Fuldaer Radelnde protestieren mit Tausenden vor der IAA

Auch Fulda war vertreten auf der großen #aussteigen-Demo und Sternfahrt!

Fulda | 18.09.2019. In Fulda fing die Demo #umdenken/umlenken – für eine Verkehrswende in Stadt und Land von Verkehrswende Fulda – Regionalgruppe des VCD morgens am Uniplatz am 13. September ganz klein mit 20 Teilnehmenden an. Mit guter Stimmung und einem Sack Äpfel im Gepäck, die uns Knut Heiland von Bündnis 90/Grüne nach seiner Ansprache als Stärkung mit auf den Weg gegeben hatte, pedalten wir um 10.30 Uhr los – angeführt von der erfahrenen und umsichtigen Tourleiterin Steffi Karl vom ADFC. Auf unserer Kundgebung davor wurde der Bogen von der persönlichen Verantwortung für die Verkehrswende bis zur Lokalpolitik gespannt. Markus Schäfer für Fridays von Future betonte, dass die Energiewende auch eine Verkehrswende braucht. Stadtpfarrer Stefan Buß mahnte an, wie wichtig es ist, dass alle das eigene Verhalten überdenken, und Hans-Joachim Tritscher, Vorstand der SPD-Fraktion, ließ sich nicht nehmen aufzuzeien, wie wenig der neue Nahverkehrsplan der Stadt Fulda dazu geeignet ist, Menschen zum Umsteigen vom Auto zu bewegen.

Herzlicher Empfang in Schlüchtern und Gelnhausen

Marjorie Vannieu von PFF Gelnhausen spricht auf der Abschlusskundgebung von #umdenken/umlenken.

Kleine Highlights der Tour waren unser Empfang bei der unter anderem im Bereich Steuerungslösungen für Photovoltaikanlagen aktiven Firma Fronius, die Begleitung durch den Landtagsabgeordneten Markus Hofmann von Flieden nach Schlüchtern und unser Empfang in Schlüchtern und Gelnhausen. Wir danken insbesondere den örtlichen Grünen aus Schlüchtern und Günther Koch, der am nächsten Tag auch noch nach Frankfurt mitradelte, und der Gruppe von People for Future und ihrer Rednerin Marjo Vannieu sowie der BUND-Aktiven um Bodo Delhey, die besonders zahlreich erschienen waren, sowie Andreas Müller vom Kreisverband der Linken und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft.

Der Demozug wird immer größer – hier noch außerhalb des Frankfurter Stadtgebiets.

Doch der eigentliche Thrill begann erst nach der mit Schlafsack auf Isomatten verbrachten Nacht, als wir uns an die Spitze des Gelnhäuser Zugs der großen #aussteigen-Sternfahrt und -Demo nach Frankfurt setzten. Während wir am Tag zuvor immer um die 20 Mitradelnde hatten, kam die für das Zählen der neu Hinzukommenden verantwortliche Radlerin irgendwann nicht mehr hinterher. In Gelnhausen begannen wir mit 50 Teilnehmenden, von denen zwei sogar mit dem Rad aus Erfurt gekommen waren, und kamen mit über Tausend Mitradelnden an der Eissporthalle an, wo sich die Züge der Sternfahrt vereinten. Zuletzt ging es mit 17.000 anderen Radfahrenden durch Frankfurts Straßen Richtung Messegelände zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA), wo die Senckenberganlage zu einem riesigen Fahrradparkplatz geworden war.

Mit der Stoßstange ans Rad der Ordner

Versammlungsleiter Josef Liebhart von Verkehrswende Fulda (VCD), Steffi Karl und Harald Häußer-Mischlich (beide ADFC) bei der Mittagspause in Steinau.

Den Spaß und die Inspiration durch die vielen Mitradelnden trübten nur die Aggressionen mancher motorisierten Zeitgenossen. Mit der begleitenden Polizei war abgesprochen, dass das große Team von radelnden Ordnerinnen und Ordnern, die an ihren roten Leibchen zu erkennen waren, außer den ganz großen, meist von de Polizei abgesicherten Kreuzungen, die Zufahrtsstraßen zur Demoroute sichern sollten, indem sie sich vor den jeweiligen Haltelinien positionieren. Obwohl im Vorfeld davon abgeraten worden war, am Samstagvormittag überhaupt im Bereich der Demoroute mit dem Auto unterwegs zu sein, gab es im Stadtgebiet von Frankfurt immer wieder Beschimpfungen und bedrohliches Verhalten durch aggressive Autofahrende – bis hin zu an Ordner-Fahrräder stoßende Stoßstangen.

Ähnliche Erlebnisse hatten auch die Aktivist_innen, die am Sonntag Eingänge der IAA blockierten. So stieg ein Messegast, der ein kleines Kind auf dem Arm trug, über Blockierende hinweg und schlug eine ihm im Weg stehende junge Frau mit der Faust ins Gesicht. Obwohl die Blockade eher symbolischer Natur war und Messebesuchende ihren Weg durchaus zu anderen Eingängen finden konnten, kam es immer wieder zu aggressiven Ausbrüchen verhinderter Messegäste, die humorvolle Gesänge wie „Was sagt der Esel? IAA – Was sagen wir? Widerstand!“ oder – in Anspielung auf einen riesigen, vor dem Messeturm aufgestellten KIA-Werbespruch – „Klimaschutz ist das neue Haben-Wollen“ offenbar nicht lustig finden konnten.

Das könnte der Beginn der Verkehrswende sein

Sowohl die Demo mit 17.000 radfahrenden und mehreren Tausend Teilnehmenden zu Fuß als auch die Blockade der IAA durch etwa 1000 Aktivist_innen zeigt, dass es vielen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes stinkt, dass die Verkehrspolitik beim Klimaschutz hinterherhinkt und der Verkehrssektor von Jahr zu Jahr immer noch mehr statt weniger CO2 produziert. Sie zeigen auch, dass viele es nicht mehr tolerieren wollen, dass kriminelle Praktiken der Autoindustrie geduldet und Klimaziele verwässert werden, um einen mächtigen und einflussreichen Industriezweig zu schonen. Es ist klar, dass weder der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor noch das radikale Downsizing der Autoindustrie insgesamt nicht leicht werden wird. Aber dass beides passieren muss, wird jetzt öffentlich gefordert. Das könnte der Beginn der Verkehrswende sein.

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