Von welchen, die auszogen, das AST zu benutzen | Teil 2

Wir hatten zu fünft eine Kunstausstellung in Istergiesel besucht, wo wir mit dem Anrufsammeltaxi hingefahren waren, und wollten nun zum Abschluss unseres Ausflugs in Kämmerzell einkehren. Doch beim Bestellen des Anrufsammeltaxis erhielten wir die verblüffende Antwort, es gebe keine Anrufsammeltaxis für fünf Personen. Erst nach einigem Hin und Her kam dann der erlösende, aber nicht begeistert klingende Vorschlag, zwei Taxis zu schicken. Also alles gar kein Problem.

Ein Problem entstand erst, als der Fahrer sich anschickte, die Unterlagen auszufüllen, die für die Dokumentation von jeder einzelnen Fahrt im Anrufsammeltaxis notwendig sind, weil der Service durch Bezuschussung durch das Verkehrsunternehmen finanziert wird. „Der Fahrschein hat keine Nummer“, so der Taxifahrer. „Ich brauche eine Nummer.“ Als wir darauf hinwiesen, dass nicht wir, sondern er wissen müsse, was jetzt zu tun sei, und dass wir den Fahrschein ja ganz korrekt am Automaten gezogen hatten, betonte er, dass er schon über zehn Jahre Taxi fahre. Nach einigem Hin und Her trug er dann die auf der Karte ausgedruckte Haltestellennummer in seine Unterlagen ein und fuhr los.

Eigentlich war das Taxi auf dem Weg zum Fuldaer Busbahnhof, wo die Taxis fahrplanmäßig immer halten, auch wenn sie nicht eigens bestellt werden. Da wir ja immerhin bereits zu dritt im Taxi saßen, fragten wir, ob wir nicht auch direkt nach Kämmerzell fahren könnten. Ja, das ginge, so der Fahrer, wenn wir die Taxifahrt ganz regulär bar bezahlen würden. Auf den Hinweis, dass wir ja Anrufsammeltaxi fahren würden, lenkte er dann doch ein und sprach mit dem Kollegen des anderen Taxis, mit dem die andere Hälfte unserer Gruppe fuhr. Ergebnis: es reichte, wenn nur ein Taxi den Busbahnhof anfährt, so dass er uns dann doch direkt nach Kämmerzell chauffieren konnte. Der Fahrer wollte außerdem noch wissen, was wir denn in Kämmerzell wollten und wo wir eigentlich wohnten – eine Frage, die mir bisher im öffentlichen Nahverkehr noch nie gestellt worden ist.

Nach unserer Einkehr in Kämmerzell rundeten wir unseren Ausflug ab, indem wir einen Spaziergang nach Gläserzell machten und auf dem Weg dorthin bereits wieder die Anrufsammeltaxi-Nummer anriefen. Obwohl wir wenige Minuten zu spät waren, wurde unsere Bestellung ganz problemlos angenommen. Eines der Taxis hatte jetzt tatsächlich fünf Sitze – aber trotzdem waren zwei Taxen gekommen. Damit nicht ein Taxi leer fahren musste, teilten wir uns daher wieder auf. Beim Einsteigen funktionierte diesmal alles ganz reibungslos, aber auch jetzt wies der Fahrer wieder darauf hin, dass wir ja auch ganz regulär hätten fahren können und wir als Gruppe durch die Benutzung des Anrufsammeltaxi-Service pro Kopf nur wenig Geld sparen würden.

Unsere Bilanz: Eigentlich funktioniert der Service ganz gut und bindet Ortsteile an das Netz des öffentlichen Nahverkehrs an, wenn kein Linienbusverkehr mehr besteht. Es hilft natürlich, ein Handy zu besitzen, denn spät abends in Ortsteilen Fuldas funktionierende Münztelefone zu finden, ist kein aussichtsreiches Unterfangen.

AST-Fahren fühlt sich allerdings nicht genauso an, wie den öffentlichen Nahverkehr zu benutzen – auch wenn das der Fall sein sollte. Bei den Taxifahrern ist offenbar ständig der Gedanke präsent, dass die AST-Fahrgäste ja auch ganz regulär hätten Taxi fahren können … oder gar sollen. Und als Gruppe mit dem AST unterwegs zu sein, macht die Sache leider nicht einfacher. Statt schlicht und einfach ein Angebot des öffentlichen Nahverkehrs zu nutzen, sehen sich Fahrgäste so unter ständigem Erklärungsdruck, warum sie denn den AST-Service nutzen, statt „normal“ mit dem Taxi zu fahren.

Der AST-Service ist aber natürlich ein ganz normales Angebot des öffentlichen Nahverkehrs – und tatsächlich eine echte Alternative, wenn Buslinien im Fuldaer Stadtgebiet spätabends oder zu bestimmten Zeiten am Wochenende nicht mehr fahren. Lassen Sie sich also nicht abschrecken: AST-Fahren kann richtig Spaß machen.

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