Friedrichstraßen-Händler: Hilfe, wir gehen bankrott!

Fulda – 22.07.2015. Dramatisch – so hörte sie sich an, die Lage der Friedrichstraßenhändler, falls die Friedrichstraße temporär für den Autoverkehr gesperrt oder gar in eine Fußgängerzone umgewandelt werden sollte – wobei letztere Option für die Stadt gar nicht mehr auf dem Tisch liegt, da, wenn überhaupt, nur an zeitlich begrenzte Sperrungen gedacht wird. Auf der sehr kurzfristig anberaumten Bürgerversammlung am 15 Juli im Fürstensaal, von der Verkehrswende Fulda leider zu spät erfuhr, um als Organisation teilnehmen zu können, stimmten die Geschäftsleute der Friedrichstraße einer nach der anderen eine Litanei des drohenden Untergangs an, sollte der Zugang des Autoverkehrs zur Friedrichstraße eingeschränkt werden.

Die vorauseilenden Klagen der Geschäftsleute standen in eigenartigem Kontrast zu Ausführungen seitens der Stadt, in denen es hieß, dass es sich bei einem Großteil des Verkehrs in der Friedrichstraße um Durchgangsverkehr handele – und somit gar nicht um Einzelhandelskunden für die Friedrichstraße. Dennoch wurde der Austausch zum Thema Friedrichstraße von den Händlern dominiert: Ihre Positionen hatten bereits detailliert Eingang in die PowerPoint-Präsentation der Stadt gefunden und wurden nachher in gut vorbereiteten Statements von den einzelnen Inhabern mit wenigen Variationen ähnlich vorgetragen.

Das höchste der Gefühle: Fußgängerzone light

Überhaupt nicht ernsthaft diskutiert wird die Idee, dass die Friedrichstraße ganz Fußgängerzone werden könnte – letztlich denkt man nur an eine temporäre Sperrung, beispielsweise abends. Trotz dieser Sperrung light lag ein Fokus der städtischen Präsentation dann auf der Frage, wie Verkehr umgeleitet werden könne. So waren drei Varianten im Gespräch. Erstens eine aufgrund der räumlichen Verhältnisse eigentlich nur in eine Richtung möglichen Führung des Verkehrs von der Schlosstraße in die Nonnengasse hinein bis zur Stadtpfarrkirche in nur eine Richtung. Zweitens die Führung von unten, also der Robert-Kircher-Straße aus, ebenfalls als Einbahnstraße am NKD vorbei Richtung Stadtpfarrkirche und dann in die Nonnengasse hinein. Und zu guter letzt die Variante, bei der der Verkehr ebenfalls von der Robert-Kircher-Straße Richtung Stadtpfarrkirche fließen würde, aber auch ein Abbiegen rechts zum Altstadtparkhaus in die Brauhausstraße hinein möglich wäre.

All diese Überlegungen zeigen vor allem eins: die Fußgängerzonen in der Fuldaer Innenstadt werden wohl bis auf weiteres Flickwerk bleiben. Statt eines umfassenden Verkehrskonzepts für die Innenstadt, bei der es darum gehen würde, wie Menschen möglichst umweltschonend, sozial gerecht und barrierefrei ihre Ziele erreichen können und gleichzeitig lebenswerter, lebendiger Stadtraum erhalten oder geschaffen wird, geht es darum, wie sich der Kraftverkehr in der Stadt bewegen soll.

Innenstadt als Erlebnisraum

Ein Bürger fragte sich dagegen laut, warum Fulda es nicht Städten wie beispielsweise Hameln gleichtun könnte, wo ein neues Konzept die Innenstadt autofrei und zugleich erheblich attraktiver machte. Wenn die Geschäfte in der Friedrichstraße Umsatzeinbußen hätten, läge das an ihren veralteten Geschäftsmodellen und stärkerer Konkurrenz aus dem Internet, nicht an der Frage, ob man sie mit dem Auto erreichen könne. Und damit könnte er recht haben, liegt doch die Attraktivität von Innenstädten gerade in Zeiten der Internetkäufe auch an ihrer Qualität als Erlebnisraum.

An einen ganz anderen Aspekt erinnerte Michael Kolb aus Maberzell: Wenn bei einem Test der Stadt bereits ein Stadtbus kaum in die Friedrichstraße einfahren und an deren Ende in die Mittelstraße einbiegen konnte, wie sieht es dann erst bei Feuerwehrwagen aus? Da am unteren Ende der Friedrichstraße ein Hotel entstehen soll, müsse dort Aufstellfläche für die Feuerwehr geschaffen werden – was sich nicht mit dem Ziel der Stadt, dort Parkplätze zu erhalten, vereinbaren ließe.

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