Was ist uns die Innenstadt wert?

Öffentlichkeitsbeteiligung an Verkehrsentwicklung ist angelaufen

Am Freitag, direkt nach der Stadtradeln-Preisverleihung durch Klimamanagerin Bianca Heinzen und Stadtbaurat Daniel Schreiner, fiel der Startschuss für den Bürgerbeteiligungsprozess im Rahmen der neuen Verkehrsentwicklungs- und Nahverkehrspläne für die Stadt Fulda, in denen langfristige Ziele und Strategien für die Verkehrsentwicklung festgelegt werden sollen. Um die 60 Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung der Stadt Fulda ins Stadtschloss gefolgt, um moderiert durch die beteiligten Planungsbüros an drei Thementischen Anregungen, Frust und Wünsche zur Mobilität in Fulda zu hinterlassen.

Die erste von drei Die erste von drei Bürgerbeteiligungsveranstaltungen begann mit der Präsentation des traurigen Fuldaer Ist-Standes durch Dr. Frank Ließke von der Technischen Universität Dresden, der dort für das Forschungsprojekt Mobilität in Städten Daten sammelt und auswe

Ein Gruppenbild mit einigen Teilnehmenden des Stadtradelns der Stadt Fulda.

Nach der Preisverleihung gab’s ein Gruppenbild mit allen anwesenden Teilnehmenden des Stadtradelns.

rtet. So wird in Fulda zwar „nur“ jeder zweite Weg mit dem Auto zurückgelegt – aber dafür 80 Prozent der zurückgelegten Kilometer. Und während Fulda aufgrund seiner kompakten Innenstadt etwas mehr Fußverkehr verzeichnen kann als andere vergleichbare Städte, sind Fuldaer weniger oft mit dem Rad und den Bus und häufiger mit dem Auto unterwegs als anderswo. Fast 60 Prozent der Fuldaer kaufen beispielsweise mit dem Auto ein. „Das könnte für Fulda ein Ansatzpunkt sein“, so der Kommentar des Verkehrswissenschaftlers.

„Man kommt nachts nicht mehr heim.“

Für den Beteiligungsprozess selbst baten die moderierenden Mitglieder der Planungsbüros die Anwesenden an drei Thementische mit den Schwerpunkten Fuß- und Radverkehr, Öffentlicher Nahverkehr und motorisierter Individualverkehr. Diplom-Ingenieur Christian Bexen, der selbst täglich 40 Kilometer mit seinem E-Bike zurücklegt, betonte dabei einleitend, dass die Büros die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern als Bereicherung ansehen: „Sie sind jeden Tag unterwegs – deswegen sind Sie unsere Experten.“

Poster der Osnabrücker Kampagne zum Umsteigen aufs Fahrrad mit Titeln wie "Du willst die Welt retten? Fang schon mal an und fahr Rad!" oder "Flirten geht nicht im Mamataxi. Fahr lieber Rad!"

Osnabrück wirbt mit lustigen Sprüchen fürs Umsatteln.

An den Thementischen selbst überschlugen sich die Teilnehmenden mit Kommentaren und Vorschlägen und waren sich bei der Problembeschreibung oft einig. Konsens in punkto öffentlicher Nahverkehr war beispielsweise, dass die Busse zu selten fahren, zeitsparendes Umsteigen oft nicht möglich ist und die Zeiten, in denen die Busse im engeren Takt oder schlicht überhaupt fahren, zu knapp bemessen sind. „Man kommt nachts nicht mehr heim“, so ein Teilnehmer. Die Lösungsvorschläge reichten vom 15-Minuten-Takt zu ausgeweiteten Bedienzeiten, Busspuren in der Innenstadt, Jobtickets für Hochschule und Klinik bei an den Bedarf der Bediensteten angepasstem Service bis zur Forderung, dass das Anruf-Sammeltaxi sich nicht nach den Haltestellen der Schwachlastzeiten richten solle.

Radwege ohne Radfahrer

„Was ist einem die Innenstadt wert?“ hatte Christian Bexen in seinen einleitenden Worten gefragt. Gerade dazu wurde beim Kfz-Thementisch dann auch einmal kontrovers diskutiert. Ist es sinnvoll, grüne Wellen einzurichten und so noch mehr Autofahrende zu verleiten, mal schnell durch die Fuldaer Innenstadt zu fahren – oder wäre es nicht eigentlich sinnvoller, weite Teile der Innenstadt für die nicht-motorisierte Mobilität zu reservieren? Hier wurde immer wieder thematisiert, wie viel wertvollen Platz parkende Autos gerade dort blockieren, wo die Stadt am attraktivsten ist. So forderte eine Teilnehmerin, die Zahl der Parkplätze an Innenstadtstraßen zu reduzieren und das Parken auf die Parkhäuser zu begrenzen.

Der Radverkehrsthementisch umstanden von Teilnehmenden mit den Kevin Hillen als Protokollant und Merja Spott als Moderatorin.

Kevin Hillen von der Planersocietät Dortmund kam beim von Merja Hillen moderierten Thementisch Fuß- und Radverkehr kaum beim Protokollieren der Missstände nach.

Planer Bexen hatte eingangs formuliert, „In Fulda gibt es zwar einige Radwege, aber es fehlen die Radfahrer.“ Daher wunderte es nicht, dass sich besonders großer Leidensdruck am Thementisch zum Fuß- und Radverkehr äußerte, an dem sich besonders radfahrende Bürgerinnen und Bürger in ihren Klagen überboten: „In Fulda gibt es zwar einige Radwege, aber es fehlen die Radler.“ „Es ist viel gemacht worden, aber ein Konzept kann ich nicht erkennen“, „Linksabbiegen für Radfahrer kommt nicht vor“, „Ich hab‘ noch keinen Radweg in Fulda erlebt, der durchgängig geht“, „Radwege lösen sich einfach in Luft auf“, „Es fehlen gute Verbindungslinien“, „Der grüne Pfeil ist lebensgefährlich für Radler“ und vieles mehr war da zu hören.

Stiefkinder der Verkehrsplaner

Aber auch, wer zu Fuß unterwegs ist, fühlt sich in Fulda oft als Stiefkind der Verkehrsplaner: Grün-Phasen an Ampeln lassen langsameren Menschen nicht genug Zeit, die Straße in einem Rutsch zu queren, und Straßen wie die Dalberg- und Leipziger Straße sind streckenweise kaum zu queren. Hinzu kommt, dass Leuten, die zu Fuß unterwegs sind, an Baustellen, aber manchmal auch andernorts immer wieder größere Umwege zugemutet werden.

Mit der Auftaktveranstaltung am Freitag war der Beteiligungsprozess noch nicht zuende. Am folgenden Samstag fand eine Planungsradtour statt, bei der Bürgerinnen und Bürger konkrete Orte der Stadt direkt diskutieren konnten. Über einzelne Stationen der Planungsradtour werden wir in weiteren Beiträgen noch berichten. Zugleich wurde bis zum 30. November eine Online-Plattform eingerichtet, auf der Fuldaerinnen und Fuldaer unter http://www.buergerbeteiligung.de/vepfulda Vorschläge und Kommentare in eine Karte eintragen können. Anschließend ist noch eine weitere Bürgerbeteiligungsveranstaltung geplant.

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