Adrenalinschub beim Linksabbiegen

Die Leipziger – Problemzone beim Radeln von und zur Hochschule. Hier suggeriert die Straßenmarkierung, dass der zu schmale, gewundene Bürgersteigradweg mit schlechter Sicht auf dieser Teilstrecke benutzt werden muss.

Radeln von und zur Hochschule ist verbesserungsbedürftig

An unserem Verkehrswende-Stand beim Frühlingsmarkt war die Stimmung einhellig: Radfahren im Fuldaer Stadtverkehr ist gewöhnungsbedürftig. Das liegt vor allem daran, dass es – abgesehen von Routen für Freizeitradelnde wie in den Fuldaauen – kaum durchgehende Radverbindungen gibt, die wichtige Punkte miteinander verbinden und die sich schnell und sicher befahren lassen, um wichtige Alltagswege zurückzulegen. Deshalb beginnen wir  jetzt in Kooperation mit dem ADFC, in loser Folge mit unseren Radrouten-Checks Verbindungswege für Radelnde in Fulda zu testen. Thema ist dabei nicht, ob es überall Radwege gibt, sondern ob Verbindungswege einigermaßen gefahrlos und angstfrei, ohne zu viele Hindernisse und mit Spaß befahren werden können. Zu unseren Radrouten-Checks laden wir öffentlich ein, so dass sich alle Interessierten beim Testen und Formulieren von Verbesserungsvorschlägen beteiligen können.

Beim ersten Radrouten-Check ging es auf – allerdings bruchstückhaften – Schleichwegen vom Studierendenwohnheim An der Wiesenmühle zur Hochschule und anschließend von dort auf dem kurzen Weg in die Innenstadt. Dabei radelten wir zuerst links in die Kronhofstraße hinein und dann rechts über holprige Pflastersteine das wenig befahrene, steile Eichsfeld nach oben, das die kürzeste Verbindung zur Leipziger Straße darstellt. Das Eichsfeld darf allerdings nur Richtung Paulustor befahren werden, so dass Studierende diese eigentlich wichtige Kurzverbindung zwischen Leipziger und Kronhofstraße auf dem Nachhauseweg zum Studiwohnheim legal nicht nutzen dürften.

Eine noch ruhigere Alternative für dieses Teilstrück wäre übrigens der allerdings auch stärker ansteigende Rudolf-Theuer-Weg jenseits des Tunnels Weimarer Straße gewesen. Um diesen zu erreichen, hätten aber eine Fußgängerampel über die Weimarer Straße sowie der relativ stark befahrene Horaser Weg ohne Fußgängerüberweg überquert und oberhalb des Tunnels an der Leipziger Straße nochmals zwei Fußgängerüberwege mit Lichtsignalanlagen überwunden werden müssen. Obwohl es sich beim Rudolf-Theuer-Weg um einen ruhigen Rad- und Fußweg handelt, ist er insbesondere für Radfahrende, die Richtung Hochschule unterwegs sind, aufgrund der notwendigen vier Straßenquerungen kaum zumutbar. Überdies ist dieser Weg – die Radalternative für den Tunnel an der Weimarer Straße, die ja immerhin eine Landstraße ist – auch noch kaum beleuchtet.

Radwegeslalom um Sichthindernisse herum

An der Leipziger Straße, die wir nur wenige hundert Meter befuhren, häuften sich dann sogleich Probleme. Schon beim Auffahren vom Paulustor auf die Leipziger werden Radelnde, ohne dass sie selbst Vorteile durch diese Radwegeführung hätten, über eine kurze Strecke auf einem Radweg über den Bürgersteig wieder auf den Radstreifen auf der Fahrbahn gelenkt – und zwar ausgerechnet dort, wo an der Winfriedschule häufig starker Fußgänger- und Elterntaxiverkehr stattfindet. An der Kreuzung mit der Kurfürsten- und Buttlarstraße endet dann die Benutzungspflicht des Radwegs, denn auf der Abschnitt des Radwegs, der dann wieder als Radweg auf dem Bürgersteig als Slalomstrecke um eine Bushaltestelle und dann um den Brückenpfeiler herum unter der Eisenbahnbrücke hindurchgeführt wird, steht kein blaues Radwegeschild mehr. Trotzdem führen weiße gestrichelte Linien und ein Radsymbol auf der Straße auf den Radweg zu, was zu signalisieren scheint, dass dort der Radweg benutzt werden müsse. Da der Rad- und Fußweg dort sehr schmal sind und auf der Radspur laufende Fußgänger oder womöglich in der falschen Richtung radelnde Menschen aufgrund der Haltestelle und des Brückenpfeilers schlecht gesehen werden können, kann hier nicht zügig und sicher zugleich gefahren werden, so dass Radfahrenden – wenn auch nicht allen dort vorbeifahrenden Autolenkenden – einleuchtet, dass hier keine Benutzungspflicht mehr besteht. Im Gespräch über diese Stelle bemerkte die mitfahrende Studierende, dass auf diesem Teilabschnitt der Straße auch der Radweg in Richtung Buttlarstraße gefährlich ist, weil Autos, die aus der Straße An Vierzehnheiligen kommen, hier Fahrräder leicht übersehen können. In der Tat macht ein Schild hier die Autofahrenden sogar darauf aufmerksam, dass Radelnde auch aus der falschen Richtung kommen können. Klar – welcher Studi, der aus der Buttlarstraße kommt, möchte schon den Umweg über die gegenüberliegende Straßenseite nehmen, um auf derselben Seite der Leipziger wieder in die Gneisenaustraße einzubiegen?

Da unser Ziel ja war, auf der Hinfahrt eher Schleichwege zur Hochschule zu benutzen, galt es nun, die Leipziger nach links zu überqueren, um in eben die Gneisenaustraße einzufahren. Das kann durch Linksabbiegen auf der Linksabbiegespur geschehen, was viele Radelnde auf der vierspurigen Leipziger aber eher vermeiden. Daher taten wir, was viele Studierende hier an dieser Stelle in der Tat tun – nämlich über die Fußgängerampel zu queren. Statt dann etwas naheliegender über die Marquardtstraße auf den Hochschulcampus zu radeln, folgten wir der Verlängerung der Gneisenaustraße auf einen Rad- und Fußweg entlang der Eisenbahnlinie, der es erlaubt, die Hochschule kreuzungs- und ampelfrei und abseits des Autoverkehrs zu erreichen. Auf Begeisterung traf die Route aber eher nicht, da dieser sichere Weg für die meisten Campuslagen einen Umweg darstellt. Zwar erreicht man mit dieser Route recht direkt einen der beiden (!) überdachten Fahrradständer auf dem Campus. Dort würde sie aber nie ihr Rad abstellen, so die studierende Teilnehmerin: „Da müsste ich ja noch über den halben Campus zu Fuß laufen.“

Adrenalinschub beim Linksabbiegen

Hier aus Richtung Innenstadt kommend links aufs Hochschulgelände abzubiegen, erzeugt Adrenalin.

Zurück ging es über den kurzen Weg in die Innenstadt – und das hieß zunächst natürlich wieder, auf der Leipziger Straße zu fahren (auch wenn parallel zur Leipziger im Galgengraben noch ein weiterer Schleichweg verläuft). Dort, wo wir auf die Leipziger Straße auffuhren, direkt vor dem Hotel Lenz, ist übrigens die Stelle, wo die Autorin dieses Blogartikels immer von unten kommend links auf den Campus abbiegt. Beim Gespräch darüber waren wir uns alle einig: Es gibt keine Stelle, an der Radelnde auf der Leipziger mit wirklich gutem Gefühl links abbiegen können. „Deshalb sieht man den Großteil der Studenten auf dieser Seite auf der Radspur hier hochfahren. Die gehen über die Ampel“, so die Studierende über das an dieser Stelle besonders häufige regelwidrige Fahren auf der falschen Seite – oder dem Bürgersteig. Eine Erleichterung für das Linksabbiegen an diesem Eingang der Hochschule beim Hotel Lenz wäre vielleicht eine Querungshilfe ähnlich wie in der Petersberger Straße auf Höhe der Bäckerei Regulski.

Schade, hier hätte eine Alternative für Radelnde beginnen können. Stattdessen eine Treppe, die auch Menschen mit Rollstuhl und Kinderwagen den Durchweg verwehrt.

Einen kurzen Zwischenhalt legten wir noch in der Moltkestraße, Ecke Leipziger Straße ein. Hier beginnt eine campuseigene Parallelstraße zur Leipziger. Da an der Abzweigung Moltkestraße an der Leipziger eine Lichtsignalanlage den Verkehr regelt, ist hier Abbiegen etwas leichter als weiter oben vorm Hotel Lenz. Daher wäre diese Parallelstraße gut geeignet, um auf ihr mit dem Rad den oberen Teil des Campus zu erreichen … wenn, ja, wenn die Straße bei deren Neugestaltung mit einer Rampe auf die Moltkestraße geführt worden wäre. Leider befindet sich dort nun eine Treppe, was auch für Menschen mit Rollstuhl oder Kinderwagen die Auffahrt verwehrt. Hier ließe sich also noch etwas verbessern!

Markierung neu gestaltet – Konflikt vorprogrammiert

Beim Herunterfahren der Leipziger in Richtung Innenstadt dann dasselbe Problem wie in die andere Richtung: Es biegt sich nirgendwo angenehm links ab. Aufgrund der Baustelle an der Wörthstraße bogen wir über die Linksabbiegerspur in die Amand-Ney-Straße ein. Beim Gespräch darüber teilten später die meisten Teilnehmenden, dass sie an solchen Stellen auf der Leipziger normalerweise immer über Fußgängerampeln indirekt abbiegen würden – auch wenn dies natürlich länger dauert.

Das nächste Ärgernis wartete dann bereits in der Magdeburger auf uns: Ein Auto war nicht korrekt eingeparkt und ragte in den Schutzstreifen für Radelnde hinein, was auf der dort relativ schmalen Straße zu unangenehmem Ausweichen auf die Fahrbahn zwingt. Unter der Eisenbahnbrücke hindurch erfreut dann der vor kurzem neu markierte Schutzstreifen, der Radfahrende über die Kreuzung mit der Kurfürstenstraße leitet. Statt klar in die Fahrbahn Heinrich-von-Bibra-Platz zu führen, endet der Schutzstreifen rechts von der zu befahrenden Fahrbahn. Viele Autolenkenden interpretieren dies leider so, dass Radfahrende hier anhalten und ihnen die Vorfahrt lassen müssen. Schade – denn vor der Neugestaltung war die Markierung eindeutig und weniger konfliktträchtig. Glücklicherweise war dies das letzte größere Problem, denn bald waren wir bereits in der Fußgängerzone der Bahnhofstraße und am Uniplatz, von wo aus wir noch gemächlich in die Löherstraße radelten – wo aufgrund des extrem holprigen Pflasters nur der Komfort zu wünschen übrig lässt.

Der Schutzstreifen endet einfach zu weit rechts. Diese Fotografie verzerrt allerdings die tatsächlichen Verhältnisse, so dass das Problem nicht ganz deutlich wird.

Wir planen – wie gesagt in loser Folge – weitere Radrouten-Checks und freuen uns über Verstärkung. Wer das liest und Interesse hat, ist eingeladen, diesem Blog zu folgen. Weitere Checks werden wir hier und auf der Facebook-Seite von Verkehrswende Fulda – Regionalgruppe des VCD – ankündigen. Außerdem sind wir offen für Wünsche für weitere Fuldaer Radrouten-Checks, die auf der Kontaktseite dieses Blogs hinterlassen werden können.

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