Mobilität – mal anders gedacht

Wie schaffen wir mehr Gleichberechtigung, Lebensqualität und Nachhaltigkeit im Verkehr?

Noch werden Städte wie Fulda vom motorisierten Individualverkehr dominiert. In der Domstadt quälen sich Autos selbst im historischen Stadtkern durch enge Straßen und blockieren als „ruhender Verkehr“ knappen Raum in der Innenstadt. Wer zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist, drängt sich oft auf viel zu schmalen Bürgersteigen. Und die Kultur des Miteinanders im Verkehr ist … entwicklungsbedürftig. Dabei wird einer wachsenden Zahl von Bürgerinnen und Bürgern klar, dass es für die Energiewende mehr

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Heike Prahlow (links) und Katalin Saary gut gelaunt auf der Verkehrswende-Tagung „Platz für alle“.

braucht als ein rasches Ende fossiler Energieträger: Wir müssen auch an den Verkehr ran.

Städte, die es mit den Klimazielen ernst meinen und die nebenbei die Aufenthaltsqualität von Straßen und Plätzen erhöhen wollen, müssen sich dabei keine völlig neuen Lösungen aus den Fingern saugen. Vielerorts ist es längst gelungen, das vorherrschende Ungleichgewicht zugunsten des Automobils auszugleichen und ökologische Mobilität attraktiv zu machen. Solche Beispiele waren Thema der Mitmach-Tagung „Platz für alle“, die Verkehrswende Fulda, Regionalgruppe des VCD, in Kooperation mit dem Kreisverband Fulda des ADFC und Attac Fulda sowie der VHS der Stadt Fulda Mitte September im Kanzlerpalais veranstaltete.

Beispiel Offenburg: 20 % Radanteil an zurückgelegten Wegen

Der Abend begann mit einer Präsentation von Planerin Heike Prahlow von der Planungsgemeinschaft Verkehr Hannover zur Radverkehrsförderung der Stadt Offenburg vor einem Publikum von rund 30 Interessierten Bürgerinnen und Bürgern. In Offenburg – ein Oberzentrum im mittleren Schwarzwald, das mit seinen 60.000 Einwohnerinnen und Einwohnern mit Fulda durchaus vergleichbar ist – werden sage und schreibe rund 20 Prozent der täglichen Wege mit dem Rad zurückgelegt. Und ja: Einerseits ist das heutige Ergebnis Resultat fast vierzigjähriger systematischer Fahrradförderung, mit der bereits 1979 begonnen wurde. Andererseits gewann die Stadt schon 1987 – also weniger als zehn Jahre nach Beginn der Förderung – bereits einen Preis als fahrradfreundlichste Stadt in Baden-Württemberg und wurde auch später immer wieder für sein gutes Fahrradklima ausgezeichnet.

Schlüssel für den Erfolg ist dabei, dass nicht nur die Infrastruktur entwickelt wurde, sondern auch Serviceleistungen und Kampagnen für Verkehrssicherheit und ein gutes Miteinander Hand in Hand gingen. Hinzu kommt, dass städtische Radverkehrsförderung in Baden-Württemberg auch durch landesweite Maßnahmen ergänzt und unterstützt wird. All das wird damit abgerundet, dass nicht ins Blaue hinein gefördert, sondern die Wirkung der Fördermaßnahmen immer wieder überprüft werden.

„Na ja, ich fahr‘ da jetzt halt …“

Heike Prahlow betonte dabei die positive Grundeinstellung der Offenburger zum Radfahren. Auch heute sei „die Wegeinfrastruktur nicht auf dem Stand, auf dem man sie haben möchte“, auch weil das vorhandene Radwegenetz mittlerweile veraltet ist. „Die Massen von Radfahrern können darüber vielfach nicht mehr abgewickelt werden.“ Doch es herrsche einfach die Einstellung vor, „Na ja, der Radweg ist zu schmal, aber ich fahre da jetzt halt.“

In der zweiten Präsentation lud Katalin Saary die Anwesenden mit ein paar Zahlen ein, Mobilität noch einmal grundsätzlicher zu überdenken. So sind fast die Hälfte aller täglich zurückgelegten Wege kürzer als drei Kilometer – also die Distanz, auf der das Fahrrad unschlagbar schnell ist, doch tatsächlich werden 40 Prozent dieser Wege werden mit dem Auto zurückgelegt. Und während rund 60 Prozent täglich mindestens einmal einen reinen Fußweg zurücklegen und über 20 Prozent täglich mit dem Rad unterwegs sind, beklagen 30 Prozent schlechte Bürgersteige oder Radwege.

Straßen – für Menschen, oder für Blechkisten?

Auf welchen Straßen sich Leute, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, gern aufhalten, hatte Katalin Saary vorher mit Bildern illustriert: Straßen mit Platz zum Verweilen und Ausruhen, zum Spielen und Gucken. Tatsächlich wird auf vielen Straßen aber wie selbstverständlich dem motorisierten Verkehr Vorrang eingeräumt. Saary veranschaulichte dies mit einem Bild des ersten Rings in Wiesbaden – sechsspurig, mit an den Rand gedrängten Fußgängern, die Mühe haben, die Straße zu überqueren. Oder die Durchfahrtsstraße aus dem kleinen Ort Rudersberg, auf der vor ihrer Umgestaltung nicht nur täglich 11.000 Kfz durch den Ort fuhren, sondern wo ein großer Teil des Bürgersteigs auch noch für das Parken reserviert war.

Beispiele aus Fulda wären die vierspurige Leipziger Straße mit ihren unterdimensionierten Fuß- und Radstreifen, wo zusätzlich Parkstreifen Platz fürs Radfahren und Zu-Fuß-Gehen blockieren. Anders aber ähnlich verhält es sich in Straßen wie der Heinrich-, Linden- und Rabanusstraße, die trotz ihrer Innenstadtlage wegen des relativ hohen Durchfahrtsverkehrs kaum zum Verweilen einladen. Irrwitzig auch die Friedrichstraße, wo der Großteil des Platzes den Parkplätzen und der Fahrbahn gewidmet ist, obwohl gerade hier die Bürgersteige weitaus mehr Personen befördern als die durchfahrenden Autos.

Platz teilen statt addieren

Wenn man nun den empfohlenen Platz für alle Verkehrsarten zusammenrechnet, so Saary, dann kommt man auf Straßenbreiten, die kaum eine Stadt zur Verfügung hat: „So viel Platz gibt es nicht, dass alle alles bekommen, was sie gern hätten.“ Die innovativste Lösung, die Saary für dieses Problem vorstellte, sind die Begegnungszonen – die deutsche Übersetzung für den englischen Begriff „Shared Space“, geteilter Platz. Das Prinzip dahinter ist einfach: Alle Verkehrsarten teilen sich den Raum und keine ist bevorrechtigt. Klar, dass das nur bei niedrigen Geschwindigkeiten und gut gestaltetem Raum möglich ist – besonders, weil es in der deutschen Straßenverkehrsordnung noch keine eigene Kategorie für Begegnungszonen gibt.

Teilnehmende der Abschlussrunde lauschen den präsentierten Vorschlägen zu Radverkehrsförderung und Vorschlägen für alternative Stadtraumgestaltung in Fulda.

Aber auch für Durchfahrtsstraßen mit hohem Aufkommen an motorisiertem Verkehr hat Katalin Saary eine Lösung parat, wie sie in Rudersberg umgesetzt wurde. Hier wurde die Straße stark verengt und der Raum für Zu-Fuß-Gehende ausgeweitet. Das Ergebnis erstaunt in zweierlei Hinsicht. Zum einen wird die Straße jetzt nur noch von 8.000, nicht mehr von 11.000 Kfz passiert. Und zum andern hat die Straße so sehr an Aufenthaltsqualität gewonnen, dass plötzlich sogar wieder Außencafés öffnen. Vielleicht wäre das ein Modell für die Leipziger Straße?

Was die Vorträge für Fulda heißen könnten, diskutierten und sammelten die Teilnehmenden am Schluss in Gruppen. Anschließend vergaben alle Teilnehmenden fünf Punkte an die Vorschläge, um die populärsten Ideen zu ermitteln.

In weiteren Posts über die nächsten Wochen werden Teile der von den Teilnehmenden gesammelten Ideen und Hintergrund zu den Themen hier veröffentlicht.

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Offenes Ohr für den Radverkehr?

Rund 20 Teilnehmende waren der Einladung der Stadt Fulda zu einem Dialog mit dem vielversprechenden Titel „Offenes Ohr für den Radverkehr“ gefolgt – darunter einige engagierte Mitglieder des ADFC und der Regionalgruppe des VCD Verkehrswende Fulda. Die seit Jahren erste öffentliche Veranstaltung der Stadt zum Radverkehr außerhalb der Bürgerbeteiligung im Rahmen des Verkehrsentwicklungsplans wurde von Teilnehmenden als positives Signal gewertet. Doch die konstruktive Grundstimmung konnte kaum darüber hinwegtäuschen, dass viele der zahlreichen sachverständigen Vorschläge aus dem Kreis der Anwesenden immer wieder auf den Refrain „geht nicht“, „keine Mittel“ oder „wir müssen uns an die rechtlichen Vorgaben halten“ der Vertreter von Stadtplanungs- und Ordnungsamt trafen.

Die Klimaschutzmanagerin der Stadt Fulda klebt auf Karten geschriebene Vorschläge der Teilnehmenden an die Wand.

Klimaschutzmanagerin Dorothea Hergott sammelt die Vorschläge der Teilnehmenden

Beim anschließenden Abarbeiten der von Klimaschutzmanagerin Dorothea Hergott von den Teilnehmenden auf Karten gesammelten Themen wurden zwei Dinge schnell deutlich. Erstens: Bei denen, die seit Jahren in Fulda mit dem Rad unterwegs sind, hat sich jahrelang massiver Frust angestaut. Und zweitens: Bei den meisten konkreten Beschwerden scheint hingegen keine Änderung in Sicht – mal mit besseren, mal mit schlechteren Begründungen. So antwortete Thomas Flügel vom Ordnungsamt auf die Frage, warum radfahrfreundliche Tempo-30-Zonen wieder aus Wohngebieten verschwinden würden, dass der Stadt die Hände gebunden seien: „Wir müssen uns an die rechtlichen Vorgaben halten.“ Auf Bundes-, Kreis- oder Landstraßen seien Tempo-30-Zonen eben nicht zulässig. An solchen Straßen sei eine Reduzierung auf Tempo 30 nur abschnittsweise, etwa an Schulen, Krankenhäusern oder Kindergärten, möglich.

Kein Geld, kein Personal, keine funktionierende Technik

Mehrfach boten die anwesenden Experten der Stadt eine Vielzahl von Gründen auf, warum Missstände nicht behoben werden könnten. Selbst ein simpel erscheinendes technisches Problem, in Form von Induktionsschleifen an Ampeln, die nicht auf leichte Radfahrende reagieren, scheint nicht behebbar zu sein. Eine Teilnehmerin hatte das an mehreren Stellen aufgetretene Problem mehrfach beanstandet, aber es war nicht behoben worden. Martin Thaler verwies darauf, dass die Anlagen durchaus überprüft worden seien und vermutete zur Belustigung der Anwesenden, es liege an den leichter gewordenen Fahrrädern.

Ähnlich ging es bei anderen Themen: Kein Winterdienst für Radwege? Kein Geld! Winterdienst für die regulären Straßen habe natürlich Vorrang. Weitere, für Radverkehrsverbindungen wichtige Einbahnstraßen sollten für den Radverkehr in beide Richtungen geöffnet werden? Das erfordert Begehungen – und diese erfordern wiederum Personal des Ordnungsamts, das auch so schon überlastet ist. (Was muss in Fulda auch so viel demonstriert werden?)

Radwege: Nicht breit genug, nicht einsehbar, mit gefährlichen Mängeln

Ein anderes bekanntes Übel in Fulda sind die Zahl der Radwege, die in Fulda nicht den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen entsprechen: Nicht breit genug, an Einmündungen nicht einsehbar, durch Verkehrsschilder beengt, mit schlechter Oberfläche, ohne Sicherheitsabstand zu Längsparkplätzen – um nur einige der teils gefährlichen Mängel zu benennen. Aber auch die Forderung, die Benutzungspflicht für diese Radwege aufzuheben und Markierungen, die dem Autoverkehr eine bestehende Benutzungspflicht suggerieren, zu entfernen, hielt Thomas Flügel für unrealisierbar.

Radverkehrsbezogene Themen auf ovale Moderationskarten geschrieben und an eine holzgetäfelte Wand geklebt.

Einige der von den Teilnehmenden des Dialogs „Offenes Ohr für den Radverkehr“ gesammelten Themen.

Licht am Horizont gab es allenfalls bei den Abstellplätzen. So werde geprüft, ob mehr Fahrradständer installiert werden könnten. Allerdings bleibt dahingestellt, ob ein Vorschlag wie der von Walter Rammler, Bundestagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen, einfach einige der Parkplätze am Straßenrand mit Fahrradständern zu bestücken, bei der Stadt auf Wiederhall treffen wird. Selbst im privaten Bereich, wo Bauherren bisher nur Kfz-Stellplätze zur Verfügung stellen müssen, soll sich laut Martin Thaler etwas ändern: „Es wird eine neue Regelung geben, Fahrradplätze mit zu berücksichtigen.“ Wer auf sichere Abstellplätze wie Boxen für E-Bikes im Innenstadtbereich hofft, wird aber ebenfalls enttäuscht. Thomas Flügel hält es jedenfalls für ausgeschlossen, solche Boxen irgendwo im Innenstadtbereich einzurichten.

„Da hat man in Fulda das Gefühl, zuerst kommt das Auto – und dann kommt lang, lang nichts.“

Die Veranstaltung war immer wieder vom Bemühen geprägt, miteinander ins Gespräch zu kommen, doch es gab wiederholt Punkte, wo die teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger und die Vertreter der Ämter aneinander vorbeizureden schienen. So gestand Martin Thaler einerseits ein, dass die Stadt bei „weichen Maßnahmen“ wie PR-Kampagnen fürs Rad durchaus mehr tun könne. Doch wenn man den Radverkehrsförderplan von 2009 ansehe, so der Appell des Planers, müsse man doch sehen: „Da sind wir bei den Infrastrukturmaßnahmen gar nicht so schlecht unterwegs.“ Das spiegelt sich aber wenig in den täglichen Radfahrerfahrungen der Teilnehmenden. Eine Radfahrerin formulierte, dass es darum gehe, dass die Infrastruktur Radfahrenden ermögliche, gleichberechtigt am Verkehr teilzunehmen, aber davon sei Fulda weit entfernt: „Da hat man in Fulda das Gefühl, zuerst kommt das Auto – und dann kommt lang, lang nichts.“

Trotz aller Unstimmigkeiten: Dass über den Radverkehr in Fulda mehr gesprochen werden sollte, war zumindest unter den teilnehmenden Radlerinnen und Radlern unstrittig. Steffi Karl vom ADFC erinnerte hier an den Runden Tisch Radverkehr, der schon Jahre nicht mehr zusammengetreten ist. Sie wünscht sich, dass der Runde Tisch endlich wiederbelebt wird: „Dieser konstruktive Austausch, dass man den nicht wieder einschlafen lässt.“

Weiterer Austausch ist jedenfalls schon am kommenden Freitag, 15. September, von 16-19 Uhr möglich: Auf der von Verkehrswende Fulda – Regionalgruppe des VCD veranstalteten Mitmach-Tagung „Platz für alle“. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich; alle Interessierten sind zur Teilnahme eingeladen.

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Mitmach-Tagung: Platz für Alle!

Verkehrswende Fulda – Regionalgruppe des VCD lädt am Freitag, 15. September zu Veranstaltung über innovative Nahmobilität

Der Dieselskandal, Kartellabsprachen und die Unsicherheit, wo die Rohstoffe für die automobile Elektromobilität der Zukunft überhaupt herkommen sollen, haben die Verkehrswende wieder auf die politische Tagesordnung gesetzt. Doch es mangelt immer noch an positiven Ideen dazu, wie eine nachhaltige, saubere Mobilität der Zukunft und der dazu passende städtische Raum aussehen könnten.

Eine Radfahrerin fährt die belebte, mit Bäumen bestandende Fußgängerzone in Fuldas Bahnhofstraße hinunter. Im Vordergrund ist der in das Foto eingefügte Text "Platz für alle" zu lesen.

Wie schaffen wir nachhaltige Mobilität und verbessern zugleich die Aufenthaltsqualität städtischer Räume?

Verkehrswende Fulda, Regionalgruppe des Verkehrsclub Deutschland (VCD), lädt deshalb in Kooperation mit dem ADFC Kreisverband Fulda und Attac Fulda am Freitag, 15. September, von 16-19 Uhr in den Wohlhauptersaal des Kanzlerpalais, Unterm Heilig Kreuz 1, Fulda, zu einer kleinen Mitmachtagung mit dem Titel „Platz für alle“. Der Nachmittag wird mit zwei kurzen Präsentationen der Planerinnen Heike Prahlow, Hannover, und Katalin Saary, Darmstadt, beginnen, die über gelungene Radverkehrsförderung am Beispiel der Stadt Offenburg und innovative Konzepte im Bereich der Nahmobilität berichten werden. Dabei geht es nicht nur darum, wie Menschen von A nach B kommen, sondern auch darum, die Aufenthaltsqualität von Straßen und Plätzen zu verbessern.

Angeleitet von den Expertinnen werden die Teilnehmenden sich dann in Kleingruppen darüber austauschen, wie Ideen aus den Präsentationen konkret vor Ort in Fulda umgesetzt werden könnten. Zum Abschluss sollen die populärsten Vorschläge ermittelt werden. Wer möchte, kann sich dann auf den nächsten regulären Treffen der lokalen VCD-Gruppe daran beteiligen, sich für deren Umsetzung zu engagieren.

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In eigener Sache

Zwei Fußgängerinnen schlendern durch den oberen Teil der Bahnhofstraße.

Sommerliche Bahnhofstraße …

Es ist soweit: die Bürgerinitiative Verkehrswende Fulda besteht weiter, aber jetzt als Regionalgruppe des Verkehrsclub Deutschland (VCD). Damit vernetzen wir uns mit einer größeren Community engagierter Bürgerinnen und Bürger, die unsere Ziele teilen, und werden in Zukunft von der bereits beim VCD vorhandenen Expertise und dessen Ressourcen unterstützt.

Unser nächstes Treffen am Dienstag, 29. August, um 19.30 Uhr im Haus Oranien am Heinrich-von-Bibra-Platz 14 A wird damit das erste Treffen als VCD-Regionalgruppe sein. Den Namen Verkehrswende Fulda werden wir aber nicht ablegen, sondern in Zukunft als Verkehrswende Fulda – Regionalgruppe des Verkehrslub Deutschland firmieren. Da wir mit der Angliederung an den VCD kein eigener Verein werden, entsteht für uns kein vereinstypischer Mehraufwand oder zusätzliche Formalia.

Auf dem kommenden Treffen werden wir sicher auch über unsere bevorstehende Tagung „Platz für alle – Eine Mitmachtagung“ am Freitag, 15. September, von 16-19 Uhr im Kanzlerpalais sprechen. Außerdem werden wir überlegen, ob wir am Samstag, 16. September, am Parking Day teilnehmen werden.

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Was ist uns die Innenstadt wert?

Öffentlichkeitsbeteiligung an Verkehrsentwicklung ist angelaufen

Am Freitag, direkt nach der Stadtradeln-Preisverleihung durch Klimamanagerin Bianca Heinzen und Stadtbaurat Daniel Schreiner, fiel der Startschuss für den Bürgerbeteiligungsprozess im Rahmen der neuen Verkehrsentwicklungs- und Nahverkehrspläne für die Stadt Fulda, in denen langfristige Ziele und Strategien für die Verkehrsentwicklung festgelegt werden sollen. Um die 60 Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung der Stadt Fulda ins Stadtschloss gefolgt, um moderiert durch die beteiligten Planungsbüros an drei Thementischen Anregungen, Frust und Wünsche zur Mobilität in Fulda zu hinterlassen.

Die erste von drei Die erste von drei Bürgerbeteiligungsveranstaltungen begann mit der Präsentation des traurigen Fuldaer Ist-Standes durch Dr. Frank Ließke von der Technischen Universität Dresden, der dort für das Forschungsprojekt Mobilität in Städten Daten sammelt und auswe

Ein Gruppenbild mit einigen Teilnehmenden des Stadtradelns der Stadt Fulda.

Nach der Preisverleihung gab’s ein Gruppenbild mit allen anwesenden Teilnehmenden des Stadtradelns.

rtet. So wird in Fulda zwar „nur“ jeder zweite Weg mit dem Auto zurückgelegt – aber dafür 80 Prozent der zurückgelegten Kilometer. Und während Fulda aufgrund seiner kompakten Innenstadt etwas mehr Fußverkehr verzeichnen kann als andere vergleichbare Städte, sind Fuldaer weniger oft mit dem Rad und den Bus und häufiger mit dem Auto unterwegs als anderswo. Fast 60 Prozent der Fuldaer kaufen beispielsweise mit dem Auto ein. „Das könnte für Fulda ein Ansatzpunkt sein“, so der Kommentar des Verkehrswissenschaftlers.

„Man kommt nachts nicht mehr heim.“

Für den Beteiligungsprozess selbst baten die moderierenden Mitglieder der Planungsbüros die Anwesenden an drei Thementische mit den Schwerpunkten Fuß- und Radverkehr, Öffentlicher Nahverkehr und motorisierter Individualverkehr. Diplom-Ingenieur Christian Bexen, der selbst täglich 40 Kilometer mit seinem E-Bike zurücklegt, betonte dabei einleitend, dass die Büros die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern als Bereicherung ansehen: „Sie sind jeden Tag unterwegs – deswegen sind Sie unsere Experten.“

Poster der Osnabrücker Kampagne zum Umsteigen aufs Fahrrad mit Titeln wie "Du willst die Welt retten? Fang schon mal an und fahr Rad!" oder "Flirten geht nicht im Mamataxi. Fahr lieber Rad!"

Osnabrück wirbt mit lustigen Sprüchen fürs Umsatteln.

An den Thementischen selbst überschlugen sich die Teilnehmenden mit Kommentaren und Vorschlägen und waren sich bei der Problembeschreibung oft einig. Konsens in punkto öffentlicher Nahverkehr war beispielsweise, dass die Busse zu selten fahren, zeitsparendes Umsteigen oft nicht möglich ist und die Zeiten, in denen die Busse im engeren Takt oder schlicht überhaupt fahren, zu knapp bemessen sind. „Man kommt nachts nicht mehr heim“, so ein Teilnehmer. Die Lösungsvorschläge reichten vom 15-Minuten-Takt zu ausgeweiteten Bedienzeiten, Busspuren in der Innenstadt, Jobtickets für Hochschule und Klinik bei an den Bedarf der Bediensteten angepasstem Service bis zur Forderung, dass das Anruf-Sammeltaxi sich nicht nach den Haltestellen der Schwachlastzeiten richten solle.

Radwege ohne Radfahrer

„Was ist einem die Innenstadt wert?“ hatte Christian Bexen in seinen einleitenden Worten gefragt. Gerade dazu wurde beim Kfz-Thementisch dann auch einmal kontrovers diskutiert. Ist es sinnvoll, grüne Wellen einzurichten und so noch mehr Autofahrende zu verleiten, mal schnell durch die Fuldaer Innenstadt zu fahren – oder wäre es nicht eigentlich sinnvoller, weite Teile der Innenstadt für die nicht-motorisierte Mobilität zu reservieren? Hier wurde immer wieder thematisiert, wie viel wertvollen Platz parkende Autos gerade dort blockieren, wo die Stadt am attraktivsten ist. So forderte eine Teilnehmerin, die Zahl der Parkplätze an Innenstadtstraßen zu reduzieren und das Parken auf die Parkhäuser zu begrenzen.

Der Radverkehrsthementisch umstanden von Teilnehmenden mit den Kevin Hillen als Protokollant und Merja Spott als Moderatorin.

Kevin Hillen von der Planersocietät Dortmund kam beim von Merja Hillen moderierten Thementisch Fuß- und Radverkehr kaum beim Protokollieren der Missstände nach.

Planer Bexen hatte eingangs formuliert, „In Fulda gibt es zwar einige Radwege, aber es fehlen die Radfahrer.“ Daher wunderte es nicht, dass sich besonders großer Leidensdruck am Thementisch zum Fuß- und Radverkehr äußerte, an dem sich besonders radfahrende Bürgerinnen und Bürger in ihren Klagen überboten: „In Fulda gibt es zwar einige Radwege, aber es fehlen die Radler.“ „Es ist viel gemacht worden, aber ein Konzept kann ich nicht erkennen“, „Linksabbiegen für Radfahrer kommt nicht vor“, „Ich hab‘ noch keinen Radweg in Fulda erlebt, der durchgängig geht“, „Radwege lösen sich einfach in Luft auf“, „Es fehlen gute Verbindungslinien“, „Der grüne Pfeil ist lebensgefährlich für Radler“ und vieles mehr war da zu hören.

Stiefkinder der Verkehrsplaner

Aber auch, wer zu Fuß unterwegs ist, fühlt sich in Fulda oft als Stiefkind der Verkehrsplaner: Grün-Phasen an Ampeln lassen langsameren Menschen nicht genug Zeit, die Straße in einem Rutsch zu queren, und Straßen wie die Dalberg- und Leipziger Straße sind streckenweise kaum zu queren. Hinzu kommt, dass Leuten, die zu Fuß unterwegs sind, an Baustellen, aber manchmal auch andernorts immer wieder größere Umwege zugemutet werden.

Mit der Auftaktveranstaltung am Freitag war der Beteiligungsprozess noch nicht zuende. Am folgenden Samstag fand eine Planungsradtour statt, bei der Bürgerinnen und Bürger konkrete Orte der Stadt direkt diskutieren konnten. Über einzelne Stationen der Planungsradtour werden wir in weiteren Beiträgen noch berichten. Zugleich wurde bis zum 30. November eine Online-Plattform eingerichtet, auf der Fuldaerinnen und Fuldaer unter http://www.buergerbeteiligung.de/vepfulda Vorschläge und Kommentare in eine Karte eintragen können. Anschließend ist noch eine weitere Bürgerbeteiligungsveranstaltung geplant.

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Stadt lädt Bürgerinnen & Bürger zur Beteiligung

Am Freitag, 7. Oktober, lädt die Stadt zum Auftakt der Bürgerbeteiligung bei der Verkehrsentwicklung

Nach Ende der Stadtradeln-Preisverleihung an Fuldaer Radelnde um 15 Uhr im Fürstensaal geht’s los: Die Meinung Fuldaer Bürgerinnen und Bürger zur Verkehrsentwicklung ist gefragt, so jedenfalls das Signal der Stadt. Nach dem Auftakt der Beteiligung im Fürstensaal um 16 Uhr verteilen sich die Teilnehmenden dann im Grünen Zimmer und Gobelinzimmer auf verschiedene Thementische. Das Ende wird für 19.15 Uhr anvisiert. Eine Planungsradtour von 13-15 Uhr ab Domplatz am nächsten Tag setzt die Beteiligung fort.

Körniges Foto einer Tempo-30-Markierung auf der Straße.

Was wird der Beteiligungsprozess bringen? Mehr oder weniger Blech?

Bei dem Projekt geht es um die Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplans und des Nahverkehrsplans. Organisiert wird die Auftaktveranstaltung für die Bürgerbeteiligung von den vier von der Stadt beauftragten Planungsbüros: Planersocietät aus Dortmund, Gertz Gutsche Rümenapp aus Hamburg, die für den Verkehrsentwicklungsplan zuständig sind, sowie R+T Verkehrsplanung und Zentrum für integrierte Verkehrssysteme GmbH aus Darmstadt, die sich um den Nahverkehrsplan kümmern.

Auf zur Radtour mit den Planer(inne?)n

Am nächsten Tag können sich Interessierte Samstagmittag um 13 Uhr am Domplatz – der vertrauten Abfahrtsstelle der Fuldaer Critical Mass – mit Vertretern der Stadt sowie Mitgliedern der Büros Planersocietät und Gertz Gutsche Rümenapp  aufs Rad schwingen und an einer Planungsradtour teilnehmen. Hierfür wird um eine Anmeldung gebeten: spott[&]planersocietaet.de.

Foto mit einer Gruppe Radelnder von hinten auf der Fuldaer Bardostraße.

Fast wie bei Critical Mass jeden letzten Dienstag im Monat: Die Planungsradtour startet zentral am Domplatz.

Beide Termine werden nicht die letzten Beteiligungstermine sein, sondern bilden den Beginn eines längeren Beteiligungsprozesses, für den auch ein Online-Dialog geplant ist. Die Stadt Fulda steht mit derartigem nicht allein, denn Beteiligung ist hip. Selbst das Bundesverkehrsministerium beteiligte Bürgerinnen und Bürger beispielsweise am Bundesverkehrswegeplan. Doch angesehene Umweltverbände wie der BUND kritisierten, dass keiner der Alternativvorschläge von Bürgerinnen und Bürgern tatsächlich ernsthaft geprüft worden waren, und sehen Beteiligungsrechte verletzt.

Gehen wir optimistisch in den Prozess und hoffen, das dies in Fulda anders sein wird und Beteiligung nicht nur dem Zweck dient, Bürgerinnen und Bürger ruhigzustellen.

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Warum eine kaputte Zylinderkopf-Dichtung das Beste war, was mir 2016 passieren konnte

Von Thomas Rehm

Als mein Automechaniker im Frühjahr an meinem alten Opel-Corsa eine kaputte Zylinderkopf-Dichtung diagnostizierte, stand ich plötzlich ohne Auto da. So war ich gezwungen, die insgesamt 36 Kilometer zu meinem Arbeitsplatz mit dem Rad zu bewältigen.

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Manchmal kostet es Überwindung, sich früh morgens aufs Rad zu schwingen.

Deshalb kam mein gewohnter Tagesrhythmus total durcheinander. Dies bedeutete für mich konkret, morgens eine Stunde früher aufzustehen und mich dann auf den beschwerlichen Weg mit meist leichtem Anstieg und Gegenwind zu begeben. Völlig schweißdurchnässt und außer Atem erreichte ich meinen Arbeitsplatz nach etwas über einer Stunde. Die Rückfahrt verlief dann immer sehr entspannt, doch abends fiel ich stets schon um 20.30 Uhr todmüde ins Bett.

Gegenwind in klammer Dämmerung

Die Hemmschwelle, mich dann jeden Morgen in der klammen Dämmerung – vor allem bei starkem Gegenwind oder Regen – auf den beschwerlichen Weg zu machen, war enorm. Weil meine Arbeitskollegen wegen meines, milde ausgedrückt, sehr scharfen Schweißgeruchs sehr litten, war ich gezwungen, mich nach meiner Ankunft in der Firma komplett zu waschen und auch meine schweißtriefenden Klamotten zu wechseln. Doch peu à peu, nach schon 14 Tagen, verwandelte sich mein Leidensdruck in einen wahren Segen.

Bild eines Fahrrads beim Fahren; eine Hand am Lenker und ein Fuß auf der Pedale sind sichtbar.

Mit Radfahren sein Leben ändern.

Irgendwie war ich den ganzen Arbeitstag über beschwingter und energetischer als meine Kollegen, ohne wie diese immer wieder den Weg zum Kaffeeautomaten suchen zu müssen. Bei kleinen Tagestiefs griffen meine mitgebrachten grünen Smoothies viel direkter als früher. Extrem erfreulich war schon nach kurzer Zeit der allmorgendliche Blick auf meine Waage. Meine Rettungsringe, die ich schon seit Jahren erfolglos mit täglichem Yoga und mit vegetarischer Ernährung mit Tendenz zur veganen Rohkost bekämpfe, schmolzen tatsächlich endlich dahin wie Schnee in der Frühlingssonne!

Energie durch Radfahren

Nach knapp drei Monaten wiege ich nun statt 94 nur noch 86 kg, und ich genieße die 8 kg weniger vor allem bei körperlicher Arbeit, die ich viel fixer und lustvoller als früher verrichte. Wenn bei großer Hitze meine Kollegen auf dem Zahnfleisch gehen, wundere ich mich selbst über meine Leichtigkeit. Auch mein wirklich übler Schweißgeruch ist nun verschwunden, weil ich jetzt anscheinend entgiftet und entschlackt bin. Mit großer Genugtuung genieße ich meinen tiefen und freien Atem und meine robustere Konstitution. Die täglichen Radtouren durch die Natur sind jetzt die Höhepunkte des Tages geworden.

Oft muss ich  daran denken, wie mir meine Mutter in meiner Kindheit beim einschlafen etwas vorlas. An eine Episode aus einem Sachbuch über die Völker der Welt kann ich mich noch ganz besonders gut erinnern. Als die Sprache auf die Chinesen kam, sagte meine Mutter zu mir: „Und schau, Thomas. Die armen Chinesen haben keine tollen Autos wie wir und müssen alle mit dem Fahrrad fahren. Sei froh darüber, dass du nicht in China geboren worden bist!“

Jetzt auch ein „armer Chinese“

Beim letzten Weihnachtsfest in Kreise der wohlhabenderen Familie meines Bruders, fast allesamt Fahrer PS-starker Karossen, erzählte ich von meiner neuen Leidenschaft, dem täglichen Fahrradfahren auf größeren Distanzen, und dass sich seitdem meine Lebensqualität ganz erheblich verbessert hat.

Schatten eines Radfahrenden im Grünen.

Ein „armer Chinese“ im Einklang mit der Natur.

Ich schloss mit dem Satz, „Ich fühle mich jetzt pudelwohl, habe fast Idealgewicht, und ich ruhe jetzt viel mehr als früher in mir selbst – ganz wie die ‚armen, armen Chinesen‘ früher, die auch durch das Fahrradfahren bis ins hohe Alter gesund und leistungsfähig blieben.“ Beim Blick in die Runde kam ich mir wesentlich vitaler und zufriedener vor als die meisten meiner lieben Verwandten, obwohl ich im Gegensatz zu ihnen in unserem Land zu den Geringverdienern zähle.

Die tägliche Zeit auf meinem Fahrrad ist zu einer großen Quelle der Inspiration für mich geworden. Sorgen und Probleme verlieren ihre Eindringlichkeit, und oft eröffnen sich wie von selbst neue Lösungswege durch die reinigende und vitalisierende Konfrontation mit den Naturgewalten. Es wäre schön, wenn meine kleine Hommage an das regelmäßige Fahrradfahren andere Menschen inspiriert, für sich das Fortbewegungsmittel Fahrrad – auch aus ökologischen Gründen – neu zu entdecken und sich nicht von anfänglichen Widerständen entmutigen zu lassen!

 

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Stadt spielend neu denken!

Verkehrswende traf sich zu Spiel und Austausch in der Bahnhofstraße

Ein Junge spielt Ringewerfen.

Übung macht den Meister …

Manche Passanten mussten scharf hingucken: Nein, da wurde nicht quer über die Rabanusstraße Federball gespielt – es war nur Pantomime, die darauf aufmerksam machte, dass die Fußgängerzone in der Bahnhofstraße immer wieder durch Verkehrsschneisen unterbrochen wird. Anders als in vielen Städten gibt es in Fulda kein entspanntes, ungehindertes Schlender in der Fußgängerzone, den es müssen immer wieder Straßen überquert und Lichtsignale abgewartet werden.

Daher trafen sich Mitglieder und Freunde von Verkehrswende Fulda am vergangenen Samstag, um mit Spiel und Spaß in der Fußgängerzone dazu anzuregen, die Innenstadt einmal ganz neu zu denken. „Wir tun doch nix – wir spielen nur!“ wurde per Kreide angekündigt – und dann ging’s los mit Ringewerfen, Seilspringen, Balancespielen und vielem mehr.

Eine Frau spielt gekonnt mit einem Hoola-Hoop.

Die Aktion bot Raum für Spiel, Bewegung und Austausch.

Wer sich interessierte, konnte ins Gespräch kommen. Zum Beispiel über Ideen, endlich eine zusammenhängende Fußgängerzone in der Bahnhofstraße zu schaffen, ohne Unterbrechung durch Fußgängerampeln. Über ein Innenstadtkonzept, dass Menschen und nicht parkendem Blech Vorrang einräumt. Und über durchgängig in beide Richtungen radfahrdurchlässige Einbahnstraßen in der gesamten Innenstadt. Sowie natürlich eine wirklich gut mit Bussen versorgte Innenstadt und ein tatsächlich attraktives Nahverkehrsnetz.

In diesem Sinn war das Spieltreffen ein kleiner Vorgriff – auf die Innenstadt, wie sie sein wird, wenn das, was Menschen kreativ miteinander machen können, mehr Raum bekommt als die Obsession mit dem Parkplatz direkt vorm Laden.

Der Flyer mit den Forderungen der Aktion Stadt Spielend Neu Denken

Priorität für Menschen, nicht Blech.

 

 

 

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Zu Fuß in Fulda? Pech!

Baustelle blockiert Fußweg an der Stelle, an der auf der Wörthstraße direkt am Kreisverkehr an der Magdeburger Straße über die Fußgängerfurt gequert werden soll.

Um auf die Querung via Furth zu warten, müssen Fußgängerinnen und Fußgänger hier schon auf der Straße stehen.

Baustellen blockieren Fußwege oft komplett

Für den Autoverkehr ist in Fulda Platz. Vierspurige Straßen zerschneiden Wohngebiete, die historische Innenstadt ist fast komplett mit Benzinern zu befahren, und auf einigen Radwegen und Schutzstreifen kann sogar ohne jede Störung regelwidrig geparkt und gehalten werden. Wer dagegen auch einmal das schützende Auto verlässt und das Pech hat, zu Fuß an einer Baustelle vorbeizukommen, muss allzu oft gewärtigen, die Straße wechseln oder an gefährlichen Stellen auf der Straße oder gar auf Radstreifen laufen zu müssen.

Eine Baustellenabsperrung an der Ecke Wörthstraße/Leipziger Straße blockiert den Fußweg an der vierspurigen Straße komplett.

Wer hier weiter die Leipziger hoch musste, hatte erst drei Ampeln zu queren.

So wurden im Februar Ecke Leipziger Straße/Wörthstraße Kabel verlegt und der Fußweg auf der Ostseite der Leipziger Straße komplett gesperrt. Für Passanten, deren Ziel auf derselben Straßenseite lag, hieß das: entweder drei Ampeln überqueren oder an einer unübersichtlichen Ecke einer besonders stark befahrenden Kreuzung auf der Straße laufen zu müssen. Einziger Lichtblick: nach ein paar Tagen war die Baustelle wieder verschwunden.

Die Fuldaer Lösung: Fußweg auf dem Schutzstreifen für Radelnde

Das lässt sich von anderen Fuldaer Baustellen leider nicht sagen. An der Dalbergstraße müssen Fußgänger schon seit längerem auf dem Schutzstreifen für Radfahrer laufen – natürlich ohne, dass Radfahrende sicher auf die Straße geleitet werden würden. Diese elegante Lösung, die sich auch wieder an einer gefährlichen Straße befindet, die sich zu Fuß nicht gerade mir nichts, dir nichts überqueren lässt, wird uns voraussichtlich noch richtig lange erhalten bleiben.

Eine Baustelle grenzt über den Fußweg inweg direkt an den Radweg an; links vom Radweg befindet sich die vierspurige Dalbergstraße.

Super Lösung: Zu Fuß auf dem Schutzstreifen für Radelnde an der Dalbergstraße!

Ähnlich sieht es mit der Baustelle am neuen Kreisverkehr an der Magdeburger Straße aus. Hier drückt immerhin ein Schild deutlich aus, dass Fußgänger die andere Straßenseite benutzen sollen, und eine Furt erleichtert einigermaßen sicheres Queren. Dumm ist nur, dass an der Stelle, von wo aus die Furt gequert werden sollte, eben die eingegitterte Baustelle befindet.

Wer zu Fuß geht, muss ja Zeit haben!

An allen erwähnten Baustellen findet sich dasselbe Muster: von denen, die zu Fuß unterwegs sind, wird ganz selbstverständlich verlangt, dass sie die Straßenseite queren und teils größere Umwege oder längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Damit der Autoverkehr auch ja nicht behindert wird, kommt in Fulda jedenfalls niemand auf die Idee, an Baustellen einen Teil der Straße für sicheren und komfortablen Fußverkehr sicher abzutrennen.

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Wie geht’s weiter?

Ergebnisse der Ideenbaustelle werden besprochen

Von der essbaren Stadt über mehr Fußgängerzonen bis zur Seilbahn nach Aschenberg – Bürgerinnen und Bürger aus Fulda und Umgebung sammelten im Rahmen der Einergiesparwoche unterschiedlichste Ideen für eine nachhaltige Innenstadt. Auf dem Verkehrswende Treffen am Dienstag, 25. Januar, um 20 Uhr in der Friedrichstraße 22 wird auf einem ersten Treffen besprochen, was mit den Ideen geschehen soll.

BahnhofstrasseFussgaengerzone

Mini-Ausschnitt aus einer „Tischdecke“ der Ideenbaustelle.

Schneeregen sorgte am ersten Adventswochenende 2015 für unwirtliches Klima draußen, als sich Menschen aus Fulda und Umgebung im Umweltzentrum zusammenfanden, um Ideen für eine nachhaltige, mitmenschliche Mobilität in der Fuldaer Innenstadt zu sammeln. Nach einer kurzen Eröffnung ließen sich die Teilnehmenden zunächst von dem Dokumentarfilm The Human Scale über Konzepte einer am „menschlichen Maß“ des Filmtitels ausgerichteten Stadtplanung des Architekturbüros von Jan Gehl inspirieren.

Gestärkt von Kaffee und Kuchen ging es dann direkt in die Ideenbaustelle, in der sich wechselnde Gruppen zu den Aspekten Lebensqualität, Nachhaltigkeit, Inklusion und menschliche Interaktion an Tischen zusammenfanden und ihre Ideen direkt auf die ausliegenden Papiertischdecken notierten. Wer wollte, konnte die Ideen anderer kommentieren, und zum Abschluss wurden die Ideen kurz geteilt und besprochen.

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