Offenes Ohr für den Radverkehr?

Rund 20 Teilnehmende waren der Einladung der Stadt Fulda zu einem Dialog mit dem vielversprechenden Titel „Offenes Ohr für den Radverkehr“ gefolgt – darunter einige engagierte Mitglieder des ADFC und der Regionalgruppe des VCD Verkehrswende Fulda. Die seit Jahren erste öffentliche Veranstaltung der Stadt zum Radverkehr außerhalb der Bürgerbeteiligung im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplans wurde von Teilnehmenden als positives Signal gewertet. Doch die konstruktive Grundstimmung konnte kaum darüber hinwegtäuschen, dass viele der zahlreichen sachverständigen Vorschläge aus dem Kreis der Anwesenden immer wieder auf den Refrain „geht nicht“, „keine Mittel“ oder „wir müssen uns an die rechtlichen Vorgaben halten“ der Vertreter von Stadtplanungs- und Ordnungsamt trafen.

Die Klimaschutzmanagerin der Stadt Fulda klebt auf Karten geschriebene Vorschläge der Teilnehmenden an die Wand.

Klimaschutzmanagerin Dorothea Hergott sammelt die Vorschläge der Teilnehmenden

Beim anschließenden Abarbeiten der von Klimaschutzmanagerin Dorothea Hergott von den Teilnehmenden auf Karten gesammelten Themen wurden zwei Dinge schnell deutlich. Erstens: Bei denen, die seit Jahren in Fulda mit dem Rad unterwegs sind, hat sich jahrelang massiver Frust angestaut. Und zweitens: Bei den meisten konkreten Beschwerden scheint hingegen keine Änderung in Sicht – mal mit besseren, mal mit schlechteren Begründungen. So antwortete Thomas Flügel vom Ordnungsamt auf die Frage, warum radfahrfreundliche Tempo-30-Zonen wieder aus Wohngebieten verschwinden würden, dass der Stadt die Hände gebunden seien: „Wir müssen uns an die rechtlichen Vorgaben halten.“ Auf Bundes-, Kreis- oder Landstraßen seien Tempo-30-Zonen eben nicht zulässig. An solchen Straßen sei eine Reduzierung auf Tempo 30 nur abschnittsweise, etwa an Schulen, Krankenhäusern oder Kindergärten, möglich.

Kein Geld, kein Personal, keine funktionierende Technik

Mehrfach boten die anwesenden Experten der Stadt eine Vielzahl von Gründen auf, warum Missstände nicht behoben werden könnten. Selbst ein simpel erscheinendes technisches Problem, in Form von Induktionsschleifen an Ampeln, die nicht auf leichte Radfahrende reagieren, scheint nicht behebbar zu sein. Eine Teilnehmerin hatte das an mehreren Stellen aufgetretene Problem mehrfach beanstandet, aber es war nicht behoben worden. Martin Thaler verwies darauf, dass die Anlagen durchaus überprüft worden seien und vermutete zur Belustigung der Anwesenden, es liege an den leichter gewordenen Fahrrädern.

Ähnlich ging es bei anderen Themen: Kein Winterdienst für Radwege? Kein Geld! Winterdienst für die regulären Straßen habe natürlich Vorrang. Weitere, für Radverkehrsverbindungen wichtige Einbahnstraßen sollten für den Radverkehr in beide Richtungen geöffnet werden? Das erfordert Begehungen – und diese erfordern wiederum Personal des Ordnungsamts, das auch so schon überlastet ist. (Was muss in Fulda auch so viel demonstriert werden?)

Radwege: Nicht breit genug, nicht einsehbar, mit gefährlichen Mängeln

Ein anderes bekanntes Übel in Fulda sind die Zahl der Radwege, die in Fulda nicht den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen entsprechen: Nicht breit genug, an Einmündungen nicht einsehbar, durch Verkehrsschilder beengt, mit schlechter Oberfläche, ohne Sicherheitsabstand zu Längsparkplätzen – um nur einige der teils gefährlichen Mängel zu benennen. Aber auch die Forderung, die Benutzungspflicht für diese Radwege aufzuheben und Markierungen, die dem Autoverkehr eine bestehende Benutzungspflicht suggerieren, zu entfernen, hielt Thomas Flügel für unrealisierbar.

Radverkehrsbezogene Themen auf ovale Moderationskarten geschrieben und an eine holzgetäfelte Wand geklebt.

Einige der von den Teilnehmenden des Dialogs „Offenes Ohr für den Radverkehr“ gesammelten Themen.

Licht am Horizont gab es allenfalls bei den Abstellplätzen. So werde geprüft, ob mehr Fahrradständer installiert werden könnten. Allerdings bleibt dahingestellt, ob ein Vorschlag wie der von Walter Rammler, Bundestagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen, einfach einige der Parkplätze am Straßenrand mit Fahrradständern zu bestücken, bei der Stadt auf Wiederhall treffen wird. Selbst im privaten Bereich, wo Bauherren bisher nur Kfz-Stellplätze zur Verfügung stellen müssen, soll sich laut Martin Thaler etwas ändern: „Es wird eine neue Regelung geben, Fahrradplätze mit zu berücksichtigen.“ Wer auf sichere Abstellplätze wie Boxen für E-Bikes im Innenstadtbereich hofft, wird aber ebenfalls enttäuscht. Thomas Flügel hält es jedenfalls für ausgeschlossen, solche Boxen irgendwo im Innenstadtbereich einzurichten.

„Da hat man in Fulda das Gefühl, zuerst kommt das Auto – und dann kommt lang, lang nichts.“

Die Veranstaltung war immer wieder vom Bemühen geprägt, miteinander ins Gespräch zu kommen, doch es gab wiederholt Punkte, wo die teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger und die Vertreter der Ämter aneinander vorbeizureden schienen. So gestand Martin Thaler einerseits ein, dass die Stadt bei „weichen Maßnahmen“ wie PR-Kampagnen fürs Rad durchaus mehr tun könne. Doch wenn man den Radverkehrsförderplan von 2009 ansehe, so der Appell des Planers, müsse man doch sehen: „Da sind wir bei den Infrastrukturmaßnahmen gar nicht so schlecht unterwegs.“ Das spiegelt sich aber wenig in den täglichen Radfahrerfahrungen der Teilnehmenden. Eine Radfahrerin formulierte, dass es darum gehe, dass die Infrastruktur Radfahrenden ermögliche, gleichberechtigt am Verkehr teilzunehmen, aber davon sei Fulda weit entfernt: „Da hat man in Fulda das Gefühl, zuerst kommt das Auto – und dann kommt lang, lang nichts.“

Trotz aller Unstimmigkeiten: Dass über den Radverkehr in Fulda mehr gesprochen werden sollte, war zumindest unter den teilnehmenden Radlerinnen und Radlern unstrittig. Steffi Karl vom ADFC erinnerte hier an den Runden Tisch Radverkehr, der schon Jahre nicht mehr zusammengetreten ist. Sie wünscht sich, dass der Runde Tisch endlich wiederbelebt wird: „Dieser konstruktive Austausch, dass man den nicht wieder einschlafen lässt.“

Weiterer Austausch ist jedenfalls schon am kommenden Freitag, 15. September, von 16-19 Uhr möglich: Auf der von Verkehrswende Fulda – Regionalgruppe des VCD veranstalteten Mitmach-Tagung „Platz für alle“. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich; alle Interessierten sind zur Teilnahme eingeladen.

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