Fuldas Fahrradklima erhält wieder eine Vier!

Stillstand: Und Fulda bewegt sich nicht!

Wer in und um Fulda nicht hauptsächlich auf den touristischen Radwegen unterwegs ist, wird sich kaum wundern, dass Fulda beim alle zwei Jahre vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) durchgeführten Fahrradklimatest wieder einmal auf den hinteren Plätzen gelandet ist. Bei der Umfrage belegte Fulda bundesweit – mit einem Wert von 4,1 (wobei 1 der beste, 6 der schlechteste Wert ist) – Rang 85 von 100 bei Städten zwischen 50 000 und 100 000 Einwohnern und Rang fünf von sieben bei den hessischen Städten dieser Größe.

Sprich: gegenüber dem letzten Test hat sich in Fulda praktisch nichts geändert – oder jedenfalls nichts, was als erhebliche Verbesserung beim täglichen Radeln in Fulda spürbar wäre. Die Umfrage, für die in Fulda 140 Radfahrerinnen und

Eine von hinten fotografierte Gruppe von Radfahrerinnen und Radfahrern nimmt eine ganze Linksabbiegerspur ein, während sie vor einer roten Ampel am Stadtschloss Fulda warten.

Die Menge macht’s: Bei den Critical Mass Stadtrundfahrten an jedem Dienstag (um 18 Uhr ab Domplatz) können Radelnde sich dann doch mal sicher fühlen.

Radfahrer 27 Fragen zu ihrer Stadt beantworteten, befragte die Teilnehmenden zu verschiedensten Bereichen des Radelns: von Abstellplätzen bis zu Konflikten mit Leuten, die zu Fuß gehen; vom Umgang der Städte mit Baustellen über das Thema Winterdienst auf Radwegen und subjektivem Sicherheitsgefühl.

Die einsame Verbesserung: Es wird weniger geklaut

Das Positive zuerst: Der einzige Bereich, in dem sich Fuldas Fahrradklima merklich gegenüber dem letzten Test verbessert zu haben scheint, ist der Fahrraddiebstahl. Etwas besser als ähnliche Städte schnitt Fulda außerdem nicht nur beim Fahrraddiebstahl ab, sondern auch beim Zustand der Radwegeoberflächen – allerdings nur in einem statistisch kaum relevanten Maß

(0,2). Einen Wert im noch gut befriedigenden Bereich erreichten auch die Fragen, wie gut das Stadtzentrum erreichbar ist, inwieweit zügiges Radeln möglich ist und ob es in der Gegenrichtung geöffnete Einbahnstraßen gibt.

Tägliche Ärgernisse

Nahaufnahme einer Fahrradnabe von der Seite mit rostigen Speichen vor einer weiß verputzten Wand.

Der mangelnde Winterdienst auf Fuldas Radwegen wäre eine Auszeichnung mit der rostigen Speiche wert.

Die drei schlechtesten Werte erzielten interessanterweise Fragen, die eher mit der Unterhaltung und Bewirtschaftung von Radverkehrsanlagen und weniger mit ihrer Errichtung zu tun haben: Winterdienst, Radwegeführung an Baustellen und Falschparken auf Radwegen.

Der Winterdienst auf Radwegen, der in Fulda weder auf zentralen innerstädtischen Radwegen noch bei wichtigen Verbindungswegen in die Stadtteile wie der Fahrradstraße nach Johannesberg vorhanden ist, erzielte die Note 4,8. Fast ebenso wenig existent ist in Fulda eine Radwegeführung an Baustellen. Ein gewisser Fortschritt lässt sich daran erkennen, dass Ende 2014 an der Dalbergstraße (Höhe Brauereistraße) tatsächlich einmal eine Radspur um eine Baustelle herum angelegt wurde. Dafür war der Radstreifen auf der anderen Straßenseite aber monatelang wegen einer Baustelle gesperrt und ein Ausweichen in die reguläre Fahrspur offenbar nicht vorgesehen. Auch während der ebenfalls monatelangen Sperrung der Heidelsteinstraße wurde keine Durchfahrmöglichkeit für Radelnde eingerichtet: wer wollte, konnte sich mit dem Rad illegal auf groben Schotter durch den Engpass durchkämpfen, um größere Umwege zu vermeiden.

Die allerschlechteste Note erhielt (mit 4,9) allerdings die Falschparkerkontrolle auf Radwegen. Auch das ist wenig überraschend: Wer regelmäßig auf den Schutzstreifen der Bahnhofstraße und von Bereichen der Leipziger Straße oder beispielsweise auf dem Radweg in der Wörthstraße unterwegs ist, weiß, dass hier fast ständig mit Behinderungen zu rechnen ist.

Radeln in Fulda: Stress oder Spaß?

Für die Tatsache, dass nur circa sechs Prozent der Wege in Fulda mit dem Rad zurückgelegt werden, sind aber andere Fragen der Umfrage, die im weiteren Sinne das „Fahrradklima“ der Stadt ansprechen, noch ausschlaggebender. So fanden die meisten Fuldaerinnen und Fuldaer, dass Radelnde in Fulda als Verkehrsteilnehmende nicht wirklich ernstgenommen werden (4,1). Der

Der Lenker und vordere Teil eines fahrenden Fahrrads von oben aufgenommen; die linke Hand der Fahrerin und ihr rechter Fuß sind sichtbar.

Mit dem Sicherheitsgefühl der Fuldaer Radlerinnen und Radler ist es weniger gut bestellt.

Aussage, dass in Fulda alle Fahrrad fahren, „egal ob alt oder jung“, stimmten nur 23 der 140 Befragten mit den zwei höchsten Werten zu. Eine Mehrheit der Teilnehmenden sah außerdem Radfahren in der lokalen Presse hauptsächlich negativ in Verbindung mit Unfällen oder dem Fehlverhalten von Radlerinnen und Radlern dargestellt. Besonders bedenklich ist, dass zwei Fragen mit einem Fokus auf Sicherheit beim Radfahren mit Werten von jeweils 4,4 besonders niedrig sind (subjektives Sicherheitsgefühl und sicheres Fahren für Alte und Junge auf Radwegen und Radfahrstreifen). Sehr große Zustimmung gab es demgemäß auch für die Aussage, dass man in Fulda „auf der Fahrbahn bedrängt und behindert“ wird (4,2).

Bei der Gretchenfrage, ob Radfahren in Fulda sich eher nach Spaß oder eher nach Stress anfühlt, waren die Antworten besonders gespalten, was den mittleren Wert 3,5 ergab. Hier balancierte aber eine Spitze von 17 Personen, die den höchsten Wert für „Spaß“ angaben, auch eine große Zahl von negativen Bewertungen aus. Dies lässt sich möglicherweise so interpretieren, dass diejenigen, die in Fulda trotz aller Widrigkeiten Rad fahren, erstens sehr erfahrene Radfahrerinnen und Radfahrer sind, die aber auch wirklich Spaß am Fahrradfahren haben müssen.

Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch …?

Das traurige Abschneiden von Fulda ist zunächst einmal: traurig. Vor allem, weil es zeigt, wie sehr in Fulda Gefährdungen und Behinderungen den Alltag von Radelnden bestimmen. Gleichzeitig ist dies aber auch eine Chance für Fulda. Der Fahrradklimatest misst nämlich insbesondere auch, wie sehr sich Städte um Verbesserung bemüht haben. Vielleicht schneidet Fulda ja beim nächsten Mal viel besser ab?

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