Fuldaer Radelnde protestieren mit Tausenden vor der IAA

Auch Fulda war vertreten auf der großen #aussteigen-Demo und Sternfahrt!

Fulda | 18.09.2019. In Fulda fing die Demo #umdenken/umlenken – für eine Verkehrswende in Stadt und Land von Verkehrswende Fulda – Regionalgruppe des VCD morgens am Uniplatz am 13. September ganz klein mit 20 Teilnehmenden an. Mit guter Stimmung und einem Sack Äpfel im Gepäck, die uns Knut Heiland von Bündnis 90/Grüne nach seiner Ansprache als Stärkung mit auf den Weg gegeben hatte, pedalten wir um 10.30 Uhr los – angeführt von der erfahrenen und umsichtigen Tourleiterin Steffi Karl vom ADFC. Auf unserer Kundgebung davor wurde der Bogen von der persönlichen Verantwortung für die Verkehrswende bis zur Lokalpolitik gespannt. Markus Schäfer für Fridays von Future betonte, dass die Energiewende auch eine Verkehrswende braucht. Stadtpfarrer Stefan Buß mahnte an, wie wichtig es ist, dass alle das eigene Verhalten überdenken, und Hans-Joachim Tritscher, Vorstand der SPD-Fraktion, ließ sich nicht nehmen aufzuzeien, wie wenig der neue Nahverkehrsplan der Stadt Fulda dazu geeignet ist, Menschen zum Umsteigen vom Auto zu bewegen.

Herzlicher Empfang in Schlüchtern und Gelnhausen

Marjorie Vannieu von PFF Gelnhausen spricht auf der Abschlusskundgebung von #umdenken/umlenken.

Kleine Highlights der Tour waren unser Empfang bei der unter anderem im Bereich Steuerungslösungen für Photovoltaikanlagen aktiven Firma Fronius, die Begleitung durch den Landtagsabgeordneten Markus Hofmann von Flieden nach Schlüchtern und unser Empfang in Schlüchtern und Gelnhausen. Wir danken insbesondere den örtlichen Grünen aus Schlüchtern und Günther Koch, der am nächsten Tag auch noch nach Frankfurt mitradelte, und der Gruppe von People for Future und ihrer Rednerin Marjo Vannieu sowie der BUND-Aktiven um Bodo Delhey, die besonders zahlreich erschienen waren, sowie Andreas Müller vom Kreisverband der Linken und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft.

Der Demozug wird immer größer – hier noch außerhalb des Frankfurter Stadtgebiets.

Doch der eigentliche Thrill begann erst nach der mit Schlafsack auf Isomatten verbrachten Nacht, als wir uns an die Spitze des Gelnhäuser Zugs der großen #aussteigen-Sternfahrt und -Demo nach Frankfurt setzten. Während wir am Tag zuvor immer um die 20 Mitradelnde hatten, kam die für das Zählen der neu Hinzukommenden verantwortliche Radlerin irgendwann nicht mehr hinterher. In Gelnhausen begannen wir mit 50 Teilnehmenden, von denen zwei sogar mit dem Rad aus Erfurt gekommen waren, und kamen mit über Tausend Mitradelnden an der Eissporthalle an, wo sich die Züge der Sternfahrt vereinten. Zuletzt ging es mit 17.000 anderen Radfahrenden durch Frankfurts Straßen Richtung Messegelände zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA), wo die Senckenberganlage zu einem riesigen Fahrradparkplatz geworden war.

Mit der Stoßstange ans Rad der Ordner

Versammlungsleiter Josef Liebhart von Verkehrswende Fulda (VCD), Steffi Karl und Harald Häußer-Mischlich (beide ADFC) bei der Mittagspause in Steinau.

Den Spaß und die Inspiration durch die vielen Mitradelnden trübten nur die Aggressionen mancher motorisierten Zeitgenossen. Mit der begleitenden Polizei war abgesprochen, dass das große Team von radelnden Ordnerinnen und Ordnern, die an ihren roten Leibchen zu erkennen waren, außer den ganz großen, meist von de Polizei abgesicherten Kreuzungen, die Zufahrtsstraßen zur Demoroute sichern sollten, indem sie sich vor den jeweiligen Haltelinien positionieren. Obwohl im Vorfeld davon abgeraten worden war, am Samstagvormittag überhaupt im Bereich der Demoroute mit dem Auto unterwegs zu sein, gab es im Stadtgebiet von Frankfurt immer wieder Beschimpfungen und bedrohliches Verhalten durch aggressive Autofahrende – bis hin zu an Ordner-Fahrräder stoßende Stoßstangen.

Ähnliche Erlebnisse hatten auch die Aktivist_innen, die am Sonntag Eingänge der IAA blockierten. So stieg ein Messegast, der ein kleines Kind auf dem Arm trug, über Blockierende hinweg und schlug eine ihm im Weg stehende junge Frau mit der Faust ins Gesicht. Obwohl die Blockade eher symbolischer Natur war und Messebesuchende ihren Weg durchaus zu anderen Eingängen finden konnten, kam es immer wieder zu aggressiven Ausbrüchen verhinderter Messegäste, die humorvolle Gesänge wie „Was sagt der Esel? IAA – Was sagen wir? Widerstand!“ oder – in Anspielung auf einen riesigen, vor dem Messeturm aufgestellten KIA-Werbespruch – „Klimaschutz ist das neue Haben-Wollen“ offenbar nicht lustig finden konnten.

Das könnte der Beginn der Verkehrswende sein

Sowohl die Demo mit 17.000 radfahrenden und mehreren Tausend Teilnehmenden zu Fuß als auch die Blockade der IAA durch etwa 1000 Aktivist_innen zeigt, dass es vielen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes stinkt, dass die Verkehrspolitik beim Klimaschutz hinterherhinkt und der Verkehrssektor von Jahr zu Jahr immer noch mehr statt weniger CO2 produziert. Sie zeigen auch, dass viele es nicht mehr tolerieren wollen, dass kriminelle Praktiken der Autoindustrie geduldet und Klimaziele verwässert werden, um einen mächtigen und einflussreichen Industriezweig zu schonen. Es ist klar, dass weder der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor noch das radikale Downsizing der Autoindustrie insgesamt nicht leicht werden wird. Aber dass beides passieren muss, wird jetzt öffentlich gefordert. Das könnte der Beginn der Verkehrswende sein.

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Rauf aufs Rad und mitfahren – Fahrraddemo durchs Kinzigtal!

Für klimagerechten Verkehr in zwei Tagen 112 Kilometer von Fulda nach Frankfurt!

Am 14. September treffen sich Tausende Menschen mit und ohne Rad mit einer großen Fahrradsternfahrt und Demo für klimagerechte Mobilität in Frankfurt an der IAA (Internationale Automobil-Ausstellung), an der wir auch teilnehmen werden.

Achtung – dies ist nur ein Bild und nicht die korrekte akutelle Liste, die Ihr aber durch Klicken auf das Link im Text herunterladen könnt!

Wir aus Fulda fahren allerdings schon am Freitag, 13. September, in Fulda mit dem Rad los und übernachten in Gelnhausen. Mit einer eigenen kleinen Demo möchten wir sichtbar machen, dass wir die Verkehrswende nicht nur in Großstädten wie Frankfurt, sondern auch in Mittelzentren wie Fulda und kleinen Gemeinden sowie auf dem Land brauchen. Am 14. September führen wir dann ab Gelnhausen einen Teil der Sternfahrt nach Frankfurt an.

Unsere Demo beginnt am Freitag um 10 Uhr mit einer kurzen Kundgebung, die voraussichtlich auf dem Uniplatz stattfinden wird. Dann fahren wir über Bronnzell an Eichenzell vorbei Richtung Neuhof und Flieden und dann über Schlüchtern ins Kinzigtal, wo wir über die Hauptstraßen nach Gelnhausen radeln. Weitere Kundgebungen finden in Schlüchtern an der Stadthalle, in Bad Soden-Salmünster an St. Peter und Paul und zum Abschluss in Gelnhausen auf dem Obermarkt (und nicht wie auf manchen Flyern fälschlicherweise angegeben auf dem Untermarkt) statt. In Gelnhausen übernachten wir anschließend in einem Gemeinderaum.

Ob groß oder klein, fit oder weniger fit: Wir laden alle Interessierten aus den Gemeinden unserer Demoroute ein, sich uns an den Treffpunkten mit dem Rad anzuschließen oder einfach nur zu unseren Kundgebungen vorbeizuschauen. Es wird nicht sportlich geradelt, sondern auf alle Rücksicht genommen. Die Liste mit den aktuellen Zeiten und Treffpunkten kann hier heruntergeladen werden. Und logisch: Bei einer Fahrraddemo kann es mal schneller oder mal langsamer vorwärts gehen, so dass wir an Durchfahrtspunkten auch früher oder später vorbeikommen können. Bei den Treffpunkten warten wir aber immer die offiziellen Zeiten ab, bevor es weitergeht.

14. September: Los geht’s um 9.50 an der Stadthalle Gelnhausen

Nach der Übernachtung in Gelnhausen führen wir am folgenden Samstag, dem 14. September, ab 9.55 Uhr an der Stadthalle Gelnhausen die Main-Kinzig-Route der großen #aussteigen-Demo und Sternfahrt nach Frankfurt an, bei der sich tausende Radfahrende in Frankfurt treffen und vor den Toren des Messegeländers zur Internationalen Automobilausstellung für eine klimagerechte Verkehrspolitik demonstrieren werden. Schluss mit der einseitig auf das Auto ausgerichteten Verkehrspolitik: Jetzt beginnt die Verkehrswende!

Wer kurz vor der Demo noch einmal eine Mail zu aktuellen Infos erhalten möchte, kann uns gern eine Mail über das Kontaktformular auf dieser Webseite schicken. Der für die Demo erstellte Verteiler wird nach der Demo wieder gelöscht.

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Lastenräder für Fulda – wie ist der Stand?

Fulda | 20.08.2019. Dank Eurer phänomenalen Unterstützung hatten wir durch unser Crowdfunding auf Startnext über 3000 Euro für das Lastenradprojekt eingeworben. Doch leider reichte das nicht ganz, unser Funding-Ziel von 8300 Euro einzuwerben, so dass das gespendete Geld wieder an Euch zurückgezahlt wurde.

Trotzdem geht es weiter, denn da wir mit unserem Crowdfunding an der Do-It-Yourself-Mobilitätskampagne des VCD teilgenommen hatten, erhielten wir aufgrund der hohen Zahl von Menschen, die uns unterstützt haben, die Zusage eines Zuschusses von 2000 Euro vom VCD – allerdings verknüpft mit der Bedingung, dass wir das Projekt bis April nächsten Jahres realisieren. Zugleich haben wir zum jetzigen Zeitpunkt schon wieder über 1000 Euro Spenden eingeworben. Auch die Stadt Fulda hat einen Zuschuss von 2000 Euro in Aussicht gestellt, was aber noch endgültig genehmigt werden muss. Es fehlen also noch mindestens 3000 Euro – daher die Bitte: Unterstützt uns weiter mit Spenden und durch Weitersagen und Werbung.

Spenden aufs Konto des VCD Hessen: „Lastenräder für Fulda“

Spenden können auf das Spendenkonto des VCD Hessen unter dem Kennwort „Lastenräder für Fulda“ eingezahlt werden – und selbstverständlich werden sie ausschließlich für unser Projekt verwendet. Jede Spende, und sei sie noch so klein, zählt! Die Spenden sind übrigens bis zur Höhe von 200 Euro einfach durch Vorlage eines Kontoauszugs steuerabzugsfähig. Für Spenden über 200 Euro können wir auch Quittungen ausstellen – in diesem Fall bitten wir um eine Mail an uns.

Besonders freut uns im Moment, dass wir möglicherweise bereits den Standort für das erste Lastenrad gefunden haben. Das Bürgerzentrum Ziehers-Süd wäre bereit, ehrenamtliche Ausleihstation zu sein. Ob das Rad dann dort zu stehen kommt, ist noch nicht ganz geklärt – aber wir hoffen, dass es klappt. Um uns am Standort bekannt zu machen und für uns und unser Projekt zu werben, waren wir übrigens letzten Samstag mit einem Stand auf dem Fest am Bürgerzentrum vertreten und lernten von der lokalen Umweltinitiative über Sportvereine und Mitglieder von Mittendrin viele Aktive vor Ort kennen.

Fernziel: Ein Rad für jeden Ortsteil!

Wir beginnen zunächst mit einem Rad und lokal begrenzt – aber Ziel unserer Initiative ist, dass zukünftig in allen Stadtteilen Fuldas Lastenräder kostenfrei ausgeliehen werden können. Das Ausleihen geschieht durch Buchen auf der Webseite, die wir installieren werden. Dort können die Nutzer_innen auch einsehen, wann das Lastenrad bereits ausgeliehen ist. Bei Main-Lastenrad – der Initiative, deren Modell wir übernehmen – kamen nach dem erfolgreichen Anlaufen des Projekts mit lediglich drei Rädern übrigens noch mehr Lastenräder dazu, ohne das Main-Lastenrad eigenes Geld investieren musste. Das Projekt hatte nämlich auch andere Akteure überzeugt, so dass beispielsweise ein Gemeindezentrum und weitere Läden eigene Räder anschafften und sie ebenfalls über das System von Main-Lastenrad zugänglich machten.

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Wir radeln nach Frankfurt – zur #aussteigen-Demo!

Fulda | 25.07.2019. Eigentlich erstaunlich, dass es nicht schon früher passierte, aber dieses Jahr ist es tatsächlich soweit: Ein breites Bündnis von Organisationen, vom ADFC über den Verkehrsclub Deutschland, die Naturfreunde Deutschlands, den BUND bis zu Greenpeace laden zur großen Demo und Fahrradsternfahrt #aussteigen, um am 14. September Einspruch gegen das jährliche „größer, schwerer, protziger!“ der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt zu erheben. Und wir aus Fulda radeln hin – und fahren dafür bereits am Freitag, dem 13. September, um 10 Uhr ab Uniplatz mit dem Rad als Demonstrationszug los. Darüber informieren wir am heutigen 25. Juli um 19 Uhr auf einem Mobi-Treffen in der L14Zwo, Lindenstraße 2.

Auf dem Treffen werden wir vorstellen, was uns zur Teilnahme bewegt, und unseren Plan für die Demo Richtung Frankfurt vorstellen. Dabei geht es über Neuhof und Flieden über die Autobahnraststätte Distelrasen weiter nach Schlüchtern und über Gelnhausen nach Langenselbold. In Langenselbold soll übernachtet werden,  um am nächsten Tag über nord-mainische Orte als Teil der Sternfahrt nach Frankfurt hineinzufahren. Dabei soll das Tempo immer so bleiben, dass alle mitkommen.

Natürlich muss auf der Demo deutlich werden, wofür wir einstehen. Deshalb wollen wir uns vorher noch einmal treffen, um eine bunte und informative Ausrüstung für unsere Fahrräder herzustellen. Wer heute nicht zu dem Treffen kommen will, aber gern über weitere Planungen und Updates informiert werden möchte, kann uns gern unter verkehrswende.fulda@vcd-hessen.de eine Mail schreiben.

 

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RADikal nutzt Preisverleihung für kritisches Statement

Mit diesem Foto gewann RADikal einen der Preise für das originellste Teambild.

Fulda – 18. Juli 2019. | Bei der Preisverleihung für das Stadtradeln hat sich schon eine Routine eingespielt. Dieses Jahr gab es allerdings eine kleine Überraschung, als das Team RADikal den Empfang ihres Preises für ein kurzes, aber kritisches Statement zur Radverkehrspolitik der Stadt Fulda nutzte.

Wie immer hatten sich wieder zahlreiche Stadtradeln-Teammitglieder unter den Kronleuchtern des Marmorsaals im Stadtschloss versammelt und nahmen ihre Preise entgegen. Prämiert wurden unter anderem die Bardo Bikers der Bardoschule und die Hochschule Fulda als Teams mit den meisten aktiven Radelnden und der RSF 80 Petersberg, der ADFC Fulda und Die FROHen (letzteres natürlich ein Team des RSV FROH Fulda e. V.) für die meisten gefahrenen Kilometer pro Kopf.

Radfahren macht Spaß – nur leider nicht in Fulda

Klimamanagerin Hergott verleiht den Preis an RADikal.

Erst als das Team RADikal von Studierenden der Hochschule Fulda an die Reihe kam, um als eines unter mehreren Teams einen Preis für das originellste Teamfoto in Empfang zu nehmen, wurde von der Routine abgewichen, indem Nora Hillebrand in einem kurzen Statement für ihre Gruppe auf die Widersprüchlichkeiten des Fuldaer Stadtradelns verwies. Einerseits sei erklärtes Ziel des Stadtradelns, „möglichst viele Menschen zum Umsteigen auf das Fahrrad zu bringen“.

Doch gerade in Fulda sei das Potential fürs Radfahrern noch längst nicht ausgeschöpft, denn die meisten Leute, die in Fulda Fahrräder besitzen, fänden eben auch, „dass sich die Entscheidungsträger mehr um Radverkehrsförderung kümmern“ sollten. Ja, Radfahren ist ökologisch, gesund „und macht Spaß – nur leider nicht in Fulda“, so Nora Hillebrand. Es überraschte kaum, dass die circa 60 anwesenden Fuldaer und Petersberger Radler_innen hier spontan applaudierten.

„Noch mehr Leute fahren Rad – und wir müssen etwas für sie tun.“

Stadtbaurat Schreiner war nur in Form seiner Blogeinträge zum Stadtradeln an einer Moderationswand anwesend.

Klimaschutzmanagerin Dorothea Hergott, die die Preise verlieh, blieb souverän und behielt ihre gute Laune. Abschließend betonte sie noch einmal, dass sie sich über die Beteiligung von 721 aktiven Radelnden beim Stadtradeln sehr gefreut hatte. Ihr sei aber auch klar: „Es gibt noch viel mehr Leute, die Fahrrad fahren, und wir müssen etwas für sie tun.“ Wie Nora Hillebrand in ihrem Statement kurz erwähnt hatte, waren die politisch Verantwortlichen bei der Preisverleihung allerdings leider nicht anwesend. Auch Stadtradeln-Star Daniel Schreiner war nur in Form eines Posters mit seinen Blogeinträgen präsent.

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Lastenräder für Fulda

Unterstützer_innen des Lastenradprojekts beim Dreh für das StartNext-Video. Wer sagt, man könne mit einem Rad nichts transportieren …? (Das Rad ist übrigens nur geliehen.) Foto: Daniel Beise

Ganz ohne Auto auskommen? Mit Blick auf die wöchentlichen Großeinkäufe halten viele das heute für unmöglich. Damit es zumindest Menschen in Fulda leichter wird, mit dem Fahrrad gleichwertig mobil zu sein, arbeiten wir von Verkehrswende Fulda, der Regionalgruppe des VCD in Fulda, gerade daran, einen kostenfreien Lastenradverleih in Fulda aufzubauen. Dabei werden wir übrigens tatkräftig von Food-Sharing Fulda, dem ADFC-Kreisverband Fulda und von engagierten Einzelpersonen unterstützt. Auch alle, die diesen Text lesen, können uns dabei unterstützen – entweder durch eine kleine Spende während unserer Crowdfunding-Kampagne auf StartNext, die vom 4. Juni bis 2. Juli aktiv sein wird, oder durch das Weitergeben unseres Kampagnen-Links: http://www.startnext.com/lastenraeder-fuer-fulda. Für Unterstützer_innen haben wir uns übrigens auch ein paar Dankeschöns ausgedacht!

Buche dein Lastenrad online!

Mit unserem Projekt orientieren wir uns an Main-Lastenrad, das von der Regionalgruppe Rhein-Main des VCD in Frankfurt umgesetzt wurde. Das Prinzip ist einfach: Die Nutzer_innen erstellen ein Online-Profil auf einem mit einer Open-Source-Software angelegten Buchungswebsite und buchen ein Lastenrad für einen bis drei Tage. Ausgeliehen wird das Rad an einer Station – beispielsweise einem Laden oder anderen Ort, wo Menschen sich bereit erklärt haben, das Rad ehrenamtlich auszugeben. Stationen der ersten Stunde waren in Frankfurt beispielsweise eine tegut-Filiale und die Weinhandlung Wein-Societät. Mittlerweile haben sich aber noch mehr Läden eingeklinkt und selbst eigene Lastenräder in den Verleih eingebracht. In Fulda haben wir erste erfolgversprechende Kontakte angebahnt, aber die Station für das erste Rad steht noch nicht fest.

Volle Kraft voraus mit E-Unterstützung

Während ein Großteil der Frankfurter Räder unmotorisiert ist, planen wir in Fulda, gleich ein E-Lastenrad anzuschaffen – denn Fulda ist einfach weniger flach als Frankfurt. Diese Entscheidung erhöht allerdings auch die Startkosten. Zunächst werden wir mit einem Rad beginnen, um den Bedarf zu testen. Zukunftsvision wäre aber natürlich: Ein Lastenrad in jeder Nachbarschaft, damit alle Fuldaer_innen ein Rad für den Großeinkauf in ihrer Nähe haben.

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Ab jetzt: Mit dem Spätzug nach Gersfeld

Sage und schreibe um 23 Uhr fährt jetzt an Wochenenden (freitags und samstags) sowie vor Feiertagen die letzte Rhönbahn in Fulda ab.

Fulda | 15. Dez. 2018. Seit letztem Freitag, 14. Dezember, ist es soweit. Wer jetzt am Wochenende in Fulda gepflegt und ohne Eile zu Abend essen oder um 21 Uhr noch ins Kino gehen möchte, muss erst um 23.23 Uhr am Bahnhof Fulda sein, um wieder mit dem Zug Richtung Gersfeld in die Rhön zurückzufahren. Die späte Abfahrtszeit wird dabei nicht nur freitags und samstags, sondern auch vor Feiertagen angeboten.

Tatsächlich war schon die erste Fahrt mit sage und schreibe 24 Reisenden durchaus ein Erfolg. „Ich hab‘ das ehrlich gesagt nicht erwartet“, so der Zugbegleiter. „Nach Gersfeld? Ich hab‘ gedacht, so zwei, drei.“ Erst auf der Rückfahrt fuhren dann nur sechs Personen von Gersfeld aus mit. Verstärkung erhielten die Fahrgäste dann erst wieder in Eichenzell, wo noch zwei junge Nachtschwärmer einstiegen. Plausibel, dass die Zahlen noch steigen, wenn sich das Angebot erst einmal herumgesprochen hat. Nur das kleine Team von Pro Bahn und Bus, das den Spätzug aus reinem Enthusiasmus bei der ersten Fahrt begleitete, wird voraussichtlich nicht regelmäßig dabei sein.

Kleine Nachbesserungen könnte das Angebot aber noch Vertragen. Während die Bahnhöfe etwa in Eichenzell und am Endbahnhof ordentlich beleuchtet waren, sah es beispielsweise in Lütter, Schmalnau und an anderen Haltestellen duster aus: Es gab jeweils nur eine Lampe, die notdürftig den Fahrkatenautomaten beleuchtete. Und der Automat in Gersfeld hatte dann noch eine Überraschung parat und schüttete offenbar seinen gesamten Vorrat an 2-Cent-Münzen aus. Von einer neuen Strategie des RMV, durch zufällige Ausschüttung von Jackpots zu ökologischerem Verkehrsverhalten anzureizen, ist der Redaktion allerdings nichts bekannt.

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Zum Umsteigen gut! Was macht öffentlichen Nahverkehr attraktiv?

Menschenleere Bushaltestelle mit Unterstand, Schild und daran befestigtem Fahrplan und Mülleimer.

Fuldas Busangebot – zum Umsteigen gut?

Verkehrswende Fulda lädt zur Diskussion

Was muss in passieren, damit auch Sie vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen? Darüber möchte Verkehrswende Fulda – Regionalgruppe des Verkehrsclub Deutschland (VCD), am Dienstag, 13. November ab 19 Uhr im Umweltzentrum Fulda, Johannisstraße 44, mit Menschen aus Fulda und Umgebung auf unserer Diskussionsveranstaltung „Zum Umsteigen gut! Was macht öffentlichen Nahverkehr attraktiv?“ ins Gespräch kommen.

Mitdiskutieren werden Martin Thaler vom Stadtpanungsamt Fulda, Experten für öffentlichen Nahverkehr des VCD, ein Verkehrsplaner aus dem Rhein-Main-Gebiet und engagierte Bürgerinnen und Bürger. Verkehrswende Fulda ist dabei gespannt darauf, sich mit Teilnehmenden dazu auszutauschen, was sich ganz konkret ändern müsste, damit sie vom Auto auf den Bus umsteigen. Wer jetzt schon mit Bus und Bahn in Fulda und Umgebung mobil ist, kann berichten, was schon gut klappt – und was nervt, besonders, wenn man auf den Bus angewiesen ist. Und die von Verkehrswende Fulda eingeladenen Experten werden ihr Wissen dazu beitragen, welche Maßnahmen anderswo zu Erfolgen beim Umsteigen führten und welche Verbesserungen mit der jüngsten Fortschreibung des Nahverkehrsplans geplant sind.

Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland findet Umweltschutz wichtig und sieht den Klimawandel als große Bedrohung an. Doch in kaum einem Bereich klafft eine so große Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit wie beim Mobilitätsverhalten. So ist die Mobilität der einzige Bereich, bei dem die CO2-Emissionen in den letzten Jahrzehnten in Deutschland gestiegen statt gesunken sind. Auch in Fulda ist der Trend zu Monsterautos ungebrochen – während der öffentliche Nahverkehr ein Schattendasein fristet. Was genau passieren muss, damit sich das ändert, und was die Stadt Fulda, aber auch jede_r einzelne von uns tun kann, ist Thema unserer Diskussionsveranstaltung.

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Die BikeNight: (Fast) ganz Frankfurt eine Fahrradstraße

Die leuchtenden Helme von Tourenleitung Steffi Karl wies der Gruppe den Weg durch die BikeNight.

Am 1. September war es wieder so weit und der ADFC Frankfurt organisierte wieder seine BikeNight, die große jährliche Fahrraddemo für bessere Bedingungen für den Radverkehr. Dort heißt es „Straßen frei für Radfahrende“ – und die speziell für die BikeNight reservierten Routen mutieren dann zu Fahrradstraßen. Damit sich das besonders toll anfühlt, ist immer auch ein Autobahnabschnitt dabei. Dieses Jahr lud der ADFC Fulda wieder zu einer Radtour mit dem Endziel BikeNight, die in Offenbach startete und neben allerlei Sehenswertem auch über die in Kürze fertiggestellte längste Fahrradstraße Hessens führte.

Fahrradfährnisse beim Zugfahren

Biker im Zug – hier müde auf der Rückfahrt.

Die von der Tourenleiterin Steffi Karl betreute Gruppe von 17 Radelnden erlebte dabei schon auf ihrer Reise gen Offenbach die typischen Fährnisse, die Radfahrenden beim Nutzen des öffentlichen Nahverkehrs begegnen können. Denn am Tag der Tour fand auch das Heimspiel der Eintracht Frankfurt gegen Werder Bremen statt, so dass der Zug um kurz nach elf bereits in Fulda mehr als gut besetzt war. Obwohl die Tour und die Fahrradmitnahme bereits Anfang 2018 angemeldet waren, waren natürlich eine Vielzahl der Klappsitze im Mehrzweckabteil besetzt – die aber dann glücklicherweise ausreichend von den Mitreisenden freigegeben wurden. Trotzdem schimpfte ein Bahner, der als Passagier unterwegs war, dass man ja nicht unbedingt Fahrräder mitnehmen müssen, wenn auch gerade ein Fußballspiel stattfindet.

Zwischenhalt auf der höchsten Erhebung des südlichen Frankfurt.

Nachdem noch mehr Gruppenmitgliedern zugestiegen waren ging es ins Offenbach raus aus dem Zug, und zwar nach einer seltsam nach den 1930ern klingenden Ansage des Bahnbegleitpersonals, die „Gruppenführerin des Deutschen Fahrradclubs“ hätte darum gebeten, auf den nahenden Ausstieg aufmerksam zu machen. Endlich auf dem Sattel sitzend radelte die Gruppe am Wetterpark Offenbach vorbei, wo man an Exponaten Tornados selbst ins Wirbeln bringen und allerlei Wetterphänomene anschaulich nachvollziehen kann, und weiter zur Stangenpyramide aus 456 Rundhölzern, wo sich ein Aussichtspunkt auf der höchsten Erhebung des südlichen Frankfurt befindet. (Für Leute, die die Rhön gewohnt sind, sei angemerkt: Sehr hoch ist das nicht.) Dort wurde die Gruppe dann von Dieter Fröhlich, dem ehrenamtlichen Radverkehrsbeauftragten der Stadt Dreieich, freundlich für eine Stadtführung durch Dreieich in Empfang genommen.

In Dreieich radelte die Gruppe durch die Altstadt und am Schloss in Dreieich-Hayn vorbei zu allerlei anderen Sehenswürdigkeiten. Dabei fielen auch die Schutzstreifen für Radfahrende auf den Hauptverkehrsstraßen auf, die sich positiv von ähnlichen Streifen in Fulda unterschieden. Obwohl diese nämlich ganz wie in der Leipziger Straße oder Kurfürstenstraße in Fulda auch entlang von Längsparkständen verlaufen, verfügen diese Radstreifen über eine weitere gestrichelte weiße Linie links von der linken Parkplatzbegrenzung. Diese rechtsseitige Begrenzung des Schutzstreifens dient dazu, dem Rad- und Autoverkehr zu signalisieren, dass Radfahrende hier einen Mindestabstand von den parkenden Autos einhalten müssen, um vor sich plötzlich öffnenden Türen gefeit zu sein. Diese Markierung entspricht übrigens auch, anders als bei den Schutzstreifen in Fulda, den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen, die auf Forschung zu sicherer Radwegeführung basieren.

Viel Zustimmung für die längste Fahrradstraße Hessens

Der krönende Abschluss der Tour durch Dreieich war die Fahrt auf der dortigen Fahrradstraße, die nach der Vollendung des letzten Teilstückes die längste Fahrradstraße in Hessen sein wird. Wie Dieter Fröhlich erklärte, haben Radfahrende auf der Fahrradstraße Vorrang und dürfen sogar nebeneinander Fahren. Autos sind- wie auf dieser Fahrradstraße – zugelassen, wenn ein Schild sie für den Autoverkehr freigibt, während sich für Leute, die zu Fuß gehen, auf der Straße weiter nichts ändert. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 30 Kilometerstunden Bei den Nebenstraßen, die in die Fahrradstraße münden, wurden die Rechts-vor-links-Regelungen beibehalten – aber auf der Fahrradstraße genießen Radfahrende dennoch Vorrang. Die Stadt Dreieich hatte eine öffentliche Informationsveranstaltung zur Fahrradstraße organisiert, auf der die Straße auch bei den Anwohnern des umliegenden Wohngebiets fast ausschließlich auf positive Resonanz stieß. Bei den bereits umgesetzten Teilen der Fahrradstraße scheint es bisher keine Probleme zu geben.

Für den Autoverkehr freigegeben – coch Vorrang haben Radelnde.

Am Bahnhof Buchschlag, dem einen Ende der Fahrradstraße, traf die Fuldaer Gruppe auf einen Radfahrer, der gerade am Boden zerstört sein an den dortigen Fahrradständern gestohlenes Rad suchte. Doch auch hier hat der Bahnhof in Form von abschließbaren Bikeboxen Vorbildliches vorzuweisen. Der ADFC Dreieich hat dort übrigens auch selbst weitere Boxen aufgestellt. Die kostenpflichtigen Boxen dienen dabei nicht nur der Sicherheit. „Da kann man bei Regen dann auch seine Sachen drin lassen,“ erklärte Dieter Fröhlich.

Der Leuchthelm wird präpariert.

Nächste Station war dann schon der Römer in Frankfurt, auf der sich bei der Eröffnungskundgebung über 2000 Leute mit ihren Rädern drängten. Währenddessen wurden Räder und Radelnde BikeNight-fertig gemacht. So brachte die Tourenleitung und der Schlussmann der Gruppe neben den bereits am Helm befestigten Lämpchen noch kleine, auf biegsamen Routen über den Helmen schwankende Leuchtfiguren an ihren Helmen an, die den Mitfahrenden während der nächtlichen Rundfahrt erleichterten, trotz des zeitweise großen Gedränges bei der Gruppe zu bleiben. Vielen der mitfahrenden Radbesonderheiten begegnete die Fuldaer Gruppe dann erst während der Tour – so den aeodynamischen vollverkleideten Fahrrädern, Fahrradhelme mit Quietscherentchen als „Kühlerfigur“, Räder mit blinkenden Sternchen an den Spreichen oder gar ein Fahrrad in Form einer Segeljacht.

Frankfurter Initiative strengt Bürgerentscheid zum Radverkehr an

Und los ging’s: Unbeschwertes Radeln auf Frankfurts häufig vier- oder sechsspurigen Straßen, durch Tunnels und über die ganze Breite der Straßen – ohne Autoverkehr oder Gefahren durch abbiegende Lkws. Gegen Ende ging es sogar über die Autobahn Pariser Straße, von der aus sich die Fahrraddemo dann mit nächtlichem Blick auf den Messeturm wieder in die Innenstadt schlängelte. Einziger Wermutstropfen waren die Fahrradstaus, immer wenn sich Straßen wieder stark verengten, die die Geschicklichkeit Radfahrender beim Langsamfahren auf die Probe stellten.

Inhaltlich wurde auf der BikeNight auch für die Bürgerninitiative Radentscheid in Frankfurt und ihr Projekt, ein Bürgerentscheid zum Radverkehr herbeizuführen. Hauptziel ist es, dass sich alle Bürger_innen Frankfurts – von 8 bis 88 Jahren – zügig und ohne Angst mit dem Rad in Frankfurt bewegen können. Bevor ein Bürgerentscheid stattfinden kann, müssen sich drei Prozent der Bürger_innen in einem Bürgerbegehren für einen Entscheid aussprechen – und das ist der Bürgerinitiative in Frankfurt bereits gelungen. Drei Prozent der Frankfurter_innen wären 15.000 Personen – unterzeichnet haben aber vor Ablauf der Frist bereits 40.000. Geworben wurde auf der BikeNight übrigens auch für den Fahrradklimatest des ADFC (noch bis 30. November 2018), bei dem jedermann online mitmachen und die Radverkehrssituation in der eigenen Stadt einschätzen kann, auch in Fulda!

Wie immer war die BikeNight für viele Teilnehmende vor allem inspirierend: So sicher, solidarisch und abgasfrei könnte es sich beim Radfahren immer anfühlen, wenn mehr Menschen aufs Rad und den ÖPNV umsteigen würden.

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Adrenalinschub beim Linksabbiegen

Die Leipziger – Problemzone beim Radeln von und zur Hochschule. Hier suggeriert die Straßenmarkierung, dass der zu schmale, gewundene Bürgersteigradweg mit schlechter Sicht auf dieser Teilstrecke benutzt werden muss.

Radeln von und zur Hochschule ist verbesserungsbedürftig

An unserem Verkehrswende-Stand beim Frühlingsmarkt war die Stimmung einhellig: Radfahren im Fuldaer Stadtverkehr ist gewöhnungsbedürftig. Das liegt vor allem daran, dass es – abgesehen von Routen für Freizeitradelnde wie in den Fuldaauen – kaum durchgehende Radverbindungen gibt, die wichtige Punkte miteinander verbinden und die sich schnell und sicher befahren lassen, um wichtige Alltagswege zurückzulegen. Deshalb beginnen wir  jetzt in Kooperation mit dem ADFC, in loser Folge mit unseren Radrouten-Checks Verbindungswege für Radelnde in Fulda zu testen. Thema ist dabei nicht, ob es überall Radwege gibt, sondern ob Verbindungswege einigermaßen gefahrlos und angstfrei, ohne zu viele Hindernisse und mit Spaß befahren werden können. Zu unseren Radrouten-Checks laden wir öffentlich ein, so dass sich alle Interessierten beim Testen und Formulieren von Verbesserungsvorschlägen beteiligen können.

Beim ersten Radrouten-Check ging es auf – allerdings bruchstückhaften – Schleichwegen vom Studierendenwohnheim An der Wiesenmühle zur Hochschule und anschließend von dort auf dem kurzen Weg in die Innenstadt. Dabei radelten wir zuerst links in die Kronhofstraße hinein und dann rechts über holprige Pflastersteine das wenig befahrene, steile Eichsfeld nach oben, das die kürzeste Verbindung zur Leipziger Straße darstellt. Das Eichsfeld darf allerdings nur Richtung Paulustor befahren werden, so dass Studierende diese eigentlich wichtige Kurzverbindung zwischen Leipziger und Kronhofstraße auf dem Nachhauseweg zum Studiwohnheim legal nicht nutzen dürften.

Eine noch ruhigere Alternative für dieses Teilstrück wäre übrigens der allerdings auch stärker ansteigende Rudolf-Theuer-Weg jenseits des Tunnels Weimarer Straße gewesen. Um diesen zu erreichen, hätten aber eine Fußgängerampel über die Weimarer Straße sowie der relativ stark befahrene Horaser Weg ohne Fußgängerüberweg überquert und oberhalb des Tunnels an der Leipziger Straße nochmals zwei Fußgängerüberwege mit Lichtsignalanlagen überwunden werden müssen. Obwohl es sich beim Rudolf-Theuer-Weg um einen ruhigen Rad- und Fußweg handelt, ist er insbesondere für Radfahrende, die Richtung Hochschule unterwegs sind, aufgrund der notwendigen vier Straßenquerungen kaum zumutbar. Überdies ist dieser Weg – die Radalternative für den Tunnel an der Weimarer Straße, die ja immerhin eine Landstraße ist – auch noch kaum beleuchtet.

Radwegeslalom um Sichthindernisse herum

An der Leipziger Straße, die wir nur wenige hundert Meter befuhren, häuften sich dann sogleich Probleme. Schon beim Auffahren vom Paulustor auf die Leipziger werden Radelnde, ohne dass sie selbst Vorteile durch diese Radwegeführung hätten, über eine kurze Strecke auf einem Radweg über den Bürgersteig wieder auf den Radstreifen auf der Fahrbahn gelenkt – und zwar ausgerechnet dort, wo an der Winfriedschule häufig starker Fußgänger- und Elterntaxiverkehr stattfindet. An der Kreuzung mit der Kurfürsten- und Buttlarstraße endet dann die Benutzungspflicht des Radwegs, denn auf der Abschnitt des Radwegs, der dann wieder als Radweg auf dem Bürgersteig als Slalomstrecke um eine Bushaltestelle und dann um den Brückenpfeiler herum unter der Eisenbahnbrücke hindurchgeführt wird, steht kein blaues Radwegeschild mehr. Trotzdem führen weiße gestrichelte Linien und ein Radsymbol auf der Straße auf den Radweg zu, was zu signalisieren scheint, dass dort der Radweg benutzt werden müsse. Da der Rad- und Fußweg dort sehr schmal sind und auf der Radspur laufende Fußgänger oder womöglich in der falschen Richtung radelnde Menschen aufgrund der Haltestelle und des Brückenpfeilers schlecht gesehen werden können, kann hier nicht zügig und sicher zugleich gefahren werden, so dass Radfahrenden – wenn auch nicht allen dort vorbeifahrenden Autolenkenden – einleuchtet, dass hier keine Benutzungspflicht mehr besteht. Im Gespräch über diese Stelle bemerkte die mitfahrende Studierende, dass auf diesem Teilabschnitt der Straße auch der Radweg in Richtung Buttlarstraße gefährlich ist, weil Autos, die aus der Straße An Vierzehnheiligen kommen, hier Fahrräder leicht übersehen können. In der Tat macht ein Schild hier die Autofahrenden sogar darauf aufmerksam, dass Radelnde auch aus der falschen Richtung kommen können. Klar – welcher Studi, der aus der Buttlarstraße kommt, möchte schon den Umweg über die gegenüberliegende Straßenseite nehmen, um auf derselben Seite der Leipziger wieder in die Gneisenaustraße einzubiegen?

Da unser Ziel ja war, auf der Hinfahrt eher Schleichwege zur Hochschule zu benutzen, galt es nun, die Leipziger nach links zu überqueren, um in eben die Gneisenaustraße einzufahren. Das kann durch Linksabbiegen auf der Linksabbiegespur geschehen, was viele Radelnde auf der vierspurigen Leipziger aber eher vermeiden. Daher taten wir, was viele Studierende hier an dieser Stelle in der Tat tun – nämlich über die Fußgängerampel zu queren. Statt dann etwas naheliegender über die Marquardtstraße auf den Hochschulcampus zu radeln, folgten wir der Verlängerung der Gneisenaustraße auf einen Rad- und Fußweg entlang der Eisenbahnlinie, der es erlaubt, die Hochschule kreuzungs- und ampelfrei und abseits des Autoverkehrs zu erreichen. Auf Begeisterung traf die Route aber eher nicht, da dieser sichere Weg für die meisten Campuslagen einen Umweg darstellt. Zwar erreicht man mit dieser Route recht direkt einen der beiden (!) überdachten Fahrradständer auf dem Campus. Dort würde sie aber nie ihr Rad abstellen, so die studierende Teilnehmerin: „Da müsste ich ja noch über den halben Campus zu Fuß laufen.“

Adrenalinschub beim Linksabbiegen

Hier aus Richtung Innenstadt kommend links aufs Hochschulgelände abzubiegen, erzeugt Adrenalin.

Zurück ging es über den kurzen Weg in die Innenstadt – und das hieß zunächst natürlich wieder, auf der Leipziger Straße zu fahren (auch wenn parallel zur Leipziger im Galgengraben noch ein weiterer Schleichweg verläuft). Dort, wo wir auf die Leipziger Straße auffuhren, direkt vor dem Hotel Lenz, ist übrigens die Stelle, wo die Autorin dieses Blogartikels immer von unten kommend links auf den Campus abbiegt. Beim Gespräch darüber waren wir uns alle einig: Es gibt keine Stelle, an der Radelnde auf der Leipziger mit wirklich gutem Gefühl links abbiegen können. „Deshalb sieht man den Großteil der Studenten auf dieser Seite auf der Radspur hier hochfahren. Die gehen über die Ampel“, so die Studierende über das an dieser Stelle besonders häufige regelwidrige Fahren auf der falschen Seite – oder dem Bürgersteig. Eine Erleichterung für das Linksabbiegen an diesem Eingang der Hochschule beim Hotel Lenz wäre vielleicht eine Querungshilfe ähnlich wie in der Petersberger Straße auf Höhe der Bäckerei Regulski.

Schade, hier hätte eine Alternative für Radelnde beginnen können. Stattdessen eine Treppe, die auch Menschen mit Rollstuhl und Kinderwagen den Durchweg verwehrt.

Einen kurzen Zwischenhalt legten wir noch in der Moltkestraße, Ecke Leipziger Straße ein. Hier beginnt eine campuseigene Parallelstraße zur Leipziger. Da an der Abzweigung Moltkestraße an der Leipziger eine Lichtsignalanlage den Verkehr regelt, ist hier Abbiegen etwas leichter als weiter oben vorm Hotel Lenz. Daher wäre diese Parallelstraße gut geeignet, um auf ihr mit dem Rad den oberen Teil des Campus zu erreichen … wenn, ja, wenn die Straße bei deren Neugestaltung mit einer Rampe auf die Moltkestraße geführt worden wäre. Leider befindet sich dort nun eine Treppe, was auch für Menschen mit Rollstuhl oder Kinderwagen die Auffahrt verwehrt. Hier ließe sich also noch etwas verbessern!

Markierung neu gestaltet – Konflikt vorprogrammiert

Beim Herunterfahren der Leipziger in Richtung Innenstadt dann dasselbe Problem wie in die andere Richtung: Es biegt sich nirgendwo angenehm links ab. Aufgrund der Baustelle an der Wörthstraße bogen wir über die Linksabbiegerspur in die Amand-Ney-Straße ein. Beim Gespräch darüber teilten später die meisten Teilnehmenden, dass sie an solchen Stellen auf der Leipziger normalerweise immer über Fußgängerampeln indirekt abbiegen würden – auch wenn dies natürlich länger dauert.

Das nächste Ärgernis wartete dann bereits in der Magdeburger auf uns: Ein Auto war nicht korrekt eingeparkt und ragte in den Schutzstreifen für Radelnde hinein, was auf der dort relativ schmalen Straße zu unangenehmem Ausweichen auf die Fahrbahn zwingt. Unter der Eisenbahnbrücke hindurch erfreut dann der vor kurzem neu markierte Schutzstreifen, der Radfahrende über die Kreuzung mit der Kurfürstenstraße leitet. Statt klar in die Fahrbahn Heinrich-von-Bibra-Platz zu führen, endet der Schutzstreifen rechts von der zu befahrenden Fahrbahn. Viele Autolenkenden interpretieren dies leider so, dass Radfahrende hier anhalten und ihnen die Vorfahrt lassen müssen. Schade – denn vor der Neugestaltung war die Markierung eindeutig und weniger konfliktträchtig. Glücklicherweise war dies das letzte größere Problem, denn bald waren wir bereits in der Fußgängerzone der Bahnhofstraße und am Uniplatz, von wo aus wir noch gemächlich in die Löherstraße radelten – wo aufgrund des extrem holprigen Pflasters nur der Komfort zu wünschen übrig lässt.

Der Schutzstreifen endet einfach zu weit rechts. Diese Fotografie verzerrt allerdings die tatsächlichen Verhältnisse, so dass das Problem nicht ganz deutlich wird.

Wir planen – wie gesagt in loser Folge – weitere Radrouten-Checks und freuen uns über Verstärkung. Wer das liest und Interesse hat, ist eingeladen, diesem Blog zu folgen. Weitere Checks werden wir hier und auf der Facebook-Seite von Verkehrswende Fulda – Regionalgruppe des VCD – ankündigen. Außerdem sind wir offen für Wünsche für weitere Fuldaer Radrouten-Checks, die auf der Kontaktseite dieses Blogs hinterlassen werden können.

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