeinschaft barrierefreies Fulda vom 25. April bis 6. Juni die Möglichkeit, Fulda mal ganz anders, nämlich aus Rollstuhlperspektive zu erleben und erfühlen. Auch wir von Verkehrswende Fulda wollten das einmal ausprobieren und haben noch kurz vor Torschluss am 3. Juni teilgenommen. Eine ganze Schulklasse in Rollstühlen vor dem Sanitätshaus Keil, das die Rollstühle zur Verfügung stellte, zeigte, wie groß das Interesse war. Tatsächlich hatten am 3. Juni bereits über 530 Personen ausprobiert, wie es ist, mit dem Rollstuhl in Fulda unterwegs zu sein.

Während des Rolli-Challenge waren oft ganze Gruppen von Rollifahrerinnen und -fahrern unterwegs.

Während des Rolli-Challenge waren oft ganze Gruppen von Rollifahrerinnen und -fahrern unterwegs.

Der erste Eindruck: für ungeübte Menschen ist allein das Bergauffahren beispielsweise vom Sanitätshaus Keil in die Friedrichstraße hinein aus rein sportlichen Gründen ein „Challenge“. Wenn dann aber auch noch parkende Autos den Fußweg stark verengen, werden eigentlich unproblematische, von Geschäften aufgestellte Kleiderständer, Tische und Stühle von Cafés und ähnliches zu echten Hindernissen. Der ruhende Verkehr erzeugt dabei nicht nur dann Probleme, wo er erlaubt wird, sondern auch dort, wo speziell als Parkhindernis aufgestellte Ketten das Parken verhindern – denn an diesen Stellen werden die Gehwege natürlich ebenfalls verengt.

Abenteuer: Straße überqueren

Zum echten Abenteuer kann sich mit einem Rollstuhl schon das einfache Überqueren der Straße anfühlen. Das besonders holprige Pflaster, ob im abschüssigen Teil der Friedrichstraße, der in die Robert-Kircher-Straße übergeht, oder bei der Fahrt vom Buttermarkt über die Karlstraße in die Löherstraße hinein, kann leicht zu Situationen führen, in denen es sich anfühlt, als könne der Rollstuhl jeden Augenblick aus dem Gleichgewicht geraten. Selbst da, wo die Bordsteine für Kinderwagen und Rollstühle abgerundet wurden wie an einer Fußgängerampel an der Königstraße, kann es Probleme geben: mein Rollstuhl hob beim Auffahren auf die Rampe vorn ab, da sie zu steil war.

Rollstuhlfahren will gelernt sein: hier gab es Insider-Informationen vom "Rollstuhl-Profi" - der problemlos über den hohen Bordstein kam.

Rollstuhlfahren will gelernt sein: hier gab es Insider-Informationen vom „Rollstuhl-Profi“ – der problemlos über den hohen Bordstein kam.

Hier traf ich allerdings auch auf einen Rollstuhl-Profi, der mit Verweis auf seine gut trainierten Arme darauf aufmerksam machte, dass Rollstuhlfahren gelernt sein will, und demonstrierte, wie man mit dem Rollstuhl auch ohne Hilfe elegant einen Bordstein überwinden kann. Ich erfuhr auch, dass mein Rollstuhl, wäre es denn tatsächlich „meiner“ gewesen, besser auf mich eingestellt sein und vermutlich bei steilen Auffahrten nicht abheben würde – dass ich aber auch ein spezielles Rollstuhltraining durchlaufen hätte und wüsste, dass ich im Fall eines Sturzes auf keinen Fall den Kopf nach hinten nehmen dürfe.

Zugleich dachte ich aber auch an die vielen Menschen, die auf elektrische Rollstühle angewiesen sind und die beispielsweise Stufen oder Bordsteine in keinem Fall überwinden können. Größere Erschütterungen stellen für manche Menschen in solchen Rollstühlen außerdem nicht nur eine Komforteinbuße, sondern auch eine gesundheitliche Gefahr dar.

Fußgängerzone – nur für Menschen ohne Einschränkungen

Gerade da, wo der Straßenbereich der Fußgängerzone besonders holprig sind, blockieren Schilder und anderes die Fußwege.

Gerade da, wo der Straßenbereich der Fußgängerzone besonders holprig sind, blockieren Schilder und anderes die Fußwege.

Deutlich wird bei der Fahrt durch die Fußgängerzone, dass oft kaum daran gedacht wird, dass auch Menschen in Rollstühlen hier unterwegs sind. So werden Anlieferfahrzeuge so nah an Gebäuden oder vorgelagerten Treppen geparkt, dass mit dem Rollstuhl nur knapp ein Durchkommen ist – aber nicht mehr bei entgegenkommendem Fußverkehr. In der Karlstraße sind die ohnehin sehr schmalen Fußwege im unteren Teil, die etwas weniger holprig als die Fahrbahn sind, fast komplett mit Schildern und ähnlichem vollgestellt. Weiter oben waren die Stühle und Tische eines Cafés so platziert, dass ein Rollstuhl nicht durchpasste. Glücklicherweise wird zumindest der obere Teil der Karlstraße bald saniert – aber die Maßnahme bleibt voraussichtlich noch für einige Zeit Stückwerk.

Wer fit genug ist, muss sich dann notfalls auch mal einen Stuhl selbst aus dem Weg räumen - nicht gerade die Idealsituation.

Wer fit genug ist, muss sich dann notfalls auch mal einen Stuhl selbst aus dem Weg räumen – nicht gerade die Idealsituation.

Ein Lichtblick war die Marktstraße, in der ein Mittelstreifen mit relativ glatten Platten ein gutes Fortkommen ermöglicht. Allerdings ist unwahrscheinlich, dass Innenstadtbesucher im Rollstuhl immer auf diesem Streifen bleiben wollen, denn auch sie möchten natürlich einkaufen und Geschäfte oder Restaurants besuchen können. Wer das versucht, kann aber bei vielen Fuldaer Geschäften auf weitere Barrieren stoßen: Stufen vor dem Eingang, die mit dem Rollstuhl nicht oder kaum ohne Hilfe zu überwinden sind – oder, in Restaurants, schlicht und einfach fehlende Toiletten, die für Rollstuhlbenutzende verwendbar wären.

Stufe am Ladeneingang wird zur Falle

So gelang es mir mit Hilfe meiner Begleitperson, in einen Laden mit Stufe hineinzukommen. Im Laden war dann immerhin, wenn auch sehr knapp, genug Platz, um mich tatsächlich umsehen zu können. Beim Verlassen des Ladens hatte ich dann aber vorwitzigerweise versucht, über die Stufe wieder herauszurollen – doch der Rollstuhl verfing sich und blieb in schräger Position stehen. So war ich wieder auf Hilfe angewiesen, um mich aus der misslichen Lage zu befreien.

RolliChallenge_StufenLadeneingang_Detail

Selbst kleine Stufen sind im Zweifelsfall unüberwindliche Hürden.

Positives Fazit der Aktion: es gibt ziemlich viele Menschen in Fulda, die sich für die Situation ihrer auf Rollstühle angewiesenen Mitbürgerinnen und -bürger interessieren. Als weniger gute Einsicht bleibt, dass Fulda in Sachen Rollstuhlfreundlichkeit noch einiges zu lernen hat. Um gute Beispiele auszuzeichnen, verleiht die Interessengemeinschaft barrierefreies Fulda seit Januar 2014 einen Aufkleber für Restaurants, Praxen, Läden und andere Einrichtungen, die rollstuhlgerecht sind. Wer herausfinden möchte, welche Orte bereits ausgezeichnet wurden, kann auf der entsprechenden Seite der Interessengemeinschaft eine Liste herunterladen.

Veröffentlicht unter Barrierefreiheit, Fußgängerzonen, Fußverkehr, Fulda Innenstadt, Parken in Fulda | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Menschen statt Blech

AktionBahnhofstr_Gespraeche

Statt der üblichen parkenden Autos viel Raum für Gespräche in der Bahnhofstraße.

Am vergangenen Samstag präsentierte sich die Bahnhofstraße in ihrem mittleren Teil einmal ganz anders: Wo sonst Auto an Auto parkt (häufig halb oder gar ganz auf den „Schutzstreifen“ für Radfahrende), waren plötzlich lauter Fahrräder abgestellt – darunter auch eine Rikscha, ein Tandem und ein Lastenrad. Verkehrswende Fulda demonstrierte damit nicht nur, dass auf zwei bis drei regulären Parkplätzen viele viele Fahrräder unterkommen können, sondern setzte auch ein Zeichen, dass Fuldas Innenstadt mit mehr Platz für Menschen, die nachhaltig mobil sind, mehr Anreize zum Verweilen und zum Genießen des Stadtraums bieten würde. Verbunden war die Aktion mit einer Anzahl von Vorschlägen für die Innenstadt, die den Stadtraum beleben und nachhaltige Mobilität in der Innenstadt fördern sollen.

Direkte Wege für nachhaltige Mobilität

Aktion_RaederStattAutos

Statt Autos parkten in der Bahnhofstraße ausnahmsweise einmal Räder.

So wünscht sich Verkehrswende Fulda, dass die Bahnhofstraße in ihrer ganzen Länge Fußgängerzone und zugleich fußgängerfreundlicher wird. Während Fußgängerinnen und Fußgänger heute sage und schreibe dreimal Fußgängerampeln benutzen müssen, um vom Bahnhof zum Uniplatz zu gelangen, und der mittlere Teil der Bahnhofstraße sogar eine Signalanlage für das einfache Queren der Bahnhofstraße selbst vorsieht, sollte dem Fußverkehr durch Zebrastreifen Vorrang gewährt werden. Um sie sicherer zu machen, sollte dabei der Verkehr auf den die Bahnhofstraße querenden Einbahnstraßen entschleunigt werden. Verkehrswende Fulda fordert außerdem die konsistente Öffnung von Einbahnstraßen in beiden Richtungen für Radelnde und verbesserte Abstellmöglichkeiten für Räder. Verkehrswende Fulda kritisiert außerdem, dass, wer mit dem Auto in die Innenstadt kommt, zentral am Uniplatz aus der Tiefgarage steigen kann – während der öffentliche Nahverkehr längst nicht so günstig angebunden ist.

FlyerBahnhofstrVon den Passantinnen und Passanten erntete die Aktion Zuspruch ebenso wie Kritik. Eine Frau, die ihr Auto auf der Ochsenwiese parkte, stimmte zu, dass es ja nun wirklich nicht nötig sei, direkt in die Innenstadt hineinzufahren. Andere erinnerten daran, dass es ja früher einmal einen Shuttle-Bus gegeben habe, der die außenliegenden Parkgelegenheiten mit der Innenstadt verbunden hat. Ein Familienvater aus Hünfeld dagegen wetterte, dass es in Fulda nicht zu viele, sondern viel zu wenige Parkplätze gebe – denn so seien beispielsweise Parkplätze an der Pauluspromenade weggefallen. Auf den Hinweis, dass Fulda von Hünfeld aus ja auch gut mit der Bahn zu erreichen sei, beklagte er sich über die hohen Fahrpreise. In der Tag kostet ein Ticket (einfache Fahrt) 4,55 Euro – aber dafür können Fahrräder kostenlos mitgenommen werden, und in Fulda fallen null Euro Parkgebühren an.

Schutzstreifen werden immer noch zugeparkt

VerkleinertesGitterHilftNichts

Trotz der verkleinerten Baumeinfassung wird hier noch mit großem Abstand geparkt. So ragt das Auto in den Schutzstreifen für den Radverkehr hinein.

Übrigens: die Stadt ist offenbar dabei, am ärgerlichen Parken der Kraftfahrzeuge auf den Schutzstreifen für Radler zu arbeiten. Jedenfalls wurde begonnen, die metallenen Gitter, die die Bäume an der Bahnhofstraße einfassen und die das Öffnen der Türen geparkter Autos erschweren können, zu verkleinern. Allerdings war zu beobachten, dass sich der gewonnene Platz noch nicht bei allen herumgesprochen hat, denn auch direkt neben einer der jetzt verkleinerten Baumeinfassungen wurde trotzdem noch so geparkt, dass der Schutzstreifen in Mitleidenschaft gezogen war.

Veröffentlicht unter "Ruhender Verkehr", Aktionen, Öffnung von Einbahnstraßen, Busverkehr, Fußgängerzonen, Fulda Innenstadt, Parken in Fulda, Verkehrswende Fulda | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Verkehrswende Wahlkompass: Kandidatin und Kandidaten der OB-Wahl zum Thema Mobilität

Verkehrswende Fulda hat der Kandidatin und den Kandidaten für das Bürgermeisteramt 15 Fragen zum Thema Mobilität in Fulda gestellt. Dabei geht es uns darum, herauszufinden, ob und wie die Kandidat_innen im Falle ihrer Wahl vorhaben, Mobilität zu stärken, die weniger Lärm, Abgase und Gefahren verursacht und Fulda insgesamt noch lebenswerter macht. Trotzdem sollen die Fuldaerinnen und Fuldaer und Leute aus dem Umland aber immer noch kostengünstig, nachhaltig und bequem von A nach B gelangen können.

Wir bedanken uns bei der Kandidatin und den beiden Kandidaten herzlich für die eingegangen Antworten.

 

 

Fragen Birgit Kömpel
SPD
Ralf Zwengel
Bündnis 90/Grüne
Heiko Wingenfeld
CDU
1.   Laut dem Klimaschutzkonzept der Stadt Fulda aus dem Jahr 2013 legen die Fuldaerinnen und Fuldaer 59 % ihrer Wege motorisiert zurück, 14 % mit dem öffentlichen Nahverkehr, 21 % zu Fuß und 6 % mit dem Rad. Streben Sie an, diese Verteilung zugunsten der umweltfreundlichen, lärmarmen und platzsparenden Verkehrsarten zu verbessern, und wenn ja, welche konkreten Maßnahmen werden Sie im Bürgermeisteramt fördern? Ich setze mich für eine bessere Nutzung des Busverkehrs ein. Das Fahrradwegnetz muss im Stadtgebiet endlich fertig gestellt werden. ÖPNV stärken, Taktverdichtung, Innenstadtlinie, siehe 9. Entschleunigungsmaßnahmen – siehe die Ausführungen zu den anderen Fragen – stärken den Rad- und Fußverkehr allein auch schon deswegen, weil diese ja auch durch die Angleichung der Geschwindigkeiten konkurrenzfähiger zum Auto würden. Ja. Im Falle meiner Wahl möchte ich mich für eine Verbesserung der umweltfreundlichen, lärmarmen und platzsparenden Verkehrsarten in Fulda einsetzen. Konkret denke ich dabei an eine Förderung des ÖPNV (Haltestellenumbau, Busbeschleunigung, ggfs. Taktverdichtung) sowie durch eine Förderung der Radverkehr-Infrastruktur.
Zu Fuß gehen
2.   Werden Sie sich für die Umwandlung der Friedrichstraße in eine (für den Radverkehr geöffnete) Fußgängerzone einsetzen? Ja. Ja.  Ich würde diese Möglichkeiten prüfen. Meine Gespräche mit Händlern und Bürgerinnen und Bürgern zeigen jedoch, dass hier viele und teilweise gegensätzliche Interessen zu berücksichtigen sind. Ich könnte mir gut vorstellen, zumindest im Sommer versuchsweise an Samstagen und Sonntagen die Friedrichstraße nur für Fußgänger und Radfahrer zugänglich zu machen.
3.   Werden Sie sich dafür einsetzen, eine durchgängige (für den Radverkehr geöffnete) Fußgängerzone in der Bahnhofstraße anzulegen? Ja. Ja – doch unterbrochen durch die kreuzenden Rabanus-, Linden- und Heinrichstraße, die jedoch – zumindest in dem Bereich – verkehrsberuhigend zu gestalten wären.  Die Fußgängerzone in der unteren Bahnhofstraße ist meiner Meinung nach mittlerweile gut akzeptiert. Mit Blick auf die übrigen Abschnitte könnte ich mir eine Prüfung vorstellen. Allerdings gibt es hier zahlreiche Privatzufahrten und Garagen, die eine Fußgängerzone verkehrstechnisch erschweren.
4.   Welche konkreten Maßnahmen werden Sie fördern, damit Menschen mit Seh- oder Gehbehinderung sich in der Innenstadt besser bewegen können? Das teilweise schwer begehbare Pflaster im Innenstadtbereich muss dringend durchgehend behindertengerecht umgebaut werden. Baulich: Dort, wo das Pflaster für Menschen mit Beeinträchtigungen nicht gut begehbar ist, sanieren oder erneuern. Ob der betreffende Abschnitt ganz saniert werden sollte oder nur ein Streifen, muss für die jeweiligen Wege konkret entschieden werden. – Leitstreifen, die mit Stock erfühlt werden können und sich von der Farbgebung abheben. Wo und wie konkret, muss mit dem Behinderten-Beirat und ggf. weiteren Fachleuten abgeklärt werden.Ordnungspolitisch: Gegen zugeparkte und zugestellte Wege und Leitstreifen vorgehen. Das ist weder hier noch bei Radwegen ein Kavaliersdelikt.  Ich würde mich für die Schaffung von gehfreundlichen Beläge in den Altstadtgassen, Fertigstellung der blindengerechten „Magistrale“ vom Bahnhof bis zum Löhertor, Fortsetzung der Umrüstung vom Ampelanlagen, Einrichtungen für Blinde, Sehbehinderte und Rollstuhlfahrer bei allen Straßenneu- und –umbauten einsetzen.
5.   Gibt es Stellen in der Fuldaer Innenstadt, an denen Fußgängerampeln durch Zebrastreifen oder anderes ersetzt werden sollten? Zum Beispiel am Rosengarten beim Parkhaus. Im Bereich der Bahnhofstraße würde ich die Geschwindigkeit des Verkehrs der drei kreuzenden Straßen reduzieren und die Ampeln dort zugunsten anderer Regelungen abschaffen. Es sollte dort Richtung shared space gedacht werden. Auf gegenseitige Rücksicht zu setzen (begleitet durch bauliche Maßnahmen) ist für nichtmotorisierte VerkehrsteilnehmerInnen zudem sicherer als die häufig trügerische Sicherheit von Fußgängerampeln.  Zu dieser Frage müsste ich mir im Falle meiner Wahl zunächst einen detaillierten Überblick verschaffen. Die Einrichtung von Fußgängerüberwegen (Zebrastreifen) ist aus Gründen der Verkehrssicherheit an enge Voraussetzungen wie zum Beispiel Fußgänger- und Fahrzeugfrequenz gebunden. Vor diesem Hintergrund kann ich in der Rolle als Kandidat zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Festlegungen treffen.
Stadtraum gemeinsam nutzen
6.   Gibt es Straßen oder Stadtgebiete in Fulda, in denen Ihrer Ansicht nach Tempo-30-Regelungen eingeführt werden sollten, und welche sind dies? Alle Straßen im Viereck Kurfürstenstr, Am Bahnhof, Königstr., bis zur Dalbergstr. und ab Paulustor wären m. E. geeignet. GRÜNE sind ja für eine umgekehrte Regelung. Also, dass innerorts generell Tempo 30 gilt und die Behörden für die Straßen, wo das sinnvoll ist, eine höhere Geschwindigkeit erlauben. Aber das ist leider Bundesangelegenheit. Da wir so weit nicht sind: Alle Wohnquartiere. In der Innenstadt der Bereich, der umschlossen wird von Bahngleisen, Petersberger-, Dalberg-, Rang-, Bardo-, Maberzeller und Leipziger Straße.  In den 90er Jahren wurden in der Stadt Fulda nahezu flächendeckend in den Wohngebieten 30er-Zonen eingerichtet. Nach meiner Kenntnis ist die Stadtverwaltung aufgrund der aktuellen Vorgaben der Straßenverkehrsordnung und Beschwerden einzelner Bürgerinnen und Bürger darauf bedacht, die bestehenden 30er-Zonen aufrechtzuerhalten. Grundsätzlich halte ich die 30er-Zonen-Regelung in den Wohngebieten für angemessen.
7.   Für welche Straßen in Fulda werden Sie sich für die Einführung von gemeinsam genutzten Straßenräumen („shared space“) stark machen? Prinzipiell ein guter Ansatz. Kann aber nur im Rahmen eines Gesamtverkehrskonzeptes entwickelt werden, was in Fulda noch fehlt. Shared space ist in der Regel nicht auf einzelne Straßenzüge begrenzt, sondern bezieht sich auf zusammenhängende Räume. Wenn das System nur auf einzelne Straßen begrenzt wird, ist das ja faktisch das gleiche wie „Verkehrsberuhigte Zonen“, hier gilt ja schon „gemeinsam genutzter Raum, also shared space.In Wohnquartieren und in der Innenstadt sollte (soweit die Beschränkungen des Straßenverkehrsrecht dies zulassen) generell „rechts vor links“ gelten. Konkrete Straßen in der Innenstadt: Siehe auch Antwort 5.Rabanusstraße, Mittelstraße, Robert-Kircher-Straße (zumindest ab Kreuzung Königstraße bis Mittelstraße), Ohmstraße, Florengasse und Brauhausstraße (durchbrochen von Dalbergstraße, sofern nicht der ganze Raum shared space-Zone), Am Stockhaus, Peterstor, Petersgasse, Nonnengasse, Löherstraße, Königstraße (der Abschnitt zwischen Karlstraße und Robert-Kircher-Straße schreit förmlich danach). Die Straßen, die Fußgängerzone sind, sind bei der Aufzählung ausgespart.Als shared space Zone bietet sich förmlich an der Bereich, der umschlossen wird von Rang-, Dalberg-, Goethe-, Künzeller- und von-Schildeck-Straße. Und auch der Bereich um den Dom, incl. Pauluspromenade, die kleinen Gäßchen dahinter, bietet sich als shared space-Zone an. Dasselbe gilt für den Bereich Tränke und Umgebung, incl. Wiesenmühlenstraße.  Zu dieser Frage habe ich in meiner Rolle als Kandidat noch keine konkreten Planungen. Soweit rechtlich zulässig, bin ich gerne zu einer Prüfung bereit.
8.   An welchen Stellen in der Fuldaer Innenstadt würden Sie eine Entschleunigung des Verkehrs befürworten, und welche Maßnahmen werden Sie für diesen Zweck fördern? Siehe Frage 7. Siehe 7. Rechts vor links, keine vorfahrtsberechtigten Straßen, das entschleunigt schon sehr und kostet wenig.  Grundsätzlich sind in dem engeren Bereich der Innenstadt verschiedene Maßnahmen zur Entschleunigung und/oder Reduzierung des Individualverkehrs zu begrüßen. Dies kann aber vielfach nur gelingen, wenn alle Beteiligten einen solchen Weg mittragen.
Den öffentlichen Nahverkehr nutzen
9.   Welche konkreten Maßnahmen werden Sie fördern, um die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs in Fulda attraktiver zu machen? Kürzere Taktung im Berufsverkehr, Beginn der sogenannte Schwachlastzeiten auf nach 20:00 Uhr verlegen (Ladenschlusszeiten!), überprüfen, wo kürzere Taktzeiten notwendig sind, kürze Fahrzeiten, bessere Koordination mit der Bahn, bessere Anbindung der Gewerbe- und Industriegebiete, ergänzenden Ringverkehr. Außerdem könnte man auch mit dem Einzelhandel besprechen, inwieweit es beim Vorzeigen der Fahrkarten auch einen Rabatt gibt (siehe Parktickets). Eine neue Linie, die Ziele innerhalb der Innenstadt erschließt. Dichterer Takt. Wenn das Bussystem beibehalten wird, als ersten Schritt die dicht besiedelten Quartiere in einem 15 Minuten-Takt anfahren.Allerdings muss das Bussystem grundlegend neu geplant werden. Dieses Bussystem ist nicht mehr geeignet, der Entwicklung der Stadt gerecht zu werden.  Ich würde die Fortsetzung des begonnenen Haltestellenumbaus, die Installation eines Fahrgastinformationssystem, die Busbeschleunigung mit Taktverdichtung fördern.
10. Werden Sie sich für eine engere Taktung des Busverkehrs in Fulda stark machen? Siehe Frage 9. Ja. Siehe auch 9. Ja, sofern dies sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar ist.
11. Werden Sie sich dafür einsetzen, eine Ausweitung des Anrufsammeltaxi-Services auf direkt an Fulda angrenzende Ortschaften wie beispielsweise Künzell und Petersberg durchzusetzen? Ja, dabei die anderen Gemeinden in die Pflicht nehmen. Ja. Das hängt jedoch entscheidend von den Nachbargemeinden ab. Die hatten diesen Service früher ja auch, haben den aber vor Jahren ersatzlos abgeschafft.  Ja, hierfür würde ich mich einsetzen. Konkret würde ich eine bessere Zusammenarbeit mit den Gemeinden Petersberg und Künzell anstreben, da diese hierfür zuständig sind. Verbesserungspotenzial gibt es offensichtlich auch bei dem AST in Richtung Schlitz.
Mit dem Rad fahren
12. Welche konkreten Maßnahmen werden Sie fördern, um das Fahrradfahren in Fulda attraktiver zu machen? Schnellstmögliche Schließung des städtischen Radwegnetzes, mehr und vor allem sichere Fahrradabstellplatze im Innenstadtbereich, intensives Marketing für das Radfahren auch durch Ankurbelung des Radtourismus, auf die Generation E-Bike reagieren, im Stadtschloss einen Stelle für einen Fahrradbeauftragten einrichten. In der Innenstadt und in den Wohnquartieren „rechts vor links“, weil das entschleunigt und daher sicherer ist.Radwege und Schutzstreifen immer mit Sicherheitsabstand zu Parkstreifen.Auch die Gegenrichtung von Einbahnstraßen für den Radverkehr frei geben.Besonders auch für die Bahnpendler und an den Schulen mehr geeignete und sichere Stellplätze einrichten.Gefahrenpunkte (beim Abbiegen, bei Knotenpunkten etc.) beseitigen.  Im Falle meiner Wahl würde ich mich für den weiteren Ausbau von Radfahrstreifen und Schutzstreifen einsetzen. Es sollte selbstverständlich sein, dass bei jeder anstehenden Straßenbaumaßnahme Radverkehrsanlagen geschaffen werden.
13. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass Radwege, die nicht den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen entsprechen, nur noch mit dem Schild „Fahrrad frei; Fahren auf der Fahrbahn erlaubt“ ausgeschildert werden? Ich bin nicht schlüssig, ob noch mehr Schilder im Straßenraum sinnvoll sind. Das Fahrradfahren muss in Fulda einen anderen, besseren Stellenwert erhalten. Ja.  Zur Beantwortung dieser Frage würde ich zunächst eine Prüfung durchführen wollen. Soweit es rechtlich notwendig und sinnvoll ist, könnte der Gehweg für Radfahrer freigegeben werden.
14. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass Einbahnstraßen in der Innenstadt von Radfahrerinnen und Radfahrern generell in beiden Richtungen befahren werden dürfen? Falls nicht, benennen Sie, welche Straßen aus welchen Gründen ausgenommen sein sollten? Prinzipiell ja. Probleme sehe ich beispielsweise in der Heinrich- und Lindenstraße. Ja. Bei den Straßen, bei denen das verkehrsrechtlich nicht möglich ist, Maßnahmen ergreifen, die die rechtlichen Hürden beseitigen.  Ja, weil dies aus meiner Sicht sehr sinnvoll ist.
15. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass Fahrradwege und Fahrrad- oder Schutzstreifen für Radfahrerinnen und Radfahrer nur dort angelegt werden dürfen, wo ein ausreichender Sicherheitsabstand zu Parkplätzen besteht, und dass Parkplätze im Konfliktfall auch einmal wegfallen sollten? Schutzstreifen und Parkplätze kollidieren, das habe ich beobachtet. Sollte im Einzelfall geprüft werden und eine für alle Verkehrsteilnehmer zufriedenstellende Lösung gefunden werden. Ja. Leider sind die Straßenräume in Fulda oft sehr eng. Wenn man hier zu enge Maßstäbe setzt, besteht die Gefahr, in vielen Fällen keinen Raum für Radverkehr schaffen zu können. Dies gilt gleichermaßen für die Einrichtung von Fahrrad- und Schutzstreifen wie für die Schaffung von barrierefreien Verkehrsräumen für Fußgänger.
Veröffentlicht unter Anrufsammeltaxi, Öffentlicher Nahverkehr, Öffnung von Einbahnstraßen, Bürgermeisterwahl Fulda, Busverkehr, Fußgängerzonen, Fulda Innenstadt, Radverkehr, Verkehrswende Fulda | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Fuldas Fahrradklima erhält wieder eine Vier!

Stillstand: Und Fulda bewegt sich nicht!

Wer in und um Fulda nicht hauptsächlich auf den touristischen Radwegen unterwegs ist, wird sich kaum wundern, dass Fulda beim alle zwei Jahre vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) durchgeführten Fahrradklimatest wieder einmal auf den hinteren Plätzen gelandet ist. Bei der Umfrage belegte Fulda bundesweit – mit einem Wert von 4,1 (wobei 1 der beste, 6 der schlechteste Wert ist) – Rang 85 von 100 bei Städten zwischen 50 000 und 100 000 Einwohnern und Rang fünf von sieben bei den hessischen Städten dieser Größe.

Sprich: gegenüber dem letzten Test hat sich in Fulda praktisch nichts geändert – oder jedenfalls nichts, was als erhebliche Verbesserung beim täglichen Radeln in Fulda spürbar wäre. Die Umfrage, für die in Fulda 140 Radfahrerinnen und

Eine von hinten fotografierte Gruppe von Radfahrerinnen und Radfahrern nimmt eine ganze Linksabbiegerspur ein, während sie vor einer roten Ampel am Stadtschloss Fulda warten.

Die Menge macht’s: Bei den Critical Mass Stadtrundfahrten an jedem Dienstag (um 18 Uhr ab Domplatz) können Radelnde sich dann doch mal sicher fühlen.

Radfahrer 27 Fragen zu ihrer Stadt beantworteten, befragte die Teilnehmenden zu verschiedensten Bereichen des Radelns: von Abstellplätzen bis zu Konflikten mit Leuten, die zu Fuß gehen; vom Umgang der Städte mit Baustellen über das Thema Winterdienst auf Radwegen und subjektivem Sicherheitsgefühl.

Die einsame Verbesserung: Es wird weniger geklaut

Das Positive zuerst: Der einzige Bereich, in dem sich Fuldas Fahrradklima merklich gegenüber dem letzten Test verbessert zu haben scheint, ist der Fahrraddiebstahl. Etwas besser als ähnliche Städte schnitt Fulda außerdem nicht nur beim Fahrraddiebstahl ab, sondern auch beim Zustand der Radwegeoberflächen – allerdings nur in einem statistisch kaum relevanten Maß

(0,2). Einen Wert im noch gut befriedigenden Bereich erreichten auch die Fragen, wie gut das Stadtzentrum erreichbar ist, inwieweit zügiges Radeln möglich ist und ob es in der Gegenrichtung geöffnete Einbahnstraßen gibt.

Tägliche Ärgernisse

Nahaufnahme einer Fahrradnabe von der Seite mit rostigen Speichen vor einer weiß verputzten Wand.

Der mangelnde Winterdienst auf Fuldas Radwegen wäre eine Auszeichnung mit der rostigen Speiche wert.

Die drei schlechtesten Werte erzielten interessanterweise Fragen, die eher mit der Unterhaltung und Bewirtschaftung von Radverkehrsanlagen und weniger mit ihrer Errichtung zu tun haben: Winterdienst, Radwegeführung an Baustellen und Falschparken auf Radwegen.

Der Winterdienst auf Radwegen, der in Fulda weder auf zentralen innerstädtischen Radwegen noch bei wichtigen Verbindungswegen in die Stadtteile wie der Fahrradstraße nach Johannesberg vorhanden ist, erzielte die Note 4,8. Fast ebenso wenig existent ist in Fulda eine Radwegeführung an Baustellen. Ein gewisser Fortschritt lässt sich daran erkennen, dass Ende 2014 an der Dalbergstraße (Höhe Brauereistraße) tatsächlich einmal eine Radspur um eine Baustelle herum angelegt wurde. Dafür war der Radstreifen auf der anderen Straßenseite aber monatelang wegen einer Baustelle gesperrt und ein Ausweichen in die reguläre Fahrspur offenbar nicht vorgesehen. Auch während der ebenfalls monatelangen Sperrung der Heidelsteinstraße wurde keine Durchfahrmöglichkeit für Radelnde eingerichtet: wer wollte, konnte sich mit dem Rad illegal auf groben Schotter durch den Engpass durchkämpfen, um größere Umwege zu vermeiden.

Die allerschlechteste Note erhielt (mit 4,9) allerdings die Falschparkerkontrolle auf Radwegen. Auch das ist wenig überraschend: Wer regelmäßig auf den Schutzstreifen der Bahnhofstraße und von Bereichen der Leipziger Straße oder beispielsweise auf dem Radweg in der Wörthstraße unterwegs ist, weiß, dass hier fast ständig mit Behinderungen zu rechnen ist.

Radeln in Fulda: Stress oder Spaß?

Für die Tatsache, dass nur circa sechs Prozent der Wege in Fulda mit dem Rad zurückgelegt werden, sind aber andere Fragen der Umfrage, die im weiteren Sinne das „Fahrradklima“ der Stadt ansprechen, noch ausschlaggebender. So fanden die meisten Fuldaerinnen und Fuldaer, dass Radelnde in Fulda als Verkehrsteilnehmende nicht wirklich ernstgenommen werden (4,1). Der

Der Lenker und vordere Teil eines fahrenden Fahrrads von oben aufgenommen; die linke Hand der Fahrerin und ihr rechter Fuß sind sichtbar.

Mit dem Sicherheitsgefühl der Fuldaer Radlerinnen und Radler ist es weniger gut bestellt.

Aussage, dass in Fulda alle Fahrrad fahren, „egal ob alt oder jung“, stimmten nur 23 der 140 Befragten mit den zwei höchsten Werten zu. Eine Mehrheit der Teilnehmenden sah außerdem Radfahren in der lokalen Presse hauptsächlich negativ in Verbindung mit Unfällen oder dem Fehlverhalten von Radlerinnen und Radlern dargestellt. Besonders bedenklich ist, dass zwei Fragen mit einem Fokus auf Sicherheit beim Radfahren mit Werten von jeweils 4,4 besonders niedrig sind (subjektives Sicherheitsgefühl und sicheres Fahren für Alte und Junge auf Radwegen und Radfahrstreifen). Sehr große Zustimmung gab es demgemäß auch für die Aussage, dass man in Fulda „auf der Fahrbahn bedrängt und behindert“ wird (4,2).

Bei der Gretchenfrage, ob Radfahren in Fulda sich eher nach Spaß oder eher nach Stress anfühlt, waren die Antworten besonders gespalten, was den mittleren Wert 3,5 ergab. Hier balancierte aber eine Spitze von 17 Personen, die den höchsten Wert für „Spaß“ angaben, auch eine große Zahl von negativen Bewertungen aus. Dies lässt sich möglicherweise so interpretieren, dass diejenigen, die in Fulda trotz aller Widrigkeiten Rad fahren, erstens sehr erfahrene Radfahrerinnen und Radfahrer sind, die aber auch wirklich Spaß am Fahrradfahren haben müssen.

Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch …?

Das traurige Abschneiden von Fulda ist zunächst einmal: traurig. Vor allem, weil es zeigt, wie sehr in Fulda Gefährdungen und Behinderungen den Alltag von Radelnden bestimmen. Gleichzeitig ist dies aber auch eine Chance für Fulda. Der Fahrradklimatest misst nämlich insbesondere auch, wie sehr sich Städte um Verbesserung bemüht haben. Vielleicht schneidet Fulda ja beim nächsten Mal viel besser ab?

Veröffentlicht unter ADFC, Fahrradklimatest, Radverkehr | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

ÖPNV in die Rhön nutzen…..

…..und zeigen dass es auch anders geht!

Liebe Freunde der alternativen Fortbewegung,  nachfolgend möchte ich darlegen wie unsinnig die Fortbewegung per Auto doch sein kann und dass es auch in unserer Region Möglichkeiten gibt, den Individualverkehr gekonnt auszuspielen.

Linie37-Wendehammer-blockiert

Für die Linie 37 ging es hier nicht weiter. Einige PKW blockierten den Wendehammer der zur Bus-Haltestelle führt.

Meine Intention, zur Wasserkuppe zu fahren, kam zustande, da das Wetter am 06. Januar ’15  sehr schön war und ich daher bestrebt gewesen bin eine schöne Wanderung durch den Schnee zu machen. Die Wasserkuppe per ÖPNV zu erreichen ist sehr einfach. Entweder ab Fulda ZOB mit der Linie 35 oder mit Bahnanreise nach Gersfeld und anschliessender Weiterfahrt in der Linie 37.

Ich entschied mich für die Bahn/Bus-Kombi. 11:20 Uhr Einstieg in Fulda in die Rhönbahn. 12:02 Uhr Ankunft Gersfeld. 12:10 Abfahrt Linie 37 direkt ab Bahnhof Gersfeld. Nach kurzer Fahrt Ankunft am Plateau der Wasserkuppe.  Auf der Fahrt dorthin war zu erkennen, dass an der Wasserkuppe ziemlich viel los ist. Die legalen und illegalen (am Straßenrand) Parkplätze waren ziemlich belegt und sorgten mitunter für Verkehrsbehinderungen. Der Individualverkehr behinderte sich sogar, wenn wundert’s,  gegenseitig selbst.

Bei der Ankunft konnte der Bus nicht in seine Haltestelle fahren, da der Wendehammer mit PKW aller Klassen zugeparkt war. Die Haltestelle selbst ist bei der Ein- und Ausfahrt mit Schranken gesperrt. Nur der Busfahrer kann per Knopfdruck die Schranken öffnen.  Der Busfahrer ließ nun seinen Bus mittendrin stehn und organisierte einen Helfer, der ihm beim rückwärts rangieren half.  Die Linie 37  fuhr wieder zurück Richtung Gersfeld….bis zum nächsten Rendezvous mit dem Individualverkehr. 

Ich spazierte ein wenig auf der Wasserkuppe umher und erinnerte mich daran dass um 14 Uhr der nächste Bus, von Fulda kommend, auf der Wasserkuppe erwartet wird.  Um 13:10 Uhr startete die Linie 35 in Fulda/ZOB, um über Dietershausen, Weyhers und Poppenhausen auf die Wasserkuppe zu fahren.  Ich bemühte mich darum, einige Fahrzeughalter zu vertreiben, und kam dabei mit einigen ins Gespräch.  Viele PKW-Fahrer fragten, wo sie denn einen Parkplatz finden könnten?

Als der Linienbus 35 kam war dies ein großer Gelenkbus. Dieser benötigt noch mehr Wendekreis als ein „kleiner Bus“.  Ein (!)  PKW stand bedauerlicherweise im Weg.  Der Busfahrer musste 2-3 km in Richtung Gersfeld fahren, um zu wenden.  Als die Linie 35 zurück kam, mussten die 14 Fahrgäste auf der Hauptstraße zusteigen.  Nun, nach dieser horizonterweiternden Erfahrung, konnte ich endlich meinen Winterspaziergang beginnen.   🙂

Die Fahrgäste müssen mitten auf der Haupstraße zusteigen

Die Fahrgäste müssen mitten auf der Haupstraße zusteigen

SO GEHT  ÖPNV  in Richtung Wasserkuppe-    50 Min Fahrzeit – Linie 35                                                                                        Mo.-Fr. ab Fulda/ZOB  10:10/13:10/16:10                                    Sa.+So./Feiertag 10:10/12:10/14:10/17:10

Rückfahrt nach etwa 10 min. Aufenthalt an der Endhaltestelle „Wasserkuppe“

Rhönbahn Mo.-Fr. im Stundentakt, Sa.+ So. zweistündlich                                                            – ab 1. Mai Sonntags stündlich

ab Gersfeld Linie 37 – Mo. – Fr.  10:10/12:10/15:10/16:10/18:10 >Bus fährt immer! Wer jedoch unterwegs die Halte Sandberg oder Mosbach erreichen will, muss mind. 30 min. vor Abfahrt die Rufbusnummer wählen –>siehe Fahrplanbuch

ab Gersfeld Linie 90Samstag – (Vom 1. Mai bis 3 Okt. auch sonntags)   10:09/12:09/14:09/16:09 – Bus fährt in großem Rundbogen durch die Rhön, um in Fulda zu enden.  Fast zeitgleich startet in Fulda/ZOB der Gegenbus.    Routenverlauf: Gersfeld – Wasserkuppe – Wüstensachsen – Seiferts – Thaiden – Hilders – Milseburg –  Kleinsassen – Hofbieber – Wiesen – Stöckels – Fulda/ZOB

In Hilders besteht zeitweise die Möglichkeit zum Umstieg auf die Linie 30, um nach Tann weiter zu fahren.  Die Linie 30 fährt auch Sonn- und Feiertags, aber dass ist eine andere Geschichte…..

Veröffentlicht unter "Ruhender Verkehr", Öffentlicher Nahverkehr, Busverkehr | Kommentar hinterlassen