In Zeiten vertrocknender Wälder

 

Ein im Wald aufgespanntes Transparent trägt die Aufschrift "Für das Klima: Verkehrswende jetzt" und ein Logo des Aktionsbündnisses gegen die A49; im Hintergrund sind Fahrräder und ein Baumhaus zu sehen.

Auch im Vogelsberg: Es braucht Alternativen zur Mobilität von gestern.

Waldspaziergang im Dannenröder Wald

Nur wenige Meter in den besetzten Dannenröder Wald hinein und das Ausmaß des drohenden Verlusts wird deutlich. Schilder an den Bäumen verkünden: „Bäume mit weißem Ring markieren die Seitenlinien der geplanten Autobahn A49.“ Auf unserem Waldspaziergang von der Mahnwache aus – hier „Mawa“ genannt – in den Wald hinein geht es an Blockaden aus totem Holz und Gräben vorbei , die bei einer geplanten Räumung Zeit schaffen sollen. Wir waren vom Hoherodskopf aus durch das Ohmtal hierher geradelt, um uns vor Ort über die Lage am Dannenröder Wald zu informieren und durch unsere, wenn auch nur kurzzeitige Anwesenheit zu unterstützen.

Schilder informieren: Die Bäume mit den weißen Ringen zeigen an, in welcher Breite die A49 den Wald zerschneiden würde.

Der Dannenröder Wald ist Wasserschutzgebiet – trotzdem sollen er und weitere Waldgebiete wie der Herrenwald der geplanten Autobahn A49, die von Stadtallendorf bis nach Homberg die Verbindung zur A5 herstellen soll, weichen. Dabei werden die Schutzschichten über dem Grundwasser durchlöchert, argumentiert das Aktionsbündnis gegen die Autobahn. Insbesondere die Pfeiler einer gigantischen Brücke über das Gleental müssen 30 Meter in den Grund hinein gebaut werden. Schon heute wird im Vogelsberg zu viel Grundwasser für die Trinkwasserversorgung der Städte entnommen, und Konflikte mit der Landwirtschaft zeichnen sich ab.

Alternativen jahrzehntelang vernachlässigt

Das große Banner am Hüttendorf „Für das Klima: Verkehrswende jetzt!“ macht deutlich, worum es geht. Besonders in den Gemeinden entlang der B40, die sich Entlastung vom Lkw-Verkehr wünschen, und unter Pendlern, die über lange Fahrtzeiten im eigenen Pkw klagen, gibt es viele Menschen, die den Bau der A49 unterstützen. Während die Autobahn schon jahrzehntelang im Gespräch ist, rächt sich jetzt, dass die Zeit nicht für den Ausbau nachhaltiger Mobilitätslösungen genutzt wurde.

Hinweisschilder zur Mahnwache und den Dörfern der Waldbesetzung.

Der Wald-Ort „Nirgendwo“ nimmt die Utopie eines achtsamen und gerechten Lebens buchstäblich vorweg.

Fest steht: Die gesetzlich vorgeschriebenen „Ausgleichsmaßnahmen“ für die Rodung eines Walds mit zum Teil 250 Jahre altem Baumbestand können nur auf dem Papier bestehen. In Zeiten, in denen Wälder allerorten vertrocknen, können wir uns weder Rodungen noch den Bau neuer Autobahnen für die Mobilität von gestern mehr leisten. Wenn der Dannenröder Forst jetzt gerodet werden sollte, wird ein weiteres Stück Natur unwiederbringlich zerstört und weitere, große, für den gesamten Naturhaushalt wichtige Flächen versiegelt.

Wie können die Menschen im Wald unterstützt werden?

Menschen beim Waldspaziergang.

Der Waldspaziergang löst bei vielen Betroffenheit aus.

Als wir uns später über den Besuch beim Hüttendorf im Wald austauschen, wird Betroffenheit spürbar. Eine Teilnehmerin bemerkt, erst bei den Blockaden sei ihr klargeworden: „Das ist wie Krieg.“ Dankbarkeit dafür, dass junge Menschen mit ihrer Besetzung verhindern wollen, dass der Wald gerodet wird, mischt sich mit Überlegungen dazu, wie die

Das achteckige Kommunkaitons-Baumhaus der Menschen im Wald.

Die achteckige Kommunikationszentrale im Wald.

Menschen, die den Wald besetzen, unterstützt werden können. Eine Möglichkeit ist, Material zu spenden – eine andere, vor Ort zu sein, wenn geräumt werden soll, und sei es als Zeug_in. Wer in den SMS-Verteiler, in dem über mögliche Räumungen informiert wird, aufgenommen werden möchte, kann sich hier eintragen. Räumungsversuche werden in etwa zwei Wochen, also Mitte, Ende September erwartet.

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