Presserklärung | 18. August 2015

 

Parken in der Kurfürstenstraße: Weniger ist mehr

Akzeptable Fußwegbreite und sicheres Radfahren nur durch Wegfall eines Parkstreifens möglich

Anderswo wird der Neubau oder Umbau von Straßen konsequent genutzt, um von der einseitigen Bevorzugung des Autoverkehrs der Vergangenheit wegzukommen und komfortable und sichere Lösungen auch für alle, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, zu finden – aber nicht so in Fulda. Im Oktober soll jetzt auch die Kurfürstenstraße für sage und schreibe 1,6 Millionen Euro ausgebaut werden, ohne dass es zu nennenswerten Verbesserungen für den Fuß- und Radverkehr kommt.

Die Crux liegt darin, dass die Kurfürstenstraße nur zwischen 14 und 15 Meter breit ist, die Planung des Ausbaus aber in weiten Teilen der Straße beidseitige Längsparkstreifen von einer Breite von jeweils zwei Metern vorsieht. So beschränkt sich der für die Gehwege verfügbare Platz auf der zum Schlosspark hin gelegenen Seite auf eine Breite zwischen 2 und 2,21 Meter, während er auf der anderen Seite sogar streckenweise nur 1,80 oder 1,50 Meter beträgt. Damit wird die untragbare Situation auf der Südseite der Kurfürstenstraße zwischen Bahnhofsvorplatz und Heinrich-von-Bibra-Platz, wo Menschen mit Rollkoffern, Kinderwagen und Rollstühlen sich den extrem schmalen Bürgersteig auch noch mit Radelnden teilen sollen, auch auf dem neu ausgebauten Abschnitt fortgesetzt. In der gültigen Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen, die ermöglichen will, dass sich Fußgänger problemlos begegnen und radfahrende Kinder an ihnen vorbeifahren können, wird dagegen eine Gehweg-Mindestbreite von 2,50 empfohlen.

Beim Neuausbau ist überdies für Radfahrende geplant, wieder die von Fuldaer Planern geliebten Schutzstreifen anzulegen, wie sie beispielsweise auf der Leipziger Straße zu finden sind. Obwohl die mittlerweile als Best-Practice-Leitlinie geltenden Empfehlungen für Radverkehrsanlagen von 2011 vorsehen, dass insbesondere bei Schutzstreifen, die direkt an Längsparkstreifen verlaufen, ein Sicherheitsabstand zu den parkenden Autos einzuhalten und zu markieren ist, sieht die Kurfürstenstraßen-Planung allerdings ähnlich wie in der Leipziger Straße abermals überhaupt keinen Sicherheitsabstand vor. Karin Masche, für die Linke.Offene Liste im Stadtparlament, weist darauf hin, dass auch bei neuen Planungen wie der Niesiger Straße wieder Schutzstreifen ohne Sicherheitsabstand geplant sind.

Radfahrenden sind beim Nutzen solcher Schutzstreifen stark gefährdet, denn selbst, wenn sie mittig fahren, können sie direkt von einer sich plötzlich öffnenden Tür erwischt werden. So kommt eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen zum Unfallrisiko von Radelnden zu dem Schluss, dass fast alle Unfälle, die sich zwischen Radverkehr und ruhendem Verkehr ereignen, auf nicht vorhandene oder zu schmale Sicherheitstrennstreifen zwischen Schutz- oder Radfahrstreifen und den Parkständen zurückzuführen sind. Für Ute Riebold, Stadtverordnete der Grünen, sind die Prioritäten klar: „Bei der Aufteilung des vorhandenen Straßenraums muss Sicherheit immer Vorrang haben – wenn die Straße zu schmal ist, um alle Interessen zu bedienen, müssen Parkplätze reduziert oder wenn nötig ganz gestrichen werden.“

Vertreterinnen und Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs haben in einem Gespräch mit Mitgliedern des Planungsamts bereits im März auf die Mängel der Planung für Menschen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, hingewiesen. Bisher wurde seitens der Stadt aber keine Bereitschaft signalisiert, auf die wichtigsten Vorschläge einzugehen. Verkehrswende Fulda fordert, die Planung nur unter Berücksichtigung der Richtlinie für Stadtstraßen und den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen umzusetzen.

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