Critical Mass – All Year Round

CriticalMass_2016_11_LinksabbiegerDie Radelnden, die sich in wechselnder Besetzung an jedem letzten Dienstag im Monat um 18 Uhr am Dom treffen, um als Critical Mass durch Fulda zu radeln, waren letztes Jahr jeden Monat aktiv – egal ob bei Sonnenschein, Regen oder Kälte. Auch im Januar 2016 geht’s weiter.

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Städte für Menschen: Wie wollen wir in Fulda leben?

Plakat der Veranstaltung "Wie wollen wir in Fulda leben?" am Samstag, 28. November, von 14-19 Uhr im Umweltzentrum, auf dem die Kühler von geparkten Autos in Großaufnahme zu sehen sind.

Auf der Denkbaustelle wird an kreativen Ideen gewerkelt, Stadtraum mit nachhaltiger Mobilität und dem Gestalten menschlicher Interaktionen lebenswerter zu machen.

Verkehrswende Fulda lädt zu einer Filmvorführung mit anschließender Ideenbaustelle für das Fulda der Zukunft

Die Bürgerinitiative Verkehrswende Fulda lädt alle interessierten Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der Fuldaer Energiesparwochen am Samstag, 28. November, von 14 bis 19 Uhr dazu ein, an einer Ideenbaustelle im Umweltzentrum mitzumachen. Auf der Baustelle soll an Ideen für einen nachhaltigen Stadtraum gewerkelt werden, der zugleich ein Miteinander auf Augenhöhe ermöglicht.

Eingeleitet wird die Ideenbaustelle mit der Vorführung des Dokumentarfilms The Human Scale von Andreas Dalsgaard, in dem es um die Arbeit des Stadtplaners Jan Gehl geht, der alltägliche menschliche Bedürfnisse und menschliches Zusammenleben ins Zentrum seiner Planungen stellt. Nach einer Kennenlern-Kaffeepause geht es dann in kleinen Gruppen mit der Ideenbaustelle weiter.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Umweltzentrum und der Volkshochschule der Stadt Fulda statt und wird aus Mitteln der lokalen Agenda 21 gefördert.

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„Wir wollen doch nur eine Bushaltestelle“

Fast alle Menschen in Fulda leben in unmittelbarer Nähe einer Bushaltestelle. So auch die Ripkes: Die nächste Haltestelle der Linie in der Neuenberger Straße ist nur wenige hundert Meter von ihrem Haus entfernt – Luftlinie. Aber zwischen der Haltestelle der Linie 3 und der Wohnung müssen circa 80 Höhenmeter überwunden werden. Weder für die Ripkes noch für ihre vielen Nachbarn, die gemeinsam mit ihren vor Jahrzehnten gebauten Häusern gealtert sind, ist der steile Berg leicht zu überwinden. Gleichzeitig fährt ganz in der Nähe der oberen Hainzeller Straße und Niedermooser Straße oben auf der Höhe Linie 5 auf der Sickelser Straße vorbei –ohne anzuhalten.

Ein Pfad trifft seitlich der Sickelser Straße auf eine größere, geteerte Stelle.

Genau hier wünschen sich Anwohner der oberen Hainzeller und der Niedermooser Straße endlich eine Bushaltestelle.

Stefan Ripke will das ändern. Schon vor drei Jahren wandte er sich das erste Mal an die Stadt und schlug vor, eine Bushaltestelle auf der Sickelser Straße einzurichten. Hier befindet sich dort, wo die Hainzeller Straße früher mit der Sickelser Straße verbunden war, ohnehin bereits ein Durchgang für alle, die zu Fuß die Sickelser Straße überqueren und auf dem geteerten Rad- und Fußweg jenseits der Straße Richtung Fulda Galerie laufen wollen. Genau auf der Höhe, wo der Pfad von der Hainzeller Straße aus auf die Sickelser Straße trifft, wünscht Stefan Ripke sich eine Bushaltestelle: „Da ist der Berg weg – das ist dann auf einer Höhenlinie.“ Leute in Neuenberg sagen, es habe bereits vor einigen Jahren einmal eine ähnliche Eingabe gegeben.

Da oben fährt der Bus leer durch die Pampa

Dass es Bedarf für die Haltestelle gibt, steht außer Frage. Die Ripkes beobachten immer wieder gehbehinderte ältere Menschen und Schulkinder mit schweren Ranzen, die sich von der Bushaltestelle in der Neuenberger Straße den Berg bis zur Niedermooser Straße hochkämpfen. Auch Mütter, die in Fulda Galerie wohnen, schieben ihre Kinderwagen mit viel Mühe den Berg hoch. Und für Stefan Ripke selbst wäre Busfahren attraktiver, wenn die Haltestelle sich auf gleicher Höhe wie der hoch gelegene Teil Neuenbergs befinden würde: „Ich bin herzkrank. Ich würde gern mein Auto öfter sehenlassen und Bus fahren.“ Seine Frau Elke sekundiert: „Der Berg und dann was zu tragen – das schafft mich manchmal.“ Die 86-jährige Nachbarin der Ripkes bleibt beim Anstieg alle paar Meter stehen, um zu verschnaufen.

Stefan Ripke setzt sich bereits seit drei Jahren für eine Bushaltestelle an der Sickelser Straße ein - genau dort, wo der Pfad von der Hainzeller Straße aus auf diese durchstößt.

Stefan Ripke setzt sich bereits seit drei Jahren für eine Bushaltestelle an der Sickelser Straße ein – genau dort, wo der Pfad von der Hainzeller Straße aus auf diese durchstößt.

Um Busfahren für die Neuenberger oben auf der Höhe attraktiver zu machen, muss dabei keine neue Linie eingerichtet werden, denn die Linie 5 fährt ja in unmittelbarer Nähe vorbei. Was fehlt, ist bloß eine weitere Bushaltestelle. Im Moment befindet sich die letzte Haltestelle der Linie 5, die häufig nur wenige Passagiere hat, vor dem Halt am Mondrianplatz in Fulda Galerie auf Höhe des Parkhauses am Rosengarten – mehrere Kilometer entfernt. Genau das ist es, was die Ripkes nicht verstehen: Für die Neuenberger gibt es Bedarf, die Linie 5 ebenfalls nutzen zu können, und „da oben fährt ein Bus leer durch die Pampa.“

Umzug wegen fehlender Busanbindung

Beim Ortstermin an der Sickelser Straße, treffen wir Carola Gonzales mit ihrem Hund, die dem Anliegen sofort positiv gegenübersteht: „’ne Haltestelle hier würd‘ ich prima finden.“ Eine Bekannte aus Neuenberg, so berichtet sie, zog gar aus Neuenberg in einen anderen Stadtteil. Die Begründung: „Ich schaffe den Berg nicht mehr.“ Wenn der Bus attraktiver würde, könnte dies auch positive Auswirkungen auf den Verkehr auf der Sickelser Straße haben. „Sie können Fragen, wen Sie wollen,“ so Carola Gonzales, „alle beklagen sich, der Verkehr nimmt immer mehr zu.“

Die Öffnung im Gitter an der Hainzeller Straße deutet immerhin an: Wer zu Fuß geht, ist hier willkommen.

Die Öffnung im Gitter an der Hainzeller Straße deutet immerhin an: Wer zu Fuß geht, ist hier willkommen.

Trotz der Interessenlage der Anwohner, ist die Stadt allerdings noch nicht tätig geworden – obwohl die damalige Stadtbaurätin Cornelia Zuschke die Argumentation Stefan Ripkes nachvollziehen konnte und in einem Antwortschreiben vom Mai 2013 betonte, dass sie mit ihrer Einschätzung „dicht beieinander seien“. „Unbestritten ist auch,“ so die ehemalige Stadtbaurätin, „dass eine weitere Bushaltestelle an der Sickelser Straße die Attraktivität des Wohngebiets erhöhen und die Erreichbarkeit für die Bewohner erleichtern würde.“ Eine Bushaltesellte auf einer solchen „freien Strecke“ könne dort aber nur „neben der Fahrbahn“ angelegt werden, und es müsse eine Querungshilfe für Fußgänger geschaffen werden – was beides mit erheblichen Kosten verbunden sei, die der Stadt im Augenblick nicht zur Verfügung stünden. Vom neuen Stadtbaurat Schreiner kam bisher auch keine positive Antwort.

„Wir wollen doch kein Dorfgemeinschaftshaus!“

Ungeteerter, herbstlich mit Blättern bedeckter Fußpfad von mit Pflanzen überwachsenen Gartenzaun links und Büschen rechts eingesäumt.

Wenn der Verkehr nicht wäre, ein lauschiges Plätzchen: der Durchgang zwischen Hainzeller und Sickelser Straße.

Stefan Ripke überzeugt die Argumentation nicht, denn die Sickelser Straße sei für Fußgänger zu den meisten Tageszeiten leicht zu überqueren, und es sei nicht einzusehen, warum nicht einfach durch Aufstellen eines Haltestellenschildes eine Haltestelle geschaffen werden könne. Haltestellen ohne Querungshilfen gibt es schließlich auch an anderen freien Strecken in Fulda – beispielsweise an der Maberzeller Straße, wo das Verkehrsaufkommen eher höher ist. Und dass man auf der Sickelser Straße 70 fahren darf, ließe sich ja schließlich ändern.

Für Stefan Ripke ist schwer zu verstehen, warum sich die Stadt so schwertut: „Wir wollen doch kein Dorfgemeinschaftshaus da stehen haben. Wir wollen doch nur ’ne Haltestelle.“

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Mahnrad erinnert an tödlichen Unfall

Etwa zwanzig Menschen gedachteten des getöteten Petersberger Radfahrers und tauschten sich über die Gefahren der Verkehrsführung aus.

Etwa zwanzig Menschen gedachteten des getöteten Petersberger Radfahrers und tauschten sich über die Gefahren der Verkehrsführung aus.

Seit dem 17. Oktober, gut einen Monat nach dem tödlichen Unfall an der Ecke Petersberger Straße/Zieherser Weg, erinnert nun ein weiß gestrichenes Mahnrad an den dort getöteten Radfahrer. Die alternative Zeitung Agora, der ADFC Fulda und die Bürgerinitiative Verkehrswende Fulda stellten das Rad in einer gemeinsamen Aktion von etwa 20 Teilnehmenden auf, um des Toten zu gedenken und außerdem auf die Gefahren an dieser Stelle hinzuweisen.

Der sechsundfünfzigjährige Petersberger Radfahrer, der bei dem Unfall getötet wurde, war wie immer morgens auf dem Weg zur Arbeit, als er die Petersberger Straße geradeaus an der Einmündung Zieherser Weg herunterfuhr. Laut Pressemeldung der Polizei Osthessen übersah ihn ein in den Zieherser Weg rechts abbiegender Sattelschlepper, so dass er auf das Fahrzeug aufprallte und zu Boden geschleudert wurde. Der Radfahrer wurde ins Krankenhaus gebracht, starb dort aber wenig später aufgrund seiner schweren Verletzungen.

Den Schutzstreifen für Radfahrende querend biegt ein weißer Pkw von der vierspurigen Petersberger Straße in den Zieherser Weg ein.

Da, wo der weiße Pkw abbiegt, geschah der Unfall. Vor dem Kreuzungsbereich endet die rote Markierung.

Unter denen, die zur Aufstellung des Rads gekommen war, mischte sich Trauer mit Ärger und dem Gefühl, dass sich an der Stelle ähnliche Unfälle jederzeit wiederholen können. So waren die Aktivistinnen und Aktivisten von Critical Mass Fulda drei Wochen nach dem Unfall zu der Stelle gefahren, um sie zu begutachten, als genau in dem Moment, in dem sie dort ankamen, wieder ein Radfahrer von einem rechtsabbiegenden Kraftfahrer übersehen und angefahren wurde. Der Notdienst lieferte den schwer verletzten Radfahrer in die Klinik ein.

Der Grüne Pfeil: Trotz der Anweisung zum Halten fühlen sich viele Kraftfahrende zum schwungvollen Abbiegen eingeladen.

Der Grüne Pfeil: Trotz der Anweisung zum Halten fühlen sich viele Kraftfahrende zum schwungvollen Abbiegen eingeladen.

Franz Hupke, der Inhaber und Betreiber des Kiosks an der Ecke Petersberger/Zieherser Weg kommentierte, er „erlebe sehr oft, dass hier Fahrradfahrer angefahren werden.“ Seit dem tödlichen Unfall habe es bereits zwei weitere Unfälle gegeben. Was dort besonders zum Gefährdungspotential beiträgt ist der Grüne Pfeil, der Rechtsabbiegen auch bei eine roten Ampel erlaubt. Für Hupke stellt sich damit „die Frage, ob man das nicht überdenken sollte.“ Verbunden damit, dass der Fußgängerüberweg auf dem Zieherser Weg so weit von der Petersberger Straße abgesetzt ist, dass vor dem Überweg ein kompletter Pkw Platz findet, kann der Grüne Pfeil an dieser Stelle geradezu als Einladung verstanden werden, ohne anzuhalten schwungvoll nach rechts abzubiegen – obwohl der Grüne Pfeil vor dem Abbiegen natürlich ein Halten an der Haltelinie vorsieht.

Ein Fußgäner quert einen Überweg bei grüner Ampel; der Überweg befindet sich in circa zehn Meter Distanz von der Kreuzung.

Ein extrem weit von der Petersberger Straße abgesetzter Fußgängerüberweg führt dazu, dass Leute am Steuer erst abbiegen und dann gucken.

Was an der Kreuzung Petersberger Straße/Zieherser Weg zusätzlich für Verwirrung sorgen könnte, ist die Tatsache, dass die auf der Petersberger Straße vorhandene rote Markierung des Schutzstreifens im Kreuzungsbereich unterbrochen wird – also gerade dort, wo Radfahrende am schutzbedürftigsten sind. Schutzstreifen müssen zwar nicht rot markiert sein, aber wenn sie es sind und die Markierung an Einmündungen und Kreuzungen unterbrochen wird, könnte damit ein falsches Signal gesetzt werden.

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Presserklärung | 18. August 2015

 

Parken in der Kurfürstenstraße: Weniger ist mehr

Akzeptable Fußwegbreite und sicheres Radfahren nur durch Wegfall eines Parkstreifens möglich

Anderswo wird der Neubau oder Umbau von Straßen konsequent genutzt, um von der einseitigen Bevorzugung des Autoverkehrs der Vergangenheit wegzukommen und komfortable und sichere Lösungen auch für alle, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, zu finden – aber nicht so in Fulda. Im Oktober soll jetzt auch die Kurfürstenstraße für sage und schreibe 1,6 Millionen Euro ausgebaut werden, ohne dass es zu nennenswerten Verbesserungen für den Fuß- und Radverkehr kommt.

Die Crux liegt darin, dass die Kurfürstenstraße nur zwischen 14 und 15 Meter breit ist, die Planung des Ausbaus aber in weiten Teilen der Straße beidseitige Längsparkstreifen von einer Breite von jeweils zwei Metern vorsieht. So beschränkt sich der für die Gehwege verfügbare Platz auf der zum Schlosspark hin gelegenen Seite auf eine Breite zwischen 2 und 2,21 Meter, während er auf der anderen Seite sogar streckenweise nur 1,80 oder 1,50 Meter beträgt. Damit wird die untragbare Situation auf der Südseite der Kurfürstenstraße zwischen Bahnhofsvorplatz und Heinrich-von-Bibra-Platz, wo Menschen mit Rollkoffern, Kinderwagen und Rollstühlen sich den extrem schmalen Bürgersteig auch noch mit Radelnden teilen sollen, auch auf dem neu ausgebauten Abschnitt fortgesetzt. In der gültigen Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen, die ermöglichen will, dass sich Fußgänger problemlos begegnen und radfahrende Kinder an ihnen vorbeifahren können, wird dagegen eine Gehweg-Mindestbreite von 2,50 empfohlen.

Beim Neuausbau ist überdies für Radfahrende geplant, wieder die von Fuldaer Planern geliebten Schutzstreifen anzulegen, wie sie beispielsweise auf der Leipziger Straße zu finden sind. Obwohl die mittlerweile als Best-Practice-Leitlinie geltenden Empfehlungen für Radverkehrsanlagen von 2011 vorsehen, dass insbesondere bei Schutzstreifen, die direkt an Längsparkstreifen verlaufen, ein Sicherheitsabstand zu den parkenden Autos einzuhalten und zu markieren ist, sieht die Kurfürstenstraßen-Planung allerdings ähnlich wie in der Leipziger Straße abermals überhaupt keinen Sicherheitsabstand vor. Karin Masche, für die Linke.Offene Liste im Stadtparlament, weist darauf hin, dass auch bei neuen Planungen wie der Niesiger Straße wieder Schutzstreifen ohne Sicherheitsabstand geplant sind.

Radfahrenden sind beim Nutzen solcher Schutzstreifen stark gefährdet, denn selbst, wenn sie mittig fahren, können sie direkt von einer sich plötzlich öffnenden Tür erwischt werden. So kommt eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen zum Unfallrisiko von Radelnden zu dem Schluss, dass fast alle Unfälle, die sich zwischen Radverkehr und ruhendem Verkehr ereignen, auf nicht vorhandene oder zu schmale Sicherheitstrennstreifen zwischen Schutz- oder Radfahrstreifen und den Parkständen zurückzuführen sind. Für Ute Riebold, Stadtverordnete der Grünen, sind die Prioritäten klar: „Bei der Aufteilung des vorhandenen Straßenraums muss Sicherheit immer Vorrang haben – wenn die Straße zu schmal ist, um alle Interessen zu bedienen, müssen Parkplätze reduziert oder wenn nötig ganz gestrichen werden.“

Vertreterinnen und Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs haben in einem Gespräch mit Mitgliedern des Planungsamts bereits im März auf die Mängel der Planung für Menschen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, hingewiesen. Bisher wurde seitens der Stadt aber keine Bereitschaft signalisiert, auf die wichtigsten Vorschläge einzugehen. Verkehrswende Fulda fordert, die Planung nur unter Berücksichtigung der Richtlinie für Stadtstraßen und den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen umzusetzen.

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Schutzstreifen – oder Suggestivstreifen?

Fulda | 27. Aug. 2015. Wer viel mit dem Rad in Fulda unterwegs ist, kennt sie – die sogenannten Schutzstreifen. Bei den Fuldaer Planern sind sie offenbar sehr beliebt, denn bei der Neugestaltung von Straßen kamen sie in jüngster Zeit mehrfach zum Einsatz: so an der Magdeburger Straße, der Leipziger Straße oder Teilen der Heidelsteinstraße. Nach der Neugestaltung der Kurfürstenstraße zwischen Leipziger Straße und Heinrich-von-Bibra-Platz sollen Radelnde in Zukunft auch dort von Schutzstreifen, nun ja, geschützt werden.

Ein Auto parkt in einer Parkbucht direkt neben dem auf der Straße für Radfahrende abmarkierten Schutzstreifen.

Auf der Magdeburger wird zwar an Schutzstreifen nur streckenweise geparkt – aber auch wieder ohne Sicherheitsabstand zum für die Radelnden reservierten Fahrbahnteil.

Was sind eigentlich Schutzstreifen? Schutzstreifen werden mit einem unterbrochenen weißen Streifen und Fahrradsymbolen auf der Fahrbahn abmarkiert. Durch die Abgrenzung von der Fahrbahn für den Kraftverkehr entsteht – anders als beim Fahrradstreifen – keine eigene Sondernutzungsspur für Radelnde, sondern lediglich ein optischer Schonraum, der vom motorisierten Verkehr nur bei Bedarf, beispielsweise beim Einparken oder beim Einfahren in ein Grundstück, und nur unter Ausschließung einer Gefährdung der Radfahrenden überfahren werden darf. Parken auf Schutzstreifen ist nicht erlaubt.

Die Cheap-and-Dirty-Version des Radfahrstreifens

Dass Schutzstreifen statt Radfahrstreifen angelegt werden, hängt mit der für letztere in der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung vorgeschriebenen Mindestbreite von 1,50 Metern zusammen – wobei die Breite sogar möglichst 1,85 Meter und bei hohem Verkehrsaufkommen 2 Meter betragen soll. Da für Schutzstreifen geringere Mindestbreiten empfohlen werden und keine festen Regeln bestehen, sind sie daher sozusagen die Cheap-and-Dirty-Version des Radfahrstreifens. Gerade Schutzstreifen, die nicht einmal die Mindestanforderungen aus der neuesten Version der Empfehlungen für Radverkehrsanlagen entsprechen, verdienen daher eher den Namen Suggestivstreifen – denn sie suggerieren, dass sie Schutz bieten, leisten dies aber tatsächlich nicht.

Zwischen Lkw und parkendem Auto bleibt auf dem Schutzstreifen nur noch eine schmale Gasse.

Da kommt Freude auf: Selbst bei großzügigem Parken bieten die Schutzstreifen auf der Leipziger praktisch keinen Sicherheitsabstand.

Die Gefahren – und das für Radelnde durchaus adrenalinsteigernde Potential – von Schutzstreifen sind in Fulda besonders gut an der Leipziger Straße zu beobachten. Zum einen verringert sich durch die Schutzstreifen ganz banal der Abstand, den Kraftfahrzeuge beim Überholen einhalten, denn die Fahrzeuglenkenden fühlen sich berechtigt, direkt neben der gestrichelten Begrenzungslinie zu überholen. Bei mittig auf dem Schutzstreifen Radfahrenden führt dies dazu, dass der Abstand zum überholenden Auto weit unter dem Mindestüberholabstand von 1,50 Metern liegt.

Potentielle Beute sich öffnender Autotüren

Noch prekärer ist aber der fehlende Sicherheitsabstand zu den Längsparkständen, die an längeren Teilstrecken der Straße zu finden sind. Während unmittelbar an den Parkplätzen verlaufende Schutzstreifen beim Bergauffahren vielleicht noch hinzunehmen sind, da die Gefahr, einer sich plötzlich öffnenden Autotür nicht mehr ausweichen zu können, bei niedrigen Geschwindigkeiten eher gering ist, sieht dies stadteinwärts ganz anders aus. Da Radelnde hier beim Herunterfahren Geschwindigkeiten von 40-50 Stundenkilometern erreichen können, müssten sie eigentlich einen Sicherheitsabstand zu den parkenden Autos halten – was sie dann aber zwingt, eigentlich bereits auf oder sogar links von der Begrenzungslinie des Schutzstreifens zu fahren.

Drei Radler fahren - von vorn fotografiert - hintereinander auf dem schmalen Schutstreifen auf der Leipziger Straße; links von ihnen sind parkende Autos zu sehen, rechts fahren Lkws vorbei.

Manche nennen Schutzstreifen Suggestivstreifen – denn „Schutz“ wird bei fehlendem Sicherheitsabstand zu den Parkplätzen und dem vorbeifahrenden Verkehr nur suggeriert.

Radelnde, die den Schutzstreifen aus Sicherheitsgründen beim Bergabfahren nicht nutzen, befinden sich allerdings möglicherweise in einer rechtlichen Grauzone. Es gibt zwar keine direkte Benutzungspflicht für Schutztreifen, aber indirekt besteht sie durch das Rechtsfahrgebot. Andererseits müssen Radelnde nur so weit rechts fahren, wie dies sicher möglich ist. Denkbar wäre aber auch die Argumentation, dass Radfahrende auf solchen Strecken dann eben durchweg langsam fahren müssen. Inwieweit und über welche Strecken hinweg dies zumutbar ist, sei dahingestellt.

Stand der Technik wird ignoriert

Die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen, die den Stand der Technik wiedergeben und insbesondere die Forschung zu Unfallrisiken berücksichtigen, sehen eine Mindestbreite von 1,25 Metern für Schutzstreifen vor – aber hinzu kommen noch mindestens 25, besser aber sogar 50 Zentimeter Sicherheitsabstand zu Längsparkständen. Ein solcher Sicherheitsabstand wurde auf der Leipziger Straße nicht realisiert, und bei zukünftigen Planungen wie in der Kurfürstenstraße und der Niesiger Straße fehlt er ebenfalls. Klar, die Breite der Straßen scheint eine optimale Lösung oft nicht herzugeben, wenn keine Bereitschaft besteht, auch einmal Flächen für den Kraftverkehr zu begrenzen. Doch wer sagt, dass das nicht geht – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Studie aus der Bundesanstalt für Straßenwesen zu Unfallrisiko und Regelakzeptanz von Fahrradfahrern, die feststellt, dass die Sicherheit von Radverkehrsanlagen ganz wesentlich mit der Einhaltung der Mindeststandards aus den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen zusammenhängt.

Gerade an der Leipziger Straße herrschen überdies Verhältnisse, die die Veröffentlichung der niedersächsischen Landesbehörde für Straßen und Verkehr  Schutzstreifen für den Radverkehr in Ortsdurchfahrten für die Anlage von eher schmalen Schutzstreifen als besonders problematisch einschätzt. So ergab eine Verkehrszählung von 2008 für die Leizpiger Straße über 1400 Schwerlastfahrzeuge pro Tag – und gerade breitere Fahrzeuge müssen oft in den Schutzstreifen ausweichen, um zu überholen. Daher widerspricht der Schutzstreifen auf der Leipziger Straße auch der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung, in der es heißt, dass Schutzstreifen nur markiert werden können, „wenn die Verkehrszusammensetzung eine Mitbenutzung des Schutzstreifens durch den Kraftfahrzeugverkehr nur in seltenen Fällen erfordert.“ Die Vorschrift fordert außerdem, dass Schutzstreifen so breit sein müssen, dass sie „einschließlich des Sicherheitsraumes einen hinreichenden Bewegungsraum für den Radfahrer bietet“ – was an Teilstrecken der Leipziger Straße ebenfalls nicht der Fall ist.

Markierungen fördern aggressives Anhupen und Anbrüllen

Ein besonders großer Traktor mit Anhänger befährt einen Teil des Schutzstreifens.

Bei hohem Aufkommen von Schwerlastverkehr und großen Fahrzeugen sollen Schutzstreifen eigentlich nicht angelegt werden.

Leider kommt noch ein weiteres Moment hinzu, das die Abmarkierung von Schutzstreifen gefährlich oder zumindest unangenehm werden lässt. Offenbar ist nämlich in Fulda eine größere Zahl von Autolenkenden unterwegs, die der Ansicht sind, Schutzstreifen dürften von Radfahrenden nicht verlassen werden – und zwar nicht einmal zum Linksabbiegen. Wer weit links auf dem Schutzstreifen fährt oder ihn gar mittels Handzeichen zum Linksabbiegen verlassen möchte, muss leider gewärtigen, aggressiv angehupt oder angebrüllt zu werden.

Vor diesem Hintergrund verwundert nicht, dass der Schutzstreifen an der Leipziger von Radfahrenden alles andere als gut angenommen wird. Tatsächlich sieht man gerade auf der Leipziger immer wieder Erwachsene und Jugendliche, die auf dem Gehweg radeln – offenbar, weil sie erkannt haben, dass es sich bei den Schutzstreifen in ihrer jetzigen Form leider nur um Suggestivstreifen handelt.

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Mobilität und Lebensqualität – nur noch für gut betuchte Ältere?

Fulda | 25. Aug. 2015. „Senioren wollen gern ins Zentrum“, titelte die Fuldaer Zeitung am 24. August dieses Jahres. Der „Bauboom“ in Fulda sei nicht nur dem Wunsch nach Geldanlage geschuldet, so Autorin Rehnert, sondern auch der steigenden Nachfrage älterer Menschen, in unmittelbarer Nähe von Läden, Freizeitmöglichkeiten und Gesundheitsversorgung zu wohnen. Gerade allein lebende Seniorinnen und Senioren haben im ländlichen Raum immer schlechtere Chancen, einen eigenen Haushalt führen zu können. „Wer motorisiert sein muss, um einzukaufen, wer in einem Umfeld lebt, das ihn nicht unterstützen kann, hat schlechte Karten, im Alter und mit körperlichen Einschränkungen selbständig zu leben“, fasst Rehnert das Dilemma zusammen.

In Zeiten zunehmender Altersarmut und einer rapide steigenden Zahl alter Menschen – bis 2030, so zitiert Rehnert eine Prognose, wird die Zahl der Über-Achtzigjährigen um 60 Prozent steigen – wird es aber auch immer mehr ärmere alte Menschen geben, die sich weder Eigentumswohnungen noch teure Wohnungen in altersgerechten Projekten leisten können. Barrierefreie Sozialwohnungen werden den Bedarf der Zukunft wohl kaum decken können, wenn in Fulda weiter vor allem Eigentumswohnungen gebaut werden und Wohnraum vor allem die Rolle einer profitablen Finanzanlage für Investoren spielen soll.

Not tut daher nicht nur eine gezielte Förderung von langfristig erschwinglichem, barrierefreien Wohnraum, sondern auch die Bereitstellung von ebensolchen Mobilitätsangeboten des öffentlichen Nahverkehrs. Nur letzteres würde auch Hochbetagten, die in den Dörfern des Umlands wohnen, aber nicht oder nicht mehr selbst im Auto unterwegs sind, noch Selbständigkeit erlauben.

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Friedrichstraßen-Händler: Hilfe, wir gehen bankrott!

Fulda – 22.07.2015. Dramatisch – so hörte sie sich an, die Lage der Friedrichstraßenhändler, falls die Friedrichstraße temporär für den Autoverkehr gesperrt oder gar in eine Fußgängerzone umgewandelt werden sollte – wobei letztere Option für die Stadt gar nicht mehr auf dem Tisch liegt, da, wenn überhaupt, nur an zeitlich begrenzte Sperrungen gedacht wird. Auf der sehr kurzfristig anberaumten Bürgerversammlung am 15 Juli im Fürstensaal, von der Verkehrswende Fulda leider zu spät erfuhr, um als Organisation teilnehmen zu können, stimmten die Geschäftsleute der Friedrichstraße einer nach der anderen eine Litanei des drohenden Untergangs an, sollte der Zugang des Autoverkehrs zur Friedrichstraße eingeschränkt werden.

Die vorauseilenden Klagen der Geschäftsleute standen in eigenartigem Kontrast zu Ausführungen seitens der Stadt, in denen es hieß, dass es sich bei einem Großteil des Verkehrs in der Friedrichstraße um Durchgangsverkehr handele – und somit gar nicht um Einzelhandelskunden für die Friedrichstraße. Dennoch wurde der Austausch zum Thema Friedrichstraße von den Händlern dominiert: Ihre Positionen hatten bereits detailliert Eingang in die PowerPoint-Präsentation der Stadt gefunden und wurden nachher in gut vorbereiteten Statements von den einzelnen Inhabern mit wenigen Variationen ähnlich vorgetragen.

Das höchste der Gefühle: Fußgängerzone light

Überhaupt nicht ernsthaft diskutiert wird die Idee, dass die Friedrichstraße ganz Fußgängerzone werden könnte – letztlich denkt man nur an eine temporäre Sperrung, beispielsweise abends. Trotz dieser Sperrung light lag ein Fokus der städtischen Präsentation dann auf der Frage, wie Verkehr umgeleitet werden könne. So waren drei Varianten im Gespräch. Erstens eine aufgrund der räumlichen Verhältnisse eigentlich nur in eine Richtung möglichen Führung des Verkehrs von der Schlosstraße in die Nonnengasse hinein bis zur Stadtpfarrkirche in nur eine Richtung. Zweitens die Führung von unten, also der Robert-Kircher-Straße aus, ebenfalls als Einbahnstraße am NKD vorbei Richtung Stadtpfarrkirche und dann in die Nonnengasse hinein. Und zu guter letzt die Variante, bei der der Verkehr ebenfalls von der Robert-Kircher-Straße Richtung Stadtpfarrkirche fließen würde, aber auch ein Abbiegen rechts zum Altstadtparkhaus in die Brauhausstraße hinein möglich wäre.

All diese Überlegungen zeigen vor allem eins: die Fußgängerzonen in der Fuldaer Innenstadt werden wohl bis auf weiteres Flickwerk bleiben. Statt eines umfassenden Verkehrskonzepts für die Innenstadt, bei der es darum gehen würde, wie Menschen möglichst umweltschonend, sozial gerecht und barrierefrei ihre Ziele erreichen können und gleichzeitig lebenswerter, lebendiger Stadtraum erhalten oder geschaffen wird, geht es darum, wie sich der Kraftverkehr in der Stadt bewegen soll.

Innenstadt als Erlebnisraum

Ein Bürger fragte sich dagegen laut, warum Fulda es nicht Städten wie beispielsweise Hameln gleichtun könnte, wo ein neues Konzept die Innenstadt autofrei und zugleich erheblich attraktiver machte. Wenn die Geschäfte in der Friedrichstraße Umsatzeinbußen hätten, läge das an ihren veralteten Geschäftsmodellen und stärkerer Konkurrenz aus dem Internet, nicht an der Frage, ob man sie mit dem Auto erreichen könne. Und damit könnte er recht haben, liegt doch die Attraktivität von Innenstädten gerade in Zeiten der Internetkäufe auch an ihrer Qualität als Erlebnisraum.

An einen ganz anderen Aspekt erinnerte Michael Kolb aus Maberzell: Wenn bei einem Test der Stadt bereits ein Stadtbus kaum in die Friedrichstraße einfahren und an deren Ende in die Mittelstraße einbiegen konnte, wie sieht es dann erst bei Feuerwehrwagen aus? Da am unteren Ende der Friedrichstraße ein Hotel entstehen soll, müsse dort Aufstellfläche für die Feuerwehr geschaffen werden – was sich nicht mit dem Ziel der Stadt, dort Parkplätze zu erhalten, vereinbaren ließe.

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Busse fürs Schützenfest

Pro Bahn & Bus sorgt dafür, dass auch späte Schützen noch per Bus nach Hause kommen

Auch dieses Jahr sorgt der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus wieder dafür, dass Besucherinnen und Besucher des Schützenfestes vom 24. Juli bis zum 2. August 2015 auch zu später Stunde noch für drei Euro mit dem Bus nach Hause kommen. Wer entlang einer der vier von den Nachtbussen befahrenen Routen wohnt, kann also beim Festbesuch getrost das eigene Auto zu Hause stehen lassen. Dabei bietet der Fahrgastverband Routen an, die teils auch von den Anrufsammeltaxen nicht mehr bedient werden, da sie außerhalb Fuldas liegen.

Seitlich fotografierte freundliche lächelnde Schützenverein-Mitglieder in weißen Hemden und mit grünen Uniform-Mützen.

Schützen auf einem Schützenfest in Olpe. Foto: Ben Fredricson – Flickr Commons License

Die Busse und ihre Abfahrtszeiten sind im einzelnen:

Bus A: Abfahrt um 23.15 nach Künzell-Petersberg über  ZOB, Klinikum, Grezzbachstraße, Gemeindezentrum, Sportplatz, Dicker Turm, Sieben Welten, Harbacher Weg, Am Roten Rain zur Endhaltestelle Propsteihaus.

Bus B: Abfahrt um 00.00 Uhr nach Haimbach, Fulda-Galerie, Sickels über die Stationen Antoniusheim, Kettelerstraße, Haimbach-Gärtnerei-Kirche, Galerie, Sickels, Jugendherberge.

Bus C: Abfahrt um 00.30 Uhr nach Niesig, Aschenberg und Horas über die Haltestellen Niesig-Abzweig, Regensbachstraße, Aschenberg-Platz, Einhardstraße, Horas Ortsmitte.

Bus D: Abfahrt um 01.00 Uhr entlang der Strecke der Röhnbahn nach Gersfeld über ZOB, Bronnzell, Löschenrod, Eichenzell, Welkers, Rönshausen, Lütter, Ried, Thalau, Schmalnau, Hettenhausen, Altenfeld, Abwz. Maiersbach, Gersfeld.

Ein Plakat mit allen Informationen lässt sich hier herunterladen. Zur Einstimmung fürs Nachhausefahren nach dem rauschenden Fest können Interessierte außerdem hier schon einmal Bulat Okudzhavas ebenso melancholische wie berühmte Hymne auf den „Letzen Trolleybus“ auf Youtube anhören.

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Barrierefreies Fulda?

Weit über 500 Personen testeten Fulda aus der Rollstuhlperspektive

Rolli-Challenge Fulda: für Menschen, die normalerweise nicht auf einen Rollstuhl angewiesen sind, bot die Aktion des Vereins Interessengemeinschaft barrierefreies Fulda vom 25. April bis 6. Juni die Möglichkeit, Fulda mal ganz anders, nämlich aus Rollstuhlperspektive zu erleben und erfühlen. Auch wir von Verkehrswende Fulda wollten das einmal ausprobieren und haben noch kurz vor Torschluss am 3. Juni teilgenommen. Eine ganze Schulklasse in Rollstühlen vor dem Sanitätshaus Keil, das die Rollstühle zur Verfügung stellte, zeigte, wie groß das Interesse war. Tatsächlich hatten am 3. Juni bereits über 530 Personen ausprobiert, wie es ist, mit dem Rollstuhl in Fulda unterwegs zu sein.

Während des Rolli-Challenge waren oft ganze Gruppen von Rollifahrerinnen und -fahrern unterwegs.

Während des Rolli-Challenge waren oft ganze Gruppen von Rollifahrerinnen und -fahrern unterwegs.

Der erste Eindruck: für ungeübte Menschen ist allein das Bergauffahren beispielsweise vom Sanitätshaus Keil in die Friedrichstraße hinein aus rein sportlichen Gründen ein „Challenge“. Wenn dann aber auch noch parkende Autos den Fußweg stark verengen, werden eigentlich unproblematische, von Geschäften aufgestellte Kleiderständer, Tische und Stühle von Cafés und ähnliches zu echten Hindernissen. Der ruhende Verkehr erzeugt dabei nicht nur dann Probleme, wo er erlaubt wird, sondern auch dort, wo speziell als Parkhindernis aufgestellte Ketten das Parken verhindern – denn an diesen Stellen werden die Gehwege natürlich ebenfalls verengt.

Abenteuer: Straße überqueren

Zum echten Abenteuer kann sich mit einem Rollstuhl schon das einfache Überqueren der Straße anfühlen. Das besonders holprige Pflaster, ob im abschüssigen Teil der Friedrichstraße, der in die Robert-Kircher-Straße übergeht, oder bei der Fahrt vom Buttermarkt über die Karlstraße in die Löherstraße hinein, kann leicht zu Situationen führen, in denen es sich anfühlt, als könne der Rollstuhl jeden Augenblick aus dem Gleichgewicht geraten. Selbst da, wo die Bordsteine für Kinderwagen und Rollstühle abgerundet wurden wie an einer Fußgängerampel an der Königstraße, kann es Probleme geben: mein Rollstuhl hob beim Auffahren auf die Rampe vorn ab, da sie zu steil war.

Rollstuhlfahren will gelernt sein: hier gab es Insider-Informationen vom "Rollstuhl-Profi" - der problemlos über den hohen Bordstein kam.

Rollstuhlfahren will gelernt sein: hier gab es Insider-Informationen vom „Rollstuhl-Profi“ – der problemlos über den hohen Bordstein kam.

Hier traf ich allerdings auch auf einen Rollstuhl-Profi, der mit Verweis auf seine gut trainierten Arme darauf aufmerksam machte, dass Rollstuhlfahren gelernt sein will, und demonstrierte, wie man mit dem Rollstuhl auch ohne Hilfe elegant einen Bordstein überwinden kann. Ich erfuhr auch, dass mein Rollstuhl, wäre es denn tatsächlich „meiner“ gewesen, besser auf mich eingestellt sein und vermutlich bei steilen Auffahrten nicht abheben würde – dass ich aber auch ein spezielles Rollstuhltraining durchlaufen hätte und wüsste, dass ich im Fall eines Sturzes auf keinen Fall den Kopf nach hinten nehmen dürfe.

Zugleich dachte ich aber auch an die vielen Menschen, die auf elektrische Rollstühle angewiesen sind und die beispielsweise Stufen oder Bordsteine in keinem Fall überwinden können. Größere Erschütterungen stellen für manche Menschen in solchen Rollstühlen außerdem nicht nur eine Komforteinbuße, sondern auch eine gesundheitliche Gefahr dar.

Fußgängerzone – nur für Menschen ohne Einschränkungen

Gerade da, wo der Straßenbereich der Fußgängerzone besonders holprig sind, blockieren Schilder und anderes die Fußwege.

Gerade da, wo der Straßenbereich der Fußgängerzone besonders holprig sind, blockieren Schilder und anderes die Fußwege.

Deutlich wird bei der Fahrt durch die Fußgängerzone, dass oft kaum daran gedacht wird, dass auch Menschen in Rollstühlen hier unterwegs sind. So werden Anlieferfahrzeuge so nah an Gebäuden oder vorgelagerten Treppen geparkt, dass mit dem Rollstuhl nur knapp ein Durchkommen ist – aber nicht mehr bei entgegenkommendem Fußverkehr. In der Karlstraße sind die ohnehin sehr schmalen Fußwege im unteren Teil, die etwas weniger holprig als die Fahrbahn sind, fast komplett mit Schildern und ähnlichem vollgestellt. Weiter oben waren die Stühle und Tische eines Cafés so platziert, dass ein Rollstuhl nicht durchpasste. Glücklicherweise wird zumindest der obere Teil der Karlstraße bald saniert – aber die Maßnahme bleibt voraussichtlich noch für einige Zeit Stückwerk.

Wer fit genug ist, muss sich dann notfalls auch mal einen Stuhl selbst aus dem Weg räumen - nicht gerade die Idealsituation.

Wer fit genug ist, muss sich dann notfalls auch mal einen Stuhl selbst aus dem Weg räumen – nicht gerade die Idealsituation.

Ein Lichtblick war die Marktstraße, in der ein Mittelstreifen mit relativ glatten Platten ein gutes Fortkommen ermöglicht. Allerdings ist unwahrscheinlich, dass Innenstadtbesucher im Rollstuhl immer auf diesem Streifen bleiben wollen, denn auch sie möchten natürlich einkaufen und Geschäfte oder Restaurants besuchen können. Wer das versucht, kann aber bei vielen Fuldaer Geschäften auf weitere Barrieren stoßen: Stufen vor dem Eingang, die mit dem Rollstuhl nicht oder kaum ohne Hilfe zu überwinden sind – oder, in Restaurants, schlicht und einfach fehlende Toiletten, die für Rollstuhlbenutzende verwendbar wären.

Stufe am Ladeneingang wird zur Falle

So gelang es mir mit Hilfe meiner Begleitperson, in einen Laden mit Stufe hineinzukommen. Im Laden war dann immerhin, wenn auch sehr knapp, genug Platz, um mich tatsächlich umsehen zu können. Beim Verlassen des Ladens hatte ich dann aber vorwitzigerweise versucht, über die Stufe wieder herauszurollen – doch der Rollstuhl verfing sich und blieb in schräger Position stehen. So war ich wieder auf Hilfe angewiesen, um mich aus der misslichen Lage zu befreien.

RolliChallenge_StufenLadeneingang_Detail

Selbst kleine Stufen sind im Zweifelsfall unüberwindliche Hürden.

Positives Fazit der Aktion: es gibt ziemlich viele Menschen in Fulda, die sich für die Situation ihrer auf Rollstühle angewiesenen Mitbürgerinnen und -bürger interessieren. Als weniger gute Einsicht bleibt, dass Fulda in Sachen Rollstuhlfreundlichkeit noch einiges zu lernen hat. Um gute Beispiele auszuzeichnen, verleiht die Interessengemeinschaft barrierefreies Fulda seit Januar 2014 einen Aufkleber für Restaurants, Praxen, Läden und andere Einrichtungen, die rollstuhlgerecht sind. Wer herausfinden möchte, welche Orte bereits ausgezeichnet wurden, kann auf der entsprechenden Seite der Interessengemeinschaft eine Liste herunterladen.

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