Die BikeNight: (Fast) ganz Frankfurt eine Fahrradstraße

Die leuchtenden Helme von Tourenleitung Steffi Karl wies der Gruppe den Weg durch die BikeNight.

Am 1. September war es wieder so weit und der ADFC Frankfurt organisierte wieder seine BikeNight, die große jährliche Fahrraddemo für bessere Bedingungen für den Radverkehr. Dort heißt es „Straßen frei für Radfahrende“ – und die speziell für die BikeNight reservierten Routen mutieren dann zu Fahrradstraßen. Damit sich das besonders toll anfühlt, ist immer auch ein Autobahnabschnitt dabei. Dieses Jahr lud der ADFC Fulda wieder zu einer Radtour mit dem Endziel BikeNight, die in Offenbach startete und neben allerlei Sehenswertem auch über die in Kürze fertiggestellte längste Fahrradstraße Hessens führte.

Fahrradfährnisse beim Zugfahren

Biker im Zug – hier müde auf der Rückfahrt.

Die von der Tourenleiterin Steffi Karl betreute Gruppe von 17 Radelnden erlebte dabei schon auf ihrer Reise gen Offenbach die typischen Fährnisse, die Radfahrenden beim Nutzen des öffentlichen Nahverkehrs begegnen können. Denn am Tag der Tour fand auch das Heimspiel der Eintracht Frankfurt gegen Werder Bremen statt, so dass der Zug um kurz nach elf bereits in Fulda mehr als gut besetzt war. Obwohl die Tour und die Fahrradmitnahme bereits Anfang 2018 angemeldet waren, waren natürlich eine Vielzahl der Klappsitze im Mehrzweckabteil besetzt – die aber dann glücklicherweise ausreichend von den Mitreisenden freigegeben wurden. Trotzdem schimpfte ein Bahner, der als Passagier unterwegs war, dass man ja nicht unbedingt Fahrräder mitnehmen müssen, wenn auch gerade ein Fußballspiel stattfindet.

Zwischenhalt auf der höchsten Erhebung des südlichen Frankfurt.

Nachdem noch mehr Gruppenmitgliedern zugestiegen waren ging es ins Offenbach raus aus dem Zug, und zwar nach einer seltsam nach den 1930ern klingenden Ansage des Bahnbegleitpersonals, die „Gruppenführerin des Deutschen Fahrradclubs“ hätte darum gebeten, auf den nahenden Ausstieg aufmerksam zu machen. Endlich auf dem Sattel sitzend radelte die Gruppe am Wetterpark Offenbach vorbei, wo man an Exponaten Tornados selbst ins Wirbeln bringen und allerlei Wetterphänomene anschaulich nachvollziehen kann, und weiter zur Stangenpyramide aus 456 Rundhölzern, wo sich ein Aussichtspunkt auf der höchsten Erhebung des südlichen Frankfurt befindet. (Für Leute, die die Rhön gewohnt sind, sei angemerkt: Sehr hoch ist das nicht.) Dort wurde die Gruppe dann von Dieter Fröhlich, dem ehrenamtlichen Radverkehrsbeauftragten der Stadt Dreieich, freundlich für eine Stadtführung durch Dreieich in Empfang genommen.

In Dreieich radelte die Gruppe durch die Altstadt und am Schloss in Dreieich-Hayn vorbei zu allerlei anderen Sehenswürdigkeiten. Dabei fielen auch die Schutzstreifen für Radfahrende auf den Hauptverkehrsstraßen auf, die sich positiv von ähnlichen Streifen in Fulda unterschieden. Obwohl diese nämlich ganz wie in der Leipziger Straße oder Kurfürstenstraße in Fulda auch entlang von Längsparkständen verlaufen, verfügen diese Radstreifen über eine weitere gestrichelte weiße Linie links von der linken Parkplatzbegrenzung. Diese rechtsseitige Begrenzung des Schutzstreifens dient dazu, dem Rad- und Autoverkehr zu signalisieren, dass Radfahrende hier einen Mindestabstand von den parkenden Autos einhalten müssen, um vor sich plötzlich öffnenden Türen gefeit zu sein. Diese Markierung entspricht übrigens auch, anders als bei den Schutzstreifen in Fulda, den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen, die auf Forschung zu sicherer Radwegeführung basieren.

Viel Zustimmung für die längste Fahrradstraße Hessens

Der krönende Abschluss der Tour durch Dreieich war die Fahrt auf der dortigen Fahrradstraße, die nach der Vollendung des letzten Teilstückes die längste Fahrradstraße in Hessen sein wird. Wie Dieter Fröhlich erklärte, haben Radfahrende auf der Fahrradstraße Vorrang und dürfen sogar nebeneinander Fahren. Autos sind- wie auf dieser Fahrradstraße – zugelassen, wenn ein Schild sie für den Autoverkehr freigibt, während sich für Leute, die zu Fuß gehen, auf der Straße weiter nichts ändert. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 30 Kilometerstunden Bei den Nebenstraßen, die in die Fahrradstraße münden, wurden die Rechts-vor-links-Regelungen beibehalten – aber auf der Fahrradstraße genießen Radfahrende dennoch Vorrang. Die Stadt Dreieich hatte eine öffentliche Informationsveranstaltung zur Fahrradstraße organisiert, auf der die Straße auch bei den Anwohnern des umliegenden Wohngebiets fast ausschließlich auf positive Resonanz stieß. Bei den bereits umgesetzten Teilen der Fahrradstraße scheint es bisher keine Probleme zu geben.

Für den Autoverkehr freigegeben – coch Vorrang haben Radelnde.

Am Bahnhof Buchschlag, dem einen Ende der Fahrradstraße, traf die Fuldaer Gruppe auf einen Radfahrer, der gerade am Boden zerstört sein an den dortigen Fahrradständern gestohlenes Rad suchte. Doch auch hier hat der Bahnhof in Form von abschließbaren Bikeboxen Vorbildliches vorzuweisen. Der ADFC Dreieich hat dort übrigens auch selbst weitere Boxen aufgestellt. Die kostenpflichtigen Boxen dienen dabei nicht nur der Sicherheit. „Da kann man bei Regen dann auch seine Sachen drin lassen,“ erklärte Dieter Fröhlich.

Der Leuchthelm wird präpariert.

Nächste Station war dann schon der Römer in Frankfurt, auf der sich bei der Eröffnungskundgebung über 2000 Leute mit ihren Rädern drängten. Währenddessen wurden Räder und Radelnde BikeNight-fertig gemacht. So brachte die Tourenleitung und der Schlussmann der Gruppe neben den bereits am Helm befestigten Lämpchen noch kleine, auf biegsamen Routen über den Helmen schwankende Leuchtfiguren an ihren Helmen an, die den Mitfahrenden während der nächtlichen Rundfahrt erleichterten, trotz des zeitweise großen Gedränges bei der Gruppe zu bleiben. Vielen der mitfahrenden Radbesonderheiten begegnete die Fuldaer Gruppe dann erst während der Tour – so den aeodynamischen vollverkleideten Fahrrädern, Fahrradhelme mit Quietscherentchen als „Kühlerfigur“, Räder mit blinkenden Sternchen an den Spreichen oder gar ein Fahrrad in Form einer Segeljacht.

Frankfurter Initiative strengt Bürgerentscheid zum Radverkehr an

Und los ging’s: Unbeschwertes Radeln auf Frankfurts häufig vier- oder sechsspurigen Straßen, durch Tunnels und über die ganze Breite der Straßen – ohne Autoverkehr oder Gefahren durch abbiegende Lkws. Gegen Ende ging es sogar über die Autobahn Pariser Straße, von der aus sich die Fahrraddemo dann mit nächtlichem Blick auf den Messeturm wieder in die Innenstadt schlängelte. Einziger Wermutstropfen waren die Fahrradstaus, immer wenn sich Straßen wieder stark verengten, die die Geschicklichkeit Radfahrender beim Langsamfahren auf die Probe stellten.

Inhaltlich wurde auf der BikeNight auch für die Bürgerninitiative Radentscheid in Frankfurt und ihr Projekt, ein Bürgerentscheid zum Radverkehr herbeizuführen. Hauptziel ist es, dass sich alle Bürger_innen Frankfurts – von 8 bis 88 Jahren – zügig und ohne Angst mit dem Rad in Frankfurt bewegen können. Bevor ein Bürgerentscheid stattfinden kann, müssen sich drei Prozent der Bürger_innen in einem Bürgerbegehren für einen Entscheid aussprechen – und das ist der Bürgerinitiative in Frankfurt bereits gelungen. Drei Prozent der Frankfurter_innen wären 15.000 Personen – unterzeichnet haben aber vor Ablauf der Frist bereits 40.000. Geworben wurde auf der BikeNight übrigens auch für den Fahrradklimatest des ADFC (noch bis 30. November 2018), bei dem jedermann online mitmachen und die Radverkehrssituation in der eigenen Stadt einschätzen kann, auch in Fulda!

Wie immer war die BikeNight für viele Teilnehmende vor allem inspirierend: So sicher, solidarisch und abgasfrei könnte es sich beim Radfahren immer anfühlen, wenn mehr Menschen aufs Rad und den ÖPNV umsteigen würden.

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